Inflation setzt Schwellenländer unter Druck:
Welche Börsen noch gute Chancen bieten
- FORMAT: Aktien von America Movil schreiben Gewinn
- Große Verlustgefahr auf vietnamesischen Märkten

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Südamerikaner reden gerne. Daraus schlagen jene Kapital, die sich vor fünf Jahren die Aktie des mexikanischen Mobilfunkbetreibers America Movil ins Depot legten. Seit Juni 2003 ist der Kurs des Papiers um mehr als das achtfache nach oben geschnellt. Für das Papier des brasilianischen Ölmultis Petrobras lief es noch besser. Das in São Paulo, dem wichtigsten Umschlagplatz für südamerikanische Aktien, gelistete Papier wurde seitdem fast 14-mal so viel wert. Auch mit Fonds war viel Geld zu machen, der Crédit Agricole Latin America brachte einen Fünfjahresertrag von 515 Prozent, der global anlegende JPMorgan Emerging Markets 244 Prozent.
Während viele Schwellenländerbörsen bereits westliche Standards erfüllen, ticken die Uhren am Aktienmarkt von Vietnam noch anders. Aktien werden gegen Bargeld in Teehäusern getauscht, viele der Deals werden in Internetcafés angebahnt, der Graumarkt von Papieren ohne Börsenlisting boomt. Selbst mit den an der Börse von Ho Chi Minh City ordnungsgemäß registrierten Aktien ist die Verlustgefahr groß. Alleine im laufenden Jahr sackten die Kurse an der einstigen High-Flyer-Börse um 60 Prozent ab.
Rechtzeitig aussteigen
Das heißt: Man kann zwar viel gewinnen, aber muss auch rechtzeitig aussteigen. Derzeit besteht besonders viel Grund zur Vorsicht. Der Anstieg der Inflation, die besonders von den hohen Rohstoffpreisen und dem Preisauftrieb bei Nahrungsmitteln weiter geschürt wird, trifft die Schwellenländer, in denen ein Großteil des Einkommens für Essen ausgegeben wird, ganz besonders. In Zahlen: Nachdem die Teuerungsrate in den Schwellenländern von 2003 bis 2006 von durchschnittlich rund 6,5 auf etwa 5,2 Prozent sank, hat sich der Trend seither klar ins Gegenteil verkehrt. Laut dem US-Finanzdienstleister Bloomberg wird die Teuerungsrate in den Schwellenländern heuer im Schnitt auf 7,3 Prozent klettern. In Indien erreichte die Inflation nach Anhebung der subventionierten Treibstoffpreise per Juni im Jahresvergleich mit elf Prozent sogar den höchsten Wert seit 1995.
Chance auf Gewinne gesunken
Die Chance auf hohe Erträge, die in den letzten fünf Jahren gemessen am globalen MSCI-Schwellenländerindex im Schnitt bei jährlich 19,7 Prozent lagen, ist dementsprechend gedämpft. JPMorgan-Fondsmanagerin Claudia Barrulas: "Ich rechne für die nächsten Jahre im Schnitt mit Jahresrenditen von 12 bis 15 Prozent. Die Zeit, als an manchen Exotenbörsen pro Jahr 30 Prozent oder mehr zu erzielen waren, sind vorbei."
Laut Konsensus-Schätzungen haben die Schwellenländerbörsen trotz der starken Kursverluste im bisherigen Jahresverlauf mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13 nun gerade ihren langjährigen Schnitt erreicht. Deswegen greift das Argument der generellen Unterbewertung von Schwellenländerpapieren gegenüber den etablierten Börsen nicht mehr.
Spreu vom Weizen trennen
Die genaue Selektion von Märkten und Einzeltiteln ist deshalb für Investoren, die Aktien und Fonds der Schwellenländerbörsen in Asien, Südamerika, Osteuropa, dem Nahen Osten und Afrika kaufen, der entscheidende Erfolgsfaktor. So sind die hohen Rohstoffpreise, unter denen viele Staaten leiden, für Länder wie Brasilien, Russland oder Südafrika ein Segen.
James Donald, Emerging-Markets-Investmentchef der US-Fondsgesellschaft Lazard: "Ich favorisiere Papiere aus Brasilien, weil die Unternehmen hochprofitabel wirtschaften." Brasilien steht auch bei der in Portugal geborenen JPMorgan-Expertin Barrulas weiter in der Gunst: "Gemessen am handelbaren Streubesitz in Höhe von rund 500 Milliarden US-Dollar ist Brasilien der größte Markt für Schwellenländeraktien. Alleine im Jahr 2007 kamen 66 Unternehmen neu an die Börse." Zusätzlich ist der größte Staat Lateinamerikas einer der weltweit wichtigsten Erzeuger von Agrarprodukten.
Mexikanischen Aktien droht Gefahr
Bei mexikanischen Aktien ist die US-Konjunktur das Zünglein an der Waage. Barrulas: "Für die Börse in Mexico City droht Gefahr, wenn sich die US-Wirtschaft weiter abkühlt." Zunehmend dunkle Wolken hängen über Aktien aus Argentinien, denn die Inflation ist im Land der Gauchos hoch, und die Taktik von Präsidentin Cristina Fernandez de Kirchner, das Wirtschaftswachstum ohne Rücksicht auf die Inflation vorantreiben zu wollen, wird von Experten kritisch beäugt.
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