Montag, 23. Juni 2008

Agrarzahlungen offengelegt: Konzerne sahnen größtes Stück vom EU-Kuchen ab

  • Erster "richtiger" Bauer auf Platz 13 der Förderliste
  • Red Bull-Abfüller Spitzenempfänger mit 6,8 Mio. Euro

Das Geheimnis um die Agrarförderungen ist gelüftet: Unter den Top-10 der Empfänger von EU-Agrarmitteln findet sich kein einziger typischer landwirtschaftlicher Betrieb. Der erste "Bauer" liegt auf Platz 13 und heißt Fürst Liechtenstein.

Größter Subventionsempfänger mit 6,8 Mio. Euro für das vergangene Wirtschaftsjahr (16. Oktober 2006 bis 15. Oktober 2007) ist der Vorarlberger Fruchtsaft-Hersteller - und Abfüller von Red Bull - Rauch. Danach folgt das Landwirtschaftliche Fortbildungsinstitut (LFI) Steiermark mit 2,6 Mio. Euro.

An dritter Stelle findet sich das niederländische Handelshaus Nidera mit 2,1 Mio. Euro. Nidera habe aus der österreichischen Intervention Getreide gekauft, in Drittmärkte exportiert und dafür aus dem Austro-Topf eine Ausfuhr-Transporterstattung erhalten. Diese wird laut AMA in der Regel der Kaufsumme gegengerechnet. In diesem Fall sei die Subvention in das nächste Wirtschaftsjahr gefallen, wodurch Nidera nun - außertourlich - in der Liste aufscheint.

Nummer vier im Ranking ist der börsenotierte Zucker-, Stärke- und Fruchtkonzern Agrana, der im abgelaufenen Agrarjahr im Stärkebereich 1,9 Mio. Euro an Exporterstattung erhalten hat, gefolgt vom NÖ Zitronensäurehersteller Jungbunzlauer mit 1,86 Mio. Euro und dem Käseerzeuger Wörle mit 1,5 Mio. Euro Ausfuhrerstattung.

Gemüsebetrieb auf Platz 7
Auf Platz sieben findet sich Österreichs größter Gemüsebetrieb, die LGV-Frischgemüse Wien, mit 1,4 Mio. Euro Marktordnungszahlungen. Danach folgt ein Sammelantrag aller Bienenzüchter Österreichs, die in Summe 1,38 Mio. Euro an Förderungen erhalten haben. Kraft Foods Österreich wird mit 1,3 Mio. Euro Ausfuhrerstattung unterstützt und die Voest-Beteiligung VA Intertrading mit 1,2 Mio. Euro.

Der erste Agrarbetrieb liegt auf Rang 13 mit der Stiftung Fürst Liechtenstein, die in Österreich über 3.000 Hektar Ackerfläche, 3.500 Hektar Wald und 42 Hektar Weingärten verfügt. An Förderungen für das Jahr 2007 werden 912.000 Euro ausgewiesen. 2006 erhielt die Stiftung aus den Fördertöpfen laut Medienberichten 1,77 Mio. Euro (inkl. Ländliche Entwicklung).

Der nächste Landwirtschaftsbetrieb findet sich erst auf Rang 26 mit dem Gut Waldbott-Bassenheim im Burgenland, das knapp 599.000 Euro aus dem EU-Fördertopf bezieht (2006: 1,126 Mio. Euro) und die Hardeggsche Gutsverwaltung in Niederösterreich auf Rang 27 mit 588.000 Euro.

Das Ranking bzw. die Fördersummen zeigen aber vor allem für die Agrarbetriebe ein verzerrtes Bild, weil die Mittel aus der Ländlichen Entwicklung dieses Mal aufgrund einer Fördersystemumstellung nicht enthalten sind. Die Gelder aus dem Grünen Pakt, dem Förderprogramm für die Ländliche Entwicklung in Österreich, wurden nämlich diesmal erst nach dem Stichtag für das erfasste Wirtschaftsjahr (15. Oktober) ausbezahlt - und scheinen hier daher nicht auf.

Summe der Betriebe verdoppelt
Inklusive der Mittel aus der Ländlichen Entwicklung würden sich die Summen der landwirtschaftlichen Betriebe in etwa verdoppeln, meinen Experten. Die Datenbank wird laut Agrarressort laufend aktualisiert.

Die Verteilung der Agrargelder hat immer wieder für heftige Diskussionen gesorgt, erhalten doch 60 Prozent der Betriebe - 83.690 von 138.392 "Leistungsempfängern" - weniger als 5.000 Euro an Förderungen (ohne Ländliche Entwicklung). Gut zehn Agrarbetriebe bekommen mehr als 300.000 Euro pro Jahr.

100.000 Euro für 232 Betriebe
Zahlungen von 100.000 Euro oder mehr bekommen österreichweit 232 Betriebe (0,17 Prozent). Die meisten davon befinden sich in Niederösterreich (64), gefolgt von Oberösterreich (42) und der Steiermark (33). Auf dem vierten Platz befindet sich das Burgenland mit 27 Betrieben, Platz 5 nimmt Tirol ein (18), Kärnten folgt auf dem 6. Rang (15) - vor Salzburg und Wien (je 11). Schlusslicht ist Vorarlberg, wo 10 Betriebe mehr als 100.000 Euro Förderung erhalten.

Laut Grünem Bericht entfallen auf jene rund 15 Prozent der Agrarbetriebe, die Ausgleichszahlungen von 21.800 Euro und mehr pro Jahr erhalten, knapp 40 Prozent des gesamten Förderungsvolumens. Für die restlichen 85 Prozent der Bauern stehen 60 Prozent der Mittel in der Höhe von 1,6 Mrd. Euro zu Verfügung.

(apa/red)

23.6.2008 20:27