Türkei vor Halbfinalmatch schwer zu durch-schauen: Vielleicht spielen alle "Verletzten"
- DFB-Chefscout:"Schwierigerer Gegner als Portugal"
- Siegenthaler warnt vor türkischem Aufstellungs-Poker
Der Chefscout des deutschen Fußball-Bundes (DFB), Urs Siegenthaler, rechnet mit einem deutlich stärkeren EURO-Halbfinal-Gegner als von vielen erwartet. "Die Mannschaft ist unangenehm, weil sie nicht so auszurechnen ist", erklärte der Schweizer in Tenero vor dem Duell mit der Türkei im verbandsinternen "DFB.TV". "Das ist ein schwieriger Gegner, vielleicht sogar schwieriger zu spielen als die ganz großen Namen wie Frankreich, Holland oder Portugal."
Der 60-Jährige, der alle Interviewwünsche abgelehnt hat, ist bei der Endrunde in Österreich und der Schweiz als Spion unterwegs. Zuletzt nahm er die beiden potenziellen Finalgegner Russland und Spanien unter die Lupe. Davor hatte er sich intensiv mit der Türkei auseinandergesetzt und warnte daher vor einem möglichen Aufstellungs-Poker beim Gegner.
Dessen Trainer Fatih Terim hatte neben den vier gesperrten Akteuren in den vergangenen Tagen noch bis zu fünf Spieler verletzt gemeldet. "Das machen die ein bisschen absichtlich, das gehört zum Understatement. Ich bin überzeugt, es spielen außer den Gesperrten fast alle mit", sagte Siegenthaler, der zu den engsten Vertrauten von Bundestrainer Joachim Löw gehört.
Finale für Deutschland Pflich
Siegenthaler war beim 3:2-Viertelfinal-Sieg gegen Portugal der einzige aus dem DFB-Stab, der in Basel mit dem gesperrten Löw in die gläserne VIP-Box durfte. 30 Millionen deutsche TV-Zuschauer sahen nach dem geglückten Halbfinal-Einzug, wie Siegenthaler und Löw ihrem Jubel freien Lauf ließen, sich in die Arme fielen. "Er schaut aus der Vogelperspektive mit Adleraugen, was sich im Weltfußball tut", hatte Löw einmal über Siegenthaler gesagt.
Trotz der Fähigkeiten der Türken glaubt der Chefscout auch an das Finale von Wien. "Als Mitglied des Trainerteams schätze ich die Chancen natürlich als groß ein", sagte Siegenthaler. Die größte Stärke der Terim-Elf sei jedenfalls der ungebrochene Siegeswille. "Unbestritten, diese Moral, das bringt nicht jede Mannschaft mit. Das ist eine Kopfsache, wenn man daran glaubt." Und weiter: "Von den Türken wissen wir, dass sie 140 Minuten rennen, wenn es sein muss." (apa/red)
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