Donnerstag, 3. Juli 2008

Interner Machtkampf destabilisiert die SPÖ: Der Partei steht große Zerreißprobe bevor

  • NEWS: Laut Umfragen ist die SPÖ "weniger wählbar"
  • Prominente SPÖ-Politiker kritisieren Führungs-Duo

Er sei wieder "richtig kampfeslustig" und mit "neuem Mut" ausgestattet, kolportieren seine letzten Freunde in der Partei. In Momenten der Krisen - der Zerreißproben -, die derzeit fast im Minutentakt anstehen, sei er "eben wirklich gut", klammern sie sich daran, dass Alfred Gusenbauer vielleicht länger im Bundeskanzleramt bleiben könne, als die meisten glauben.

Und so mimt der rote Bundeskanzler eben den unerschütterlichen Kämpfer gegen die ÖVP und hofft, damit noch einmal seinen Kopf aus der roten Schlinge ziehen zu können. So warnt er derzeit auch seine Parteifreunde, dass die ÖVP nur diverse Umfragen sondiere und jederzeit den Absprung aus der Koalition wagen könnte, falls die SPÖ nicht geschlossen auftrete.

Hat der schon zigmal Totgesagte also wirklich die Chance, noch einmal - wider alle Erwartungen - aufzuerstehen? Wohl kaum, sagen zumindest die meisten der Seinen. Werden die roten Granden, den von ihnen so verachteten "Gusi" also schon bei der nächsten SPÖ-Präsidiumssitzung am 7. Juli - wie geplant - vom Kanzlersessel stoßen?

"Wir werden der ÖVP nicht diesen Gefallen machen", antwortet ein roter Präside. Derzeit sei die Angst vor Neuwahlen zu groß, und da wolle man "keinerlei Anlass dafür" bieten.

Desaströse Umfragewerte
Nicht ohne Grund: Die NEWS-market-Umfrage zeigt schließlich, dass 65 Prozent der 500 Befragten die SPÖ nach dem EU-Schwenk für "weniger wählbar" halten. Im Augenblick drängt es den designierten SPÖ-Chef mit den so glänzenden Kontakten zu zwei Tageszeitungen denn auch nicht in Neuwahlen oder auf den derzeit so gar nicht kommoden Kanzlersessel. Der smarte Infrastrukturminister weiß schließlich, dass er zuvor seine - freundlich ausgedrückt - mehr als beunruhigte Partei kalmieren muss.

Denn mit ihrem umstrittenen Leserbrief an "Krone"-Herausgeber Hans Dichand haben Faymann und Gusenbauer nicht nur den Koalitionspartner sowie fast alle Medien in Rage gebracht, sondern auch Teile ihrer eigenen Partei in veritable Wallungen versetzt. Nicht nur Ex-SP-Kanzler Franz Vranitzky schäumte über den roten EU-Schwenk, auch immer weitere aktive SPÖ-Politiker rebellieren gegen den neuen Kurs und die Informationspolitik der roten Doppelführung.

Rot-blaue Ängste
Aber nicht nur diese Sache erregt die roten Gemüter. Es ist auch die Angst vor einer möglichen rot-blauen Koalition, die plötzlich um sich greift. Ein SPÖ-Mann fürchtet: "Offenbar strebt Faymann eine rot-blaue Koalition an."

Ängste, die Faymann mit einer kategorischen Absage einer Zusammenarbeit mit den Blauen nun zu zerstreuen sucht. Im NEWS-Gespräch betont er, dass ihn dieser Verdacht "wirklich berühre. Jeder, der mich kennt, weiß, dass das für mich eine Grundsatzfrage ist. Ich würde keinen einzigen Tag mit der Strache-FPÖ zusammenarbeiten."

Tja, man könnte fast schon Mitleid mit Faymann bekommen und dem Spagat, der ihm bevorsteht, denn immer mehr SPÖ-Funktionäre in den Bundesländern sehnen sich danach, "die ÖVP endlich in die Wüste zu schicken", wie ein SPÖ-Landespolitiker meinte.

Mehr zur Krise in der Regierung lesen Sie im aktuellen NEWS 27/08!

3.7.2008 15:42