Montag, 30. Juni 2008

Plassnik legt sich offen mit der "Krone" an: Zwist mit Dichand über Vier-Augen-Gespräch

  • Wirft dem Herausgeber verzerrte Darstellung vor
  • Zeitungs-Boss belustigte sich über Unterredung

Außenministerin Ursula Plassnik legt sich ganz offen mit der "Kronen Zeitung" an. Anlass ist ein Kommentar von Herausgeber Hans Dichand in der "Sonntag"-Krone, in dem dieser eher belustigt über ein Gespräch mit der Ministerin über die Möglichkeit einer EU-Volksabstimmung berichtet. Plassnik lässt sich dies nun nicht gefallen und schlägt mit einem offenen Brief zurück, in dem sie Dichand eine verzerrte Darstellung der Unterredung vorwirft und die "Krone" einer einseitigen und angstmacherischen EU-Berichterstattung zeiht.

Dichand berichtete in seiner Zeitung in einem Einspalter, dass Plassnik ihn im Pressehaus besucht habe, unmittelbar bevor die neue SPÖ-Spitze ihren geänderten EU-Kurs per "Krone"-Leserbrief bekanntgegeben hatte. Nebst einem Bericht über die inhaltlichen Zwistigkeiten in der Unterredung belustigt sich Dichand darüber, dass ihm die Außenministerin ein gerahmtes Foto von ihr geschenkt habe und sie zwischendurch beleidigt aufstehen habe wollen.

Plassnik schreibt nun, dass ihr Dichand bereits im Juli des Vorjahres bei einem Besuch im Pressehaus ein "unmoralisches Angebot" unterbreitet habe - und zwar mit folgenden Worten: "Ich weiß, wie Sie Ihre Partei und diese Regierung retten können." Auf ihre überraschte Nachfrage sei dann die Klärung erfolgt: "Indem Sie für eine Volksabstimmung über den EU-Reformvertrag sind!"

Sie habe Dichand schon damals klipp und klar dargelegt, warum sie dieses Ansinnen mit aller Entschiedenheit zurückweise - auch wenn ihr bewusst sei, hier "gegen den Strich zu bürsten". Eine Volksabstimmung zum Lissabonner Reformvertrag sei in Österreich weder verfassungsrechtlich geboten gewesen noch demokratiepolitisch sinnvoll.

Plassnik mutmaßt nun, dass Dichand Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S) und dem designierten SPÖ-Chef Werner Faymann inzwischen ein ähnliches Offert gemacht habe wie zunächst ihr: "Die beiden haben dieses bedauerlicherweise angenommen."

Tatsache sei, dass die "Kronen Zeitung" durch ihre Anti-EU-Kampagne hohen Anteil an der weiter gestiegenen EU-Feindlichkeit in Österreich trage: "Mit ihrer einseitigen, verunsichernden und angstmacherischen EU-Berichterstattung ist die 'Kronen Zeitung' leider Teil des Problems und nicht Teil der Lösung", schreibt die Außenministerin und ergänzt: "Die staatspolitische Verantwortung dafür kann Ihnen, Herr Dichand, niemand abnehmen."

Dass sie beim jüngsten Gespräch mit Dichand beleidigt reagiert habe und den Heimweg antreten habe wollen, bestritt Plassnik: "Sie irren: Nicht Beleidigung war der Grund meines Verhaltens sondern Selbstachtung. Sie hatten mir zuvor dreimal unterstellt, meine Haltung in EU-Fragen entspreche nicht meiner inneren Überzeugung. Ich war nicht bereit, mir das noch ein viertes Mal anzuhören."

Und zur Geschenkesache meint die Ministerin, gleich zwei Präsente mitgebracht zu haben, das erste ein ganzseitiger Dichand-Kommentar aus dem Jahr 1994, in dem die Notwendigkeit des österreichischen EU-Beitritts zentrales Thema ist. Und das zweite sei ein Foto der vom "Krone"-Herausgeber "großzügig geförderten" Hand-in-Hand-Schule in Jerusalem gewesen.

Für die Zukunft hofft Plassnik wieder auf eine Besserung des Verhältnisses zum Chef des größten Blatt des Landes, ohne von ihrer Linie abzugehen: "Ich gehe davon aus, dass wir auch künftig auf menschlicher Ebene respektvoll, höflich und professionell miteinander umgehen werden. Ich werde jedenfalls meine Arbeit im Sinne meiner Überzeugung konsequent fortsetzen" - gezeichnet mit "Unbeeindruckt Ursula Plassnik".

(apa/red)

30.6.2008 15:16