"Auf Weg zum besten Turnier aller Zeiten": Organisationschef zieht positives Resümee
- Kallen über EURO 2008 und Probleme der UEFA

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EURO-2008-Chef Martin Kallen ist mit den beiden Austragungsländern Schweiz und Österreich sehr zufrieden. Im Hinblick auf die nächste EM will der 44-jährige Schweizer leere Plätze im Stadion füllen und den Schwarzmarkt bekämpfen. Was ihn bei den Österreichern überrascht hat, welche Vor- und Nachteile zwei Austragungsländer haben, wie groß das Image-Problem der UEFA ist und wie viel Geld hinter der Veranstaltung steht, erzählt Kallen im Interview:
Frage: Am Sonntag geht die EURO 2008 zu Ende. Schafft sie es, das beste Turnier aller Zeiten zu werden?
Kallen: "Wir sind auf dem besten Weg dazu. Es muss aber bis am Sonntagabend weiterlaufen wie bisher. Das Finale ist das wichtigste Spiel des Turniers mit vielen prominenten Gästen und einem Millionenpublikum am TV. Da muss einfach alles stimmen. Der letzte Eindruck ist bekanntlich jener, der bleibt. Die Feedbacks von Offiziellen, Teams und Fans sind bislang aber sehr, sehr gut."
Frage: Was hat die EURO 2008 Ihrer Ansicht nach am besten charakterisiert?
Kallen: "Sowohl die Schweiz als auch Österreich haben einen sehr guten Job gemacht. Zudem war es erstaunlich, wie viele Fans in beiden Ländern den öffentlichen Verkehr benutzt haben. Diesbezüglich haben mich vor allem die Österreicher überrascht, die normalerweise lieber mit dem Auto fahren. Erwähnen muss ich auch, dass es zu keinen Ausschreitungen gekommen ist."
Frage: Und wenn Sie diese EURO mit jener vor vier Jahren in Portugal vergleichen?
Kallen: "Das jetzige Turnier ist größer. Es hat auch viel mehr Fans gehabt, die aus dem Ausland angereist sind. Die Euphorie war in Portugal sicher elektrisierender. Dies hing auch mit der Finalteilnahme des Gastgeberlandes zusammen. Ich will damit aber nicht sagen, dass die Stimmung in der Schweiz und Österreich nicht gut war. In den Fanzonen waren über 3,5 Millionen Zuschauer. Das ist eine Zahl, die sich mit Werten von der WM in Deutschland 2006 vergleichen lässt, wenn man deutsche Städte mit ähnlicher Größe betrachtet."
Frage: Das Turnier in der Schweiz ist zu Ende. Können Sie der Schweiz ein gutes Zeugnis ausstellen?
Kallen: "Ein sehr gutes sogar. Die Zusammenarbeit mit dem Bund hat hervorragend geklappt. Die Host Cities haben ihre Gastgeberrolle bestens wahrgenommen. Egal ob Basel, Bern, Genf oder Zürich: Die Fans wurden herzlich willkommen geheißen. Zwei Drittel der Leute waren in Schweizer Fanzonen, ein Drittel in den österreichischen. Das spricht für sich."
Frage: Was hätte man trotzdem noch besser machen können?
Kallen: "Es gibt immer Verbesserungspotenzial. Wir müssen alles unternehmen, um leere Plätze im Stadion zu verhindern. Dies war in zwei Viertelfinali der Fall. Das ist ein unschönes Bild angesichts des riesigen Ansturms auf die 1,05 Millionen Tickets. Wir werden uns deshalb überlegen, den teilnehmenden Fußballverbänden künftig weniger Tickets zuzugestehen. Dass aber alle Tickets über die UEFA laufen, ist auch keine Lösung. Schließlich wollen wir nicht ein ausschließlich heterogenes Publikum, sondern auch viele Fans der spielenden Teams im Stadion. Es gilt auch, den Turnier-unerfahrenen Verbänden beim Ticketing zu helfen. Ein regelrechter Dorn im Auge war mir der Schwarzmarkt, der bei dieser EURO blühte wie nie zuvor. Das Problem ist, dass wir dagegen kaum etwas machen können. Wir haben in allen Austragungsorten Stichproben gemacht und haben auch einige Firmen, die unrechtmäßig mit Tickets handelten, gebüßt. Eine Patentlösung für dieses Problem gibt es aber nicht."
Frage: Hat sich die Aufteilung auf zwei Austragungsländer bewährt?
Kallen: "Es ist immer einfacher, wenn nur ein Land das Turnier austrägt. Obwohl die Schweiz und Österreich freundschaftlichen Austausch pflegen, hat man bisweilen schon das Gefühl gehabt, dass zwei EUROs stattfinden. Das Modell mit zwei Gastgebern erlaubt aber kleineren Fußballverbänden, überhaupt ein solches Turnier durchführen zu können. Sonst findet die EURO dann nur noch in etwa fünf Ländern statt."
Frage: Trotz der erfreulichen EURO hat die UEFA in der Bevölkerung ein Image-Problem. Verstehen Sie, dass sich viele Leute an gewissen Regulierungen stören und die UEFA als Abzockerin sehen?
Kallen: "Wir sind uns dieses Problems sehr bewusst. Weil die UEFA ihren Sitz in der Schweiz hat, ist die Kritik in der Bevölkerung hier besonders laut. In Österreich ist die Diskussion nicht so hitzig verlaufen. Wir werden noch besser kommunizieren müssen, warum gewisse Regeln gelten. Es ist eine Gratwanderung, wie weit man im Marketing gehen will. Wir müssen diese Situation nach dem Turnier aber auf jeden Fall neu beurteilen."
Frage: Was passiert mit dem Gewinn, den die UEFA erwirtschaftet?
Kallen: "Die Organisation der EURO kostet heute ein Milliarde Franken (618 Mio. Euro). Wir rechnen mit einem Reingewinn von 412 Mio Franken (255 Mio. Euro). 70 bis 80 Prozent davon werden wir in den nächsten vier Jahren wieder in den Fußball investieren. Von den Zahlen her ist das sicher eine große Summe. Man muss gleichzeitig herausstreichen, wie ein Land von einem solchen Ereignis profitiert."
(apa/red)
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