Mittwoch, 25. Juni 2008

Banken in Österreich bleiben verschont: Finanzkrise zieht an Alpenrepublik vorbei

  • Geschäftsmodell federt Turbulenzen erfolgreich ab
  • Risiko- und Liquiditätsmanagement künftig optimiert

Die österreichischen Banken sind nach den Worten von OeNB-Gouverneur EZB-Ratsmitglied Klaus Liebscher ohne gröbere Blessuren durch die internationale Finanzkrise davongekommen, wenngleich sie sich nicht gänzlich davon abschotten konnten. Das heimische Finanzsystem weise trotz der weltweiten Marktturbulenzen weiterhin eine hohe Stabilität auf.

Die überaus profitablen CEE-Aktivitäten heimischer Banken seien freilich auch mit deutlich höheren Risiken verbunden, erklärte Liebscher mit Hinweis auf die jüngste Untersuchung des IWF zum heimischen Finanzsektor.

Geschäftsmodell federt Turbulenzen ab
Die Einschätzung, dass das heimische Finanzsystem stabil sei, stützte sich neben dem kürzlich durchgeführten Follow-up zum Financial Sector Assessment Program durch den Internationalen Währungsfonds (IWF) auch auf aktuelle Daten und Analysen der Oesterreichischen Nationalbank (OeNB), so Liebscher anlässlich der Generalversammlung des Verbandes österreichischer Banken und Bankiers. Die vergleichsweise geringe Betroffenheit durch die Finanzmarktturbulenzen hätten die heimischen Banken ihrem Geschäftsmodell zu verdanken, aber auch ihrem hohen Einlagenaufkommen, ihrer Ausrichtung auf das weniger zyklische Privatkundengeschäft und nicht zuletzt der Konzentration der Aktivitäten auf Österreich und CEE.

Die von den Auswirkungen der US-Subprime-Krise hervorgerufenen Abwertungen bei strukturierten Kreditprodukten bei den 30 größten heimischen Banken betrugen laut OeNB im Jahr 2007 rund 1,1 Mrd. Euro (davon 140 Mio. Euro realisierte Verluste). Für das 1. Quartal 2008 rechnen die in diesem Markt aktiven Großbanken mit einer zusätzlichen Abwertung ihres strukturierten Kreditportfolios um 550 bis 750 Mio. Euro. Liebscher gibt zu bedenken, dass es sich da überwiegend um Wertberichtigungen infolge Marktwertveränderungen handelt, die wegen der hohen Volatilität der Marktpreise nur eine Momentaufnahme darstellten.

Lehren aus Krise
Als Lehren, die aus den jüngsten massiven Verwerfungen auf den internationalen Finanzmärkten zu ziehen sind, nannte der OeNB-Gouverneur unter anderem die Weiterentwicklung des Risiko- und Liquiditätsmanagements sowie der internen Anreizstrukturen bei den Banken, die Erhöhung der Transparenz bei strukturierten Produkten und Zweckgesellschaften sowie die Berücksichtigung der Erfahrungen mit illiquiden Märkten bei den Rechnungslegungsstandards und Bewertungsmodellen als notwendige Reaktionen zur Vermeidung ähnlicher Krisen in der Zukunft. (apa/red)

25.6.2008 10:27