Ölpreis steigt trotz Krisengipfel in Jeddah:
Markt von Fördererhöhung unbeeindruckt
- Spekulationsgeschäft wird als Preistreiber vermutet
- Experte ortet in Förderanstieg lediglich "Bemühen"
·Obama: Ölfirmen mit Steuer abkassieren
Fordert Sonderzuschlag ab einem Preis von 80 $
·Kurzfristige Erhöhung
der Öl-Fördermenge?
OPEC-Staaten planen Rekordpreise zu dämpfen
·OPEC-Staaten gegen Produktionssteigerung
Saudi-Arabien bestätigt erhöhte Fördermenge
·Schwarzes Gold ab 2011 bereits knapp?
Öl kann mit Nachfrage bald nicht mehr mithalten

Ungeachtet der angekündigten Ausweitung der Ölfördermenge sind die Ölpreise nach dem Krisengipfel in Saudi-Arabien weiter gestiegen. Ein Barrel (je 159 Liter) US-Leichtöl der Referenzsorte West Texas Intermediate (WTI) zur August-Auslieferung kostete am 23. Juni 136,27 Dollar (87,80 Euro). Das waren 1,75 Dollar mehr als zum Handelsschluss am 20. Juni. Vor etwa einer Woche hatte der WTI-Preis ein Rekordhoch von 139,89 Dollar erreicht. Der Preis für ein Barrel der Nordseesorte Brent zur Auslieferung im August stieg um 1,17 Dollar auf 136,53 Dollar.
Mehrere arabische Golfstaaten hatten in Jeddah Bereitschaft signalisiert, mehr Öl zu fördern als bisher. Gleichwohl wiesen die Förderstaaten die Schuld an den hohen Ölpreisen zurück und warnten vor überzogenen Erwartungen. Verantwortlich für die Preisexplosion beim Rohöl seien die steigende Nachfrage, hohe Steuern in Industrieländern und Spekulationen, hieß es. Deutschlands Wirtschaftsminister Michael Glos (CSU) geht nicht von einer baldigen Änderung der Situation aus, auch wenn neben Saudi-Arabien weitere Länder die Produktion steigern wollen, sagte er im ARD-Morgenmagazin.
Experte: Erhöhung "eher Bemühen, denn ernsthafe Absicht"
Der Rohstoffexperte des Hamburgischen WeltWirtschafts Instituts (HWWI), Klaus Matthies, hegt Zweifel, ob sich die Fördermenge des weltweit größten Anbieters Saudi-Arabien rasch spürbar ausweiten lässt. "Ich sehe es eher als Bemühen, denn als ernsthafte Absicht, weil die Mittel fehlen", sagte er in einem dpa-Gespräch. Neue Produktionsanlagen könnten aufgrund des technischen und finanziellen Aufwands nur mittel- und langfristig hinzukommen. Saudi-Arabien habe bis Ende 2009 eine Erhöhung seiner täglichen Fördermenge auf 12,5 Mio. Barrel in Aussicht gestellt, sagte Glos nach dem Gipfel. Noch in diesem Sommer soll sie laut König Abdullah von Saudi-Arabien auf 9,7 Mio. Barrel täglich erhöht werden.
Saudi-Arabien: Angst vor dem endgültigen Aus?
Die Förderländer sind nach Ansicht von Matthies aber nicht sorgenfrei: "Saudi-Arabien macht sich Gedanken um die Nachfrage in den nächsten Jahrzehnten." Denn Abnehmerländer investierten inzwischen verstärkt in alternative Energien, um sich unabhängiger zu machen. Gleichzeitig hätten die Öl-Exporteure ein Interesse daran, dass die USA und Westeuropa nicht in eine Rezession abrutschen, da sie selbst viel Geld in diesen Ländern investiert hätten. "Diese gegenseitige Abhängigkeit ist für uns von Vorteil", meinte Matthies.
Der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) ging unterdessen zurück. Nach Berechnungen des OPEC-Sekretariats kostete ein Barrel (159 Liter) am 20. Juni 128,56 Dollar. Das waren 88 Cent weniger als Tag davor. Die OPEC berechnet ihren täglichen Durchschnittspreis auf der Basis von 13 wichtigen Sorten des Kartells. (apa/red)

