Mann tötet zwei Geschwister und deren Ehepartner: Verdächtiger auf der Flucht
- Polizei kann Selbstmord des Täters nicht ausschließen
- Von Schwester delogiert: Mietstreit Grund für Bluttat?
PLUS: Hausbesorgerin fand ihn nett und hilfsbereit

·Vierfach-Mord: Täter
"hilfsbereit" & "nett"
Seine Schwester war immer "sehr lieb" zu ihm
·Strasshof befindet sich im Schockzustand
Anrainer sind fassungslos über Familiendrama
·Der Vierfach-Mord im Marchfelder Strasshof
BILDER vom Tatort der blutigen Familientragödie
Vier Verwandte soll ein 66-Jähriger im niederösterreichischen Strasshof getötet haben. Vom mutmaßlichen Täter fehlt jede Spur. Laut Polizei dürften Streitigkeiten um eine Wohnung, aus der der Mann delogiert wurde, Auslöser für die Bluttat gewesen sein. Den ganzen Tag wurde nach dem Mann gefahndet, zwei Häuser aufgebrochen, Josef B. wurde allerdings nicht gefunden. Er dürfte per Bahn geflohen sein.
Erneut stand Strasshof, also jener Ort an der Nordbahn, in dem Natascha Kampusch jahrelang unbemerkt in einem Keller gefangen gehalten worden war, im Mittelpunkt des Medieninteresses. In zwei Häusern der Ortschaft wurden die Leichen von vier Verwandten des 66-Jährigen gefunden, die er mutmaßlich mit Schüssen getötet hat.
Die Morde waren entdeckt worden, weil Josef B. als abgängig gemeldet wurde. Die Tochter des 66-Jährigen erstattete Anzeige, weil sie ihren Vater nicht erreichen konnte. Als die Polizei die Geschwister von Branis erreichen wollte, meldete sich niemand. Darauf hielt man in den Häusern in Strasshof Nachschau und entdeckte die Leichen.
Langer Streit unter Geschwistern
Seit eineinhalb Jahren schwelte ein Streit unter den Geschwistern wegen einer Wohnung in der Sollingergasse in Wien-Döbling, sagte Oberstleutnant Klaus Preining (LKA NÖ). Die Wohnung war im Besitz von B. 63-jähriger Schwester Anna J., die die Räumlichkeiten an ihren Bruder vermietet hatte.
Der Disput dürfte nach einer Mietpreiserhöhung eskaliert sein: Weil Branis nicht zahlen konnte, ließ ihn seine Schwester am Montag delogieren. Einen Tag nach seinem unfreiwilligen Auszug fuhr der Mann nach Strasshof und dürfte seine Schwester und ihren Mann Johann (67) in der Kleistgasse sowie seinen Bruder Franz (65) und dessen Frau Viera (59) in der Peter Strasser Gasse erschossen haben.
Mehrere Schüsse abgefeuert
Über die Tatwaffe war noch nichts bekannt. B. soll aber im Besitz einer Schusswaffe sein, für die er kein waffenrechtliches Dokument hat. Auf die Opfer wurden offenbar mehrere Schüsse abgegeben, an den Tatorten wurden mehrere Patronenhülsen mit dem Kaliber 7.65 gefunden.
Der Tatverdächtige befindet sich weiter auf der Flucht. Eine erste Spur entdeckte man am Bahnhof Strasshof: Der 66-Jährige ließ sein Fahrrad dort zurück. Die Ermittler gingen deswegen davon aus, dass der Pensionist zunächst mit der Bahn geflüchtet ist. Ein Auto besitzt der Mann nicht. Wegen eines Augenleidens - er ist praktisch nachtblind - wurde ihm der Führerschein entzogen.
Selbstmord nicht ausgeschlossen
In einem Schreiben brachte der mutmaßliche Täter seinen Hass auf die Schwester und den anderen drei Verwandten zum Ausdruck. Darin kündigte er auch die Taten indirekt an. Die Polizei schloss nicht aus, dass der 66-Jährige Selbstmord begangen hat.
Zwei Häuser, die Verwandten gehören, wurden von der Polizei durchsucht, allerdings dürfte er sich dort auch nicht unmittelbar nach der Tat aufgehalten haben. Die Obduktion der Opfer dauert noch an.
Nach B. wird gefahndet, Hinweise erbittet die Polizei unter der Telefonnummer 059133/303333.
(apa/red)
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