Staatsanwalt hält Schlussplädoyer im BAWAG-Prozess: Verfahren ist keine "Show"!
- Krakow: "Es war noch mehr faul im Staate BAWAG!"
- Elsner fühlt eine kollektive Verschwörung gegen sich
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Von Elsner mit verbaler
Entgleisung kommentiert

Staatsanwalt Georg Krakow hat zu Beginn seines Schlussplädoyers alle "Verschwörungstheorien", die zum BAWAG-Prozess geäußert wurden, entschieden zurückgewiesen. Dem Verfahren sei vorgeworfen worden, es sei ein "DDR-Verfahren, ein Schauprozess, eine Show", erinnerte Krakow an zahlreiche Attacken des Hauptangeklagten Helmut Elsner. "Eigentlich ist das gelinde gesagt eine Frechheit".
Er habe selten ein Verfahren erlebt, in dem die Angeklagten so ausführlich Gelegenheit bekommen hätten, Stellung zu nehmen. Wenn schon eine "Show" gemacht wurde, dann müsse man sich an die Ausführungen Elsners erinnern, an Begriffe wie "Pygmalion-Effekt" und "Inkompetenz-Kompetenz", so der Staatsanwalt zum ehemaligen Bank-Generaldirektor. "Aber Hohes Gericht, nehmen Sie die Eskapaden Elsners nicht übel, er ist etwas anderes gewöhnt".
In den bis heute 113 Verhandlungstagen sei einiges ans Licht gekommen, sagte Krakow: Zunächst sei im Vorverfahren Ende März 2006 nur gegen Elsner und Johann Zwettler wegen Bilanzfälschung ermittelt worden. In den nächsten Monaten sei dann hervorgekommen, "dass doch noch viel mehr faul war im Staate BAWAG", nämlich die Sondergeschäfte mit Wolfgang Flöttl. Krakow wies den mehrfach im Prozess geäußerten Vorwurf zurück, dass die Anklage überhastet und nicht gut vorbereitet gewesen sei: Prävention könne nur durch Raschheit erreicht werden.
Elsners Murmelei hat ein Ende
Als Elsner etwas vor sich hin murmelte, wurde er von Richterin Claudia Bandion-Ortner ermahnt: "Herr Elsner, aufpassen bitte, jetzt hören Sie einmal zu". Ein kurzer Ausfall des Mikrofons des Staatsanwalts wurde von diesem launig kommentiert, auch das sei keine Verschwörung.
Laut Elsner hätten sich alle möglichen Personen gegen ihn verschworen, die Staatsanwaltschaft, die U-Richterin, das Oberlandesgericht und das Justizministerium, dem er das Feiern seiner Auslieferung von Frankreich nach Österreich vorgeworfen hatte. "Es war in der Tat ein hartes Stück Arbeit, Elsner von Frankreich nach Österreich zu bringen", so Krakow. "Darüber kann sich eine Strafverfolgungsbehörde freuen, das ist nichts worüber man sich schämen müsste",
Im Vorverfahren habe es zwar unschöne Medienberichte gegeben, erinnerte Krakow, das habe sich aber bald zugunsten einer differenzierten Berichterstattung geändert. Laut Elsner hätten sich der ÖGB, die SPÖ, die ÖVP - weil Elsner eine rote Bank geleitet hatte - die Finanzmarktaufsicht und die Nationalbank (OeNB) gegen ihn verschworen. Natürlich habe ein Fall wie dieser politische Folgewirkungen, meinte Krakow. Von Verschwörung sei aber keine Rede: "Diese krausen Verschwörungstheorien sind einfach nur als grotesk zu bezeichnen". Zu betrachten sei der Sachverhalt, zu prüfen sei Schuld oder Nichtschuld der Angeklagten. (APA/red)
