Mittwoch, 25. Juni 2008

Finale Furioso. Die 10 wichtigsten Fragen zum Bawag-Prozess-Finale.

  • Warum Helmut Zilk eine strenge Strafe für Elsner fordert. Und wie Elsner doch noch freikommen könnte.

Im Namen der Republik! So werden ­Anfang nächster Woche die Urteile auf die Beschuldigten im Bawag-Prozess niederprasseln. Für Hauptangeklagten ­Hel­mut Elsner, Ex-Generaldirektor der ­Gewerkschaftsbank, geht es um alles.

Er hat ­bereits zweieinhalb Jahre wegen Untreue ausgefasst – noch nicht rechtskräftig –, be­­kommt er weitere Jahre aufgebrummt, könnte dies sein Schicksal besiegeln. Aber nur fast: Denn der Bankboss mit Handicap sucht fieberhaft nach Auswegen aus der Gefängniszelle. NEWS beantwortet die brennendsten Fragen rund um die Zukunft von Elsner und seinem Millionenvermögen.
Entlassung im Februar2009? Seit 16 Monaten sitzt der Hauptangeklagte Elsner bereits in Untersuchungshaft. Verhängt das Gericht eine Haftstrafe, bleibt er bis zur Rechtskraft des Urteils weiter in U-Haft. Diese ist in Österreich allerdings mit der Dauer von zwei Jahren (24 Monaten) begrenzt. Renommierte Strafverteidiger wie Manfred Ainedter gehen aber davon aus, dass das ­Berufungsverfahren zwischen ein und zwei Jahren dauern wird – die Causa Bawag ist hochkomplex. Fazit: Elsner müsste spätes­tens im Februar 2009 aus der U-Haft entlassen werden. Einziger Ausweg der Justiz: Wenn besondere, schwerwiegende Gründe vorliegen, etwa Fluchtgefahr aufgrund einer etwaigen zu erwartenden hohen Haftstrafe, kann die U-Haft verlängert werden.
Und Elsner hat bereits noch nicht rechtskräftige zweieinhalb Jahre wegen Untreue im Fall des sogenannten Plastiksackerl-­Kredits an Ex-Konsum-Boss Hermann Gerharter ausgefasst. Hier könnte die Strafe noch verringert werden, was den Freigang Elsners realistischer erscheinen lässt. Ob ­Elsner nach seiner Entlassung aus der Untersuchungshaft im Februar 2009 dann noch mal zum Antritt der möglichen Strafhaft antreten wird, bleibt Spekulation.
Topfit im Häfen-Spital. Elsner hat sich seit seiner Herzoperation erstaunlich gut erholt. Der Arzt der Justizanstalt Josefstadt, Harald Schopper, bescheinigt ihm gute Gesundheit (siehe Kasten Seite 11). Ebenso bleibt ihm der Ausweg Richtung haftunfähig mittels Privatgutachtens verbaut.

Eine Million Euro für Gutachter. Der Bawag-Prozess ist sauteuer. Gutachter Fritz Kleiner erhält für seine Expertise rund 600.000 Euro, Gutachter Thomas Keppert etwas weniger als 300.000 Euro und der wegen Befangenheit abgelehnte Gutachter Chris­tian Imo hat 50.000 Euro in Rechnung gestellt. Die Kosten übernimmt vorerst die Republik. Im Falle einer Verurteilung, müssen aber die Angeklagten zahlen. Falls die Gutachten nicht einzelnen Personen zurechenbar sind, wird die Summe durch die Anzahl der Angeklagten dividiert und eingefordert. Elsner müsste also rund 111.000 Euro blechen. Die Kosten für das Schöffengericht sind mit 2.500 Euro gedeckelt und wohl eine vernachlässigbare Größe.

Gesprengte Stiftung. Der ehemalige Generaldirektor der Gewerkschaftsbank Bawag konnte ein beträchtliches Vermögen anhäufen. Vor allem seine Pensionsabfindung in der Höhe von 6,82 Millionen Euro (93 Millionen Schilling) begründete seinen Reichtum. Davon hat er 5,09 Millionen Euro in seine Privatstiftung Gambit eingebracht. Mit dieser erwarb er seine Nobelvilla im südfranzösischen Mougins. Sollte das Gericht zum Schluss kommen, dass diese Pensionsabfindung rechtswidrig erschlichen wurde, kann die Stiftung gesprengt werden und der Staat das Vermögen abschöpfen.
Daneben nennt Elsner eine Wohnung im Luxusskiort Kitzbühel im Wert von rund 600.000 Euro sein Eigen. Von seinen ursprünglich drei Autos im Wert von rund 250.000 Euro dürfte zumindest das schwarze Porsche-Cabrio bereits verkauft sein. Den Wert von Wohnungseinrichtungen und Gemälden beziffert Elsner mit weiteren 300.000 Euro. Daneben hatte er zum Zeitpunkt seiner Verhaftung Guthaben auf Sparbuchkonten oder Girokonten von weiteren 150.000 Euro. Hinzu kommen Golddukaten, wertvolle Uhren und Schmuck. Diese Vermögenswerte könnten ebenfalls eingezogen oder in Zivilverfahren zum Schadenersatz herangezogen werden.

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25.6.2008 17:20