24.6.2008 13:14

Hickersberger legt Teamchef-Amt nieder:
Bruch getätigter Zusagen überrascht ÖFB

  • 'Hicke': "Bin leer und muss meine Batterien aufladen"
  • Verwunderter Verband muss neuen Teamchef suchen
    UMFRAGE: Wer soll der neue Nationaltrainer werden?

Die zweite Ära von Josef Hickersberger als Teamchef der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft ist zu Ende. Der 60-Jährige hat mit sofortiger Wirkung seinen Rücktritt erklärt, der ÖFB akzeptierte, zeigte sich allerdings überrascht. Der Vertrag wäre bis Dezember 2008 gelaufen, noch kurz zuvor hatte Hickersberger unmittelbar nach dem Ausscheiden in der EM-Gruppenphase durchblicken lassen, er beabsichtige, seine Arbeit fortzusetzen.

So hatte Hickersberger am Tag nach dem abschließenden EM-Gruppenspiel gegen Deutschland (0:1) trotz des verpassten Ziels namens Viertelfinale in puncto Vertragsverlängerung durchaus positive Signale ausgesandt. "Sofern nichts Unvorhergesehenes passiert", meinte er damals, werde er die heimische Auswahl auch in der Qualifikation zur WM 2010 betreuen. ÖFB-Präsident Friedrich Stickler hatte erfreut reagiert, umso überraschender ereilte den Verband am Dienstag die Wende.

ÖFB von Nichteinhaltung der Zusagen überrascht
Wie es in einer Aussendung des ÖFB hieß, habe Hickersberger "aus persönlichen Gründen" seinen Rückzug angekündigt. Man nehmen diesen "zur Kenntnis", sei aber "überrascht", da "bestehende Zusagen einseitig von Josef Hickersberger nicht eingehalten werden." Hickersberger selbst war für eine Stellungnahme vorerst nicht erreichbar.

"Bin leer und müde"
Zuvor hatte Hickersberger in einem Gespräch mit der Tageszeitung "Der Standard" zugegeben, voreilig ("Ich habe auf Emotionen gehört") auf eine Bedenkzeit verzichtet zu haben. "Ich höre auf. (...) Ich bin leer und müde, ich brauche eine Auszeit, muss die Batterien aufladen", stellte der Niederösterreicher unmissverständlich klar. "Das Kapitel ist abgeschlossen, die Mission wurde erfüllt. Ich habe mir das wirklich reiflich überlegt."

Kritische Stimmen aus der Bundesliga
Den ursprünglichen Absichtserklärungen zum Trotz hatte der Teamchef selbst die Sinnhaftigkeit seiner Amtsfortführung in einem Radio-Interview auf Ö3 infrage gestellt, zudem waren zu Wochenbeginn kritische Stimmen einiger Vereinsvertreter der Bundesliga laut geworden. Maßgebliche ÖFB-Präsidiumsmitglieder wie Bundesligapräsident Martin Pucher oder Oberösterreichs Verbandsboss Leo Windtner hatten zuletzt allerdings ihre Zustimmung zu einer Vertragsverlängerung signalisiert.

ÖFB-Präsidiumssitzung
Damit muss sich der ÖFB, der in seiner im Wiener Grand Hotel angesetzten ÖFB-Präsidiumssitzung die Vertragsverlängerung mit Hickersberger eigentlich schon unter Dach und Fach zu bringen hoffte, nach einem geeigneten Nachfolger umsehen. Wie ÖFB-Generalsekretär Alfred Ludwig in der Vorwoche betonte, hat der Verband aber ohnehin einen "Plan B" in petto.
(apa/red)

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24.6.2008 13:14
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