Freitag, 4. Juli 2008

Betancourt nach 6 Jahren Geiselhaft in Frankreich: Gerücht um Lösegeld dementiert

  • Befreite Politikerin habe "grauenhafte Gewalt" erlebt
  • Schweizer Radiosender ortet inszenierte Befreiung

Die franko-kolumbianische Politikerin Ingrid Betancourt ist nach sechs Jahren Gefangenschaft im kolumbianischen Dschungel und zwei Tage nach ihrer Befreiung aus den Händen der FARC-Rebellen bei Paris von Staatspräsident Nicolas Sarkozy und seiner Frau empfangen worden. Laut einem Medienbericht wurden Betancourt und 14 weitere Geiseln um 20 Millionen Dollar durch die USA freigekauft.

Betancourt zeigte sich nach ihrer Ankunft am Militärflughafen Villacoublay überglücklich: "Im Dschungel habe ich vor Schmerzen geweint, heute weine ich vor Freude", sagte sie. Sie dankte der französischen Bevölkerung und dem Präsidenten für ihren unermüdlichen Einsatz. Betancourt ging in Frankreich zur Schule und hat neben der kolumbianischen die französische Staatsbürgerschaft. Ihre beiden Kinder leben in Frankreich. Sarkozy zollte der 47-Jährigen tiefen Respekt für ihren Durchhaltewillen. "Ihre Befreiung ist eine Botschaft der Hoffnung, dass es immer ein Licht am Ende des Tunnels gibt", sagte er.

Viel Zeit zum Ausruhen bleibt Betancourt in Frankreich nicht. Papst Benedikt XVI. teilte mit, er wolle der Politikerin, die 2002 während ihres Präsidentschaftswahlkampfes von der Guerilla entführt worden war, so bald wie möglich eine Audienz gewähren.

Betancourt: "Grauenhafte Gewalt" erlebt
Die 47-Jährige hat in ihrer mehr als sechs Jahre dauernden Geiselhaft im Dschungel nach eigenen Worten "grauenhafte" Gewalt erlebt. Sie sei gefoltert und erniedrigt worden, sagte Betancourt in einem am Freitag ausgestrahlten Interview mit dem französischen Sender Europe 1. Drei Jahre lang habe sie rund um die Uhr Ketten tragen müssen. "Es war so grauenhaft, dass es ihnen, glaube ich, selbst zuwider war", sagte Betancourt.

20 Mio. Dollar Lösegeld dementiert
Laut eines Schweizer Radiosenders wurde Betancourt losgekauft. Die FARC-Rebellen hätten rund 20 Millionen Dollar für die Politikerin und die 14 weiteren Geiseln bekommen, berichtete RSR unter Berufung auf eine "glaubhafte und mehrfach erprobte" Quelle. Hinter dem Handel stünden die USA. Die spektakuläre Befreiungsaktion mit einem Hubschrauber im Dschungel sei inszeniert gewesen. Die französische Regierung dementierte bereits eine Lösegeldübergabe. (apa/red)

4.7.2008 20:15