Freitag, 4. Juli 2008

Heute Schicksalstag für Medizinstudenten:
Eignungstest für Aufnahme zum Studium

  • 5.859 Kandidaten bewerben sich um 1.500 Plätze
  • Medizin-Eignungstests in Wien, Graz und Innsbruck

Im Zuge des heuer zum dritten Mal von den Medizinischen Universitäten in Graz, Innsbruck und Wien durchgeführten Aufnahmetests für ein Medizin-Studium im Herbst sind 5.859 von den ursprünglich rund 7.500 angemeldeten Kandidaten angetreten, um einen der 1.500 Plätze zu ergattern. Wie bereits in den Vorjahren nahmen wieder mehr Frauen als Männer an dem Test teil. Ob sich das tendenziell schlechtere Abschneiden der Kandidatinnen auch heuer wieder bestätigt, werden die im August vorliegenden Ergebnisse zeigen, in Graz gibt es eine provisorische Reihungsliste bereits ab 18. Juli.

In der Grazer Stadthalle erschienen 925 Anwärter mit der Absicht, die Zulassung für einen der 360 Plätze in der Human- oder Zahnmedizin zu erhalten. Sie stellten sich dem in Graz durchgeführten "Wissenstest" mit 225 Fragen aus den Bereichen Biologie, Chemie, Physik, Mathematik sowie Aufgaben zum Textverständnis. "All jene, die es nicht schaffen, haben nicht versagt", beruhigte Gilbert Reibnegger, Vizerektor für Studium und Forschung bei der Begrüßung.

In der 16.000 Quadratmeter großen Halle A auf dem Messegelände in Wien ritterten 2.876 Personen - ausgerüstet mit Stiften und Ausweis sowie Wasser und "Nervennahrung" - um 740 Plätze, in der Tiroler Landeshauptstadt kämpften 2.058 Personen um einen von 400 Studienplätzen im Bereich der Human- und Zahnmedizin. An beiden Standorten wurde der aus der Schweiz stammende Eignungstest für das Medizin-Studium (EMS) durchgeführt. Dieser besteht aus zehn Untertests, darunter "Quantitative und formale Probleme", "Textverständnis", "Planen und Organisieren" und "konzentriertes und sorgfältiges Arbeiten".

Frauen bisher mit geringerer Erfolgsquote
In der Vergangenheit hatte sich im Zuge der Tests eine geringere Erfolgsquote der Frauen gegenüber den männlichen Anwärtern gezeigt. Es kam zu einer dramatischen Verschiebung des Geschlechter-Verhältnisses. So traten etwa im Vorjahr in Wien 56,6 Prozent Frauen an, einen Studienplatz ergatterten allerdings nur 41,5 Prozent. In Innsbruck waren 2007 56,7 Prozent der Kandidaten, die den Test absolvierten, Frauen und 48,8 Prozent erhielten einen Studienplatz.

Das löste in der Tiroler Hauptstadt großteils Verunsicherung unter den Bewerberinnen aus. Die Kenntnis über das im Vergleich zu den männlichen Bewerbern schlechtere Abschneiden der Frauen in den vergangenen Jahren sei "nicht gerade förderlich", erklärten zwei Teilnehmerinnen der APA. In Wien zeigten sich hingegen die Frauen großteils unerschrocken. "Ich fühle mich nicht schlechter vorbereitet als die Männer. Stärken und Schwächen hat jeder", sagte eine Bewerberin.

Das vergleichsweise schlechtere Abschneiden der weiblichen Kandidaten beim Test - ein österreichisches Phänomen - sieht Rudolf Mallinger, Vize-Rektor der Medizin-Uni Wien, nicht im Zusammenhang mit dem Medizin-Test: "Der EMS ist nicht schuld daran", sagte er gegenüber der APA. Die Studie der Bildungsforscherin Christiane Spiel wie auch andere Studien hätten gezeigt, "dass der sogenannte Gender-Gap in Österreich im Bereich der Sekundarstufe liegt".

75-Prozent-Quote für Österreicher
Grund für die Einführung der Aufnahmeverfahren war ein Urteil des europäischen Gerichtshofs (EuGH), das die österreichische Uni-Zugangsregelung im Jahr 2005 aufhob, und der darauffolgende starke Andrang von deutschen Studienbewerbern vor allem im Medizin-Studium. In der Folge wurde eine Beschränkung erlaubt: Eine "Quotenregelung" für das Medizin-Studium gibt vor, dass 75 Prozent der Studienplätze Bewerbern mit österreichischem Maturazeugnis vorbehalten sind, 20 Prozent für solche aus anderen EU-Ländern und fünf Prozent aus anderen Staaten. Durch den Test werden die jeweils best gereihten Kandidaten für die insgesamt 1.500 Anfänger-Studienplätze ermittelt.

(apa/red)

4.7.2008 12:58