23.6.2008 20:40

Trainerkarriere von "Hicke" mit Hochs und Tiefs: Highlight war die WM-Teilnahme 1990

  • 0-1 Niederlage gegen die Färöer Inseln als Tiefpunkt
  • Ein Punkt aus drei Spielen der EURO waren zu wenig

Josef Hickersberger hat seiner zweiten Ära als österreichischer Fußball-Teamchef überraschend ein Ende gesetzt. Einen Tag vor der ÖFB-Präsidiumssitzung, in der die Verlängerung seines Vertrages das Hauptthema war, erklärte der 60-Jährige seinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung. Und überraschte damit auch ÖFB-Präsident Stickler, der für die WM-Qualifikation einen neuen Coach suchen muss.

"Die Heim-EM ist das Größte in meiner gesamten Laufbahn", hatte Hickersberger anlässlich seines 60. Geburtstages betont. Mit einem Punkt und einem Tor (aus einem Elfmeter) in drei Spielen dürften sich seine Träume nicht ganz erfüllt haben. Der Viertelfinal-Einzug war von ihm selbst als Messlatte genannt worden, um seine zweite Teamchef-Ära fortzusetzen.

Nach den Gruppenspielen erklärte er dennoch seinen Wunsch, mit dem ÖFB-Team weiterzuarbeiten, ehe er wieder eine Woche später Skepsis anklingen ließ und schließlich "aus persönlichen Gründen" demissionierte. Der Wunschkandidat des ÖFB war freilich nicht unumstritten, gerade vonseiten der Bundesliga hatten sich nach dem EM-Aus kritische Stimmen gemehrt.

Als Kicker Deutschland-Legionär
Hickersbergers Karriere als Spieler im Profi-Lager begann 1966 bei der Wiener Austria, mit der er zweimal Meister (1969,1970) und zweimal Cupsieger (1967,1971) wurde. Ab 1972 trug der Mittelfeldspieler den Dress der Offenbacher Kickers, von 1976 bis 1978 spielte er bei Fortuna Düsseldorf. Nach der WM 1978 wechselte er zu SSW Innsbruck (bis 1980). Einen letzten Höhepunkt als aktiver Spieler erlebte der gebürtige Amstettener von 1980 bis 1982 in Hütteldorf, wo er mit Rapid zum Abschluss seiner Karriere eine 14-jährige Meistertitel-Durststrecke beendete.

In der ÖFB-Auswahl absolvierte Hickersberger 39 Spiele (Debüt am 1.5.1968 gegen Rumänien) und erzielte fünf Treffer. Auch im Team nahm er mit einem großen Erfolg Abschied, mit dem legendären 3:2 bei der WM 1978 in Cordoba gegen den damals noch aktuellen Weltmeister Deutschland.

Als Trainer nicht ganz so erfolgreich
Als Spieler stand "Hicke" fast durchwegs auf der Sonnenseite, in seiner Trainerkarriere schlug das Pendel jedoch in beide Richtungen aus. Nachdem er zuvor Baden, Forchtenstein und Traisen betreut hatte, übernahm er am 1. Jänner 1987 die ÖFB-U21-Auswahl und genau ein Jahr später das A-Team - zunächst mit großem Erfolg.

Mit einem 3:0 im entscheidenden Spiel gegen die DDR qualifizierte sich Österreich für die WM 1990 in Italien. Doch nach überraschenden Ergebnissen in der Vorbereitung (3:2 in Spanien, 3:2 gegen Europameister Niederlande, 1:1 gegen Weltmeister Argentinien) schied das Team in Italien in der Gruppenphase nach zwei 0:1-Niederlagen gegen Italien und die CSFR sowie einem 2:1 über die USA aus.

Pause nach Färöer-Blamage
Seinen Job quittierte er wenig später nach der größten Blamage der heimischen Länderspielgeschichte. Am 12. September 1990 verloren Herzog, Polster und Co. in Landskrona in der EM-Qualifikation 0:1 gegen die Mannschaft der Färöer, die ihr erstes Bewerbsspiel bestritt. Ein weiteres Duell mit den Färöern erspart sich Hickersberger durch seinen Abgang vor der WM-Qualifikation.

Nach der Trainer-Station Düsseldorf (1991) kehrte der Niederösterreicher im Mai 1993 nach Österreich zurück, holte mit der Austria Cup und Supercup und wurde Vize-Meister. Die an Austria Salzburg verlorene Meisterschaft kostete Hickersberger aber den Job auf dem violetten Schleudersitz.

Ab nach Bahrain
Nach zweijähriger Auszeit verschlug es den passionierten Hobby-Golfer in den arabischen Raum. Er betreute den bahrainischen Club Al Ahli (1995 - 97/Meister in der Saison 95/96), das Nationalteam von Bahrain (1997), den ägyptischen Verein Arab Contractors (1997-99), Al Shaab (VAE/1999/2000), Al Wasl (VAE/2000/01) und danach Al Etehad Sports Club (Katar), mit dem er das Double gewann. Am 14. Mai 2002 wurde er als neuer Trainer von Rapid präsentiert. Genau drei Jahre und einen Tag später gewann er mit den Hütteldorfern die Meisterschaft, drei Monate später schaffte er den Einzug in die Champions-League-Gruppenphase.

Dank dieser Erfolge brachte Hickersberger als erster Trainer nach dem Zweiten Weltkrieg das Kunststück zuwege, zweimal über einen längeren Zeitraum das Teamchef-Amt auszuüben. Er leitete eine radikale Verjüngung ein und musste dafür eine relativ trostlose Bilanz von fünf Siegen, neun Remis und 13 Niederlagen in Kauf nehmen. In seiner ersten Ära war das Team auf zehn Siege, sieben Remis und zwölf Niederlagen gekommen. (apa/red)

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23.6.2008 20:40
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