Mittwoch, 25. Juni 2008

Rot gegen Rot – das ist Brutalität


Wer Gusenbauer in der SPÖ jetzt auch als Kanzler stürzen will. Und warum immer mehr auf rasche Wahlen setzen.

Beim Empfang für die Auslandsjournalisten in Wien am Dienstagabend wirkte SP-Bundeskanzler Alfred Gusenbauer erstaunlich gelassen. So gar nicht wie einer, der schon in wenigen ­Tagen auch als Kanzler endgültig demontiert würde. Kein Wunder: Immerhin ist Ex-SP-Chef Gusenbauer so gar nicht willens, jetzt schon von der
Re­gierungsspitze abzutreten.
Das mag auch daran liegen, dass die vielen roten Rebellen, die so eifrig und leidenschaftlich an seinem Sessel sägen, eine Kleinigkeit bisher schlicht unterlassen haben: Gusenbauer direkt zu sagen, dass sie seinen totalen Rücktritt wollen – und zwar gleich. Und so verkündet er bloß, man solle ihm, dem ­designierten SP-Chef Werner Faymann und der neuen roten Bundesgeschäftsführerin Doris Bures „doch die Chance geben, die neue Aufteilung zu leben“.

Werner Faymann, der von einigen Tageszeitungen schon jetzt zum Kanzler hochgejubelt wird, bereist indes die skep­tische SPÖ-Basis, um sie zu ­befrieden. Er betont gebetsmühlenartig, dass er „voll hinter Gusenbauer“ stehe und wolle, dass dieser „Kanzler bleibt“. Und versucht gleichzeitig – während er öffentlich den roten Hardliner mimt – hinter den Kulissen, den Koalitionspartner zu beruhigen. So traf er sich nach Parteiveranstaltungen in Kärnten und der Steiermark am Freitag und Samstag schon am Sonntag zu einem lockeren Vier-Augen-Frühstück mit VP-Vizekanzler Wilhelm Molterer im Café Dommayer im noblen Hietzing. Der VP-Chef erschien dabei demonstrativ leger in Jeans und Shirt, Faymann in Hemd und grauer Anzugshose. Und versicherte wohl auch Molterer, dass Gusenbauer Kanzler bleiben werde.

Die roten Putsch-Pläne. Ein Umstand, der in weiten Teilen
der SPÖ für gehörige Auf­regung sorgt. Vor allem Ober­österreichs SP-Chef Erich Haider, SP-Pensionistenchef Karl Blecha und Teile der Gewerkschaft wollen schließlich, dass dem ersten Schritt – Gusen­bauers Rücktritt als Parteichef – schon beim SPÖ-Präsidium am 7. Juli der nächste Schritt folgt. Sie wollen Gusenbauer dort zum sofortigen Rücktritt als Kanzler treiben. Und machen seit Tagen Stimmung dafür.
Hinter den Kulissen wurden diverse Szenarien durch­gespielt. Ein vorgezogener SPÖ-Parteitag, bei dem man Gusenbauer mittels Anträgen zum Rücktritt bewegen wolle. Oder, besonders abstrus, beim SPÖ-Präsidium ihm das Miss­trauen aussprechen und dies dann der Öffentlichkeit auch kommunizieren. Der Haken an den Rebellen-Plänen:
Die Unzufriedenen wollen, dass Wiens SP-Bürgermeister Michael Häupl Gusenbauer die „seidene Schnur“ überreicht. Denn, so ein massiver Gusenbauer-Kritiker: „Der Häupl hat den Gusenbauer erfunden, jetzt muss er ihn auch loswerden.“ Den Mut, Gusenbauer selbst von Angesicht zu Angesicht ­abzumontieren, haben sie offenbar nicht.

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25.6.2008 17:24