Freitag, 27. Juni 2008

Und ewig lockt ein neuer Koch: Herbert Hacker über Wiens Edelbeisl "Weibel 3"

  • FORMAT: Thomas Knittel sorgt für Veränderungen
  • Von winzig über brav bis zu exzellentem Geschmack

Wie wurde eigentlich schon an dieser Stelle über das Weibel 3 berichtet? Richtig. Mehrere Male. Der Grund dafür: In kaum einem anderen Feinschmeckerlokal in Wien haben sich in den letzten Jahren derart viele Köche die Küchenschürze in die Hand gedrückt. Kaum hat man sich an den jeweiligen Protagonisten einigermaßen gewöhnt, meldet Wirt Hans Weibel einen erneuten Kochwechsel.

Woran das liegen mag, bleibt unergründlich. Zuletzt stand in dem kleinen Edelbistro jedenfalls Günther Maier am Herd, ein hervorragend ausgebildeter Profi mit großer Begabung. Auf sein Anraten wurde das Lokal sogar umgebaut, er wollte einen passenden Rahmen für seine feinsinnige, spanisch beeinflusste Küche.

Alles schien bestens. Doch auch Maiers Gastspiel erwies sich als enden wollend. Jetzt hat der junge Tiroler Thomas Knittl die Küchenleitung übernommen. Er kochte zuvor im nur ein paar Schritte entfernten Restaurant Kurz und machte dort eine ausgesprochen gute Figur.

Auch an seinem neuen Arbeitsplatz lässt er eine ansprechende Küche auffahren, an die Leistungen seines Vorgängers kommt er jedoch nicht ganz heran. Das in Butter gebratene Kalbsbries in Morchelschaum mit grünem Spargel leidet ein wenig an Winzigkeit, geschmacklich ist es aber exzellent. Die gegrillten Calamari auf Blattspinat mit getrockneten Tomaten verdienen nicht viel mehr als die Bezeichnung brav, und auch ein mit mediterranen Aromen parfümiertes Perlhuhnsupreme auf Maccaroni-Gratin und geschmolzenen Jungzwiebeln ist noch steigerungsfähig.

Insgesamt ist die neue Küche im Weibel 3 durchaus erfreulich - aber wesentlich weniger akzentuiert als jene von Günther Maier.

Name: Weibel 3
Adresse: 1010 Wien, Riemergasse 1-3
Telefon: 01/513 31 10
Öffnungszeiten: Di.-Sa. 17-24 Uhr
Preise: Vorspeisen bis 14, Hauptspeisen bis 25 Euro

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27.6.2008 15:29