23.6.2008 17:12

Aragones bleibt nach Halbfinal-Einzug cool:
"Nur wenige Dinge rufen Emotionen hervor"

  • Sieg gegen Italien lässt Spaniens Coach relativ kalt
  • Elferschütze Fabregas froh über Vertrauensbeweis

Geht es um das Thema Fußball, dann kennt Spaniens Teamchef Luis Aragones Weisheiten, die einfach nicht zu widerlegen sind. "Manchmal erreicht man die Dinge, die man sich vornimmt, manchmal nicht." So seine Erklärung, warum ihm durch den Sieg gegen Italien im Viertelfinalspiel der EURO 2008 keinerlei Last von den Schultern gefallen ist. "Ich habe einfach die Ruhe aus der Erfahrung von vielen Jahren, die ich im Fußball verbracht habe", stellte "Luis" am Tag danach im EURO-Camp der Spanier in Neustift im Stubaital demonstrative Gelassenheit zur Schau", "bei mir rufen wenige Dinge Emotionen hervor."

Mit einer Ausnahme vielleicht: "Der eine oder andere Glückwunsch von meinen Enkeln hat mich schon gerührt", gab der bald 70-Jährige zu, "und ich habe nicht mehr und nicht weniger als elf Enkel." "Die Arbeit war recht gut", analysierte er dann wieder ziemlich trocken den Erfolg im Elfmeterschießen über die Italiener. Dass er ausgerechnet Cesc Fabregas für den fünften und dann tatsächlich entscheidenden Elfmeter nominierte, obwohl dieser nach eigenen Angaben den letzten Penalty in einem Bewerbsspiel mit 15 Jahren geschossen hat, begründete Aragones recht simpel: "Ich wusste, dass er treffen wird."

Zwar ließ Aragones den 21-jährigen Arsenal-Spieler bei der EURO nur einmal von Beginn weg spielen - im "B"-Team, das Griechenland in bedeutungslosen letzten Spiel der Gruppe D mit 2:1 schlug -, doch sagt er ihm eine große Zukunft voraus: "Cesc wird ein außergewöhnlicher Spieler, aber er muss noch einige Sachen verbessern, zum Beispiel in seinem Defensivverhalten."

Fabregas mit Vertrauens-Defizit
Für den so Gelobten war es ein Vertrauensbeweis, dass ihn der "Mister" im Elfmeterschießen zum entscheidenden Schuss einteilte. "Den Leuten fällt es manchmal schwer, an mich zu glauben", spielte Fabregas auf den Umstand an, dass er zuletzt immer nur als Ersatzmann ins Spiel gekommen war und ihm eine gewisse Formschwäche attestiert wird, sobald er das Teamtrikot trägt. "Für mich war das die Chance zu zeigen, dass man sich auf mich im entscheidenden Moment verlassen kann."

Die Euphorie, die in Spanien plötzlich um das Nationalteam herrscht, nahm "Cesc" mit gemischten Gefühlen auf: "Zuerst möchte ich mich für die Unterstützung bedanken, aber gleichzeitig müssen wir sagen: Es ist noch nichts erreicht. Aber es ist natürlich toll, wenn so ein wichtiger Mann wie der König in die Kabine gratulieren kommt. Hoffentlich können wir das wiederholen."

Zweites Rendezvous mit Russland
Am Sonntag steht im Ernst-Happel-Stadion das Endspiel der EURO 2008 an, und die wollen Cesc und Co. unbedingt gewinnen: "Wir wollen hier Geschichte schreiben, indem wir uns in die Liste der Mannschaften einreihen, die einen EM-Titel gewonnen haben." Davor steht aber noch das schwierige Halbfinale gegen die zu einem Mitfavoriten gemauserten Russen an.

Fabregas: "Wenn die Leute glauben, dass das der gleiche Gegner ist wie in der Gruppe, dann ist das ein Irrtum. Die Russen spielen einen sehr kompletten, angriffsorientierten Fußball. Irgendwie erinnern sie mich an uns. Ich denke, das wird ein schönes Spiel." Zum Auftakt der Gruppe D der EURO 2008 hatte Spanien Russland mit 4:1 aus dem Tivoli geschossen. Der eingewechselte Fabregas erzielte dabei (aus Abseitsposition) den letzten Treffer.

(apa/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?

Click!

23.6.2008 17:12
Seite bookmarken bei: ? Hilfe
zurück zur Startseite