Freitag, 27. Juni 2008

"Geht alle zum Teufel": Polen Ex-Präsident Walesa wehrt sich gegen Spitzelvorwürfe

  • Nobelpreisträger war kein Spitzel für Geheimdienst
  • Walesa will Gerüchte dazu nicht mehr kommentieren

"Geht alle zum Teufel. Das ist mein letztes Interview." So äußerte sich der polnische Ex-Präsident Lech Walesa in einem Gespräch mit Radio Trojka. Walesa hat es offensichtlich satt, ständig Fragen über seine Vergangenheit und eine angebliche Zusammenarbeit mit dem kommunistischen Geheimdienst beantworten zu müssen.

Der Friedensnobelpreisträger zeigte sich in dem Radiogespräch durch Fragen des Journalisten höchst irritiert. Er erklärte, dass er sich nicht mehr über "seine Zusammenarbeit mit der Stasi" äußern werde. "Die Stasi hat mich nicht gebrochen. Und ihr alle, sogar 40 Millionen, werdet mich nicht zwingen, Sachen zu gestehen, die nicht wahr sind. Um keinen Preis", sagte Walesa empört.

Der Ex-Präsident wiederholte, dass er niemals "auf der anderen Seite" gedient und niemals mit dem Geheimdienst zusammengearbeitet habe. "Niemals hat mich jemand auf solche Art und Weise besiegt. Ich habe zwar gespielt - nicht alle meine Schlachten waren schön und siegreich - ja, das ist wahr. Ich habe Dokumente unterzeichnet, aber nicht über die Zusammenarbeit, sondern übliche, wie alle. Das ist die Wahrheit..."

"Macht was ihr wollt!"
Gegen Ende verlor Walesa die Fassung: "Macht, was ihr wollt. Ihr wollt, dass ich ein Agent bin. Gut, dann freut euch, dass ich ein Agent bin. Die Agenten haben den Kommunismus niedergeschlagen, in eure Hände gegeben, und ihr wisst nicht, was ihr damit machen sollt. Ehre den Agenten."

Die Vergangenheit Walesas und seine Kontakte zum kommunistischen Geheimdienst SB werden seit einigen Tagen besonders heiß diskutiert, nachdem ein entsprechendes Buch des Instituts für das Nationale Gedächtnis (IPN) erschienen ist. Dessen Autoren werfen dem Friedensnobelpreisträger vor, gegen Geld Anzeigen gegen seine Kollegen eingebracht zu haben. In dem Buch steht, Walesa habe in den 70er Jahren unter dem Pseudonym "Bolek" Informationen über Regimegegner in der Werft in Gdansk (Danzig) an den Geheimdienst weitergegeben. Das ergebe sich aus Unterlagen des Geheimdienstes.

Gefälschte Unterlagen
Walesa erklärte, diese Unterlagen seien nicht echt und in den 80er Jahren gefälscht worden, um ihn zu diskreditieren und die Verleihung des Friedensnobelpreises 1983 an ihn zu verhindern. Den Autoren des Buches droht der Ex-Präsident mit Gerichtsprozessen.

Der Chef der rechtskonservativen Oppositionspartei Recht und Gerechtigkeit (PiS), Jaroslaw Kaczynski, erklärte im polnischen Rundfunk, dass er Anfang der 90er Jahre als Chef der Präsidialkanzlei Originaldokumente gesehen habe, die die Zusammenarbeit Walesas mit dem kommunistischen Geheimdienst SB bestätigten. Ex-Innenminister Krzysztof Kozlowski hingegen gab an, dass die Akten des Agenten "Bolek" seiner Meinung nach präpariert und gefälscht worden seien, um Walesa zu kompromittieren.
(apa/red)

27.6.2008 14:36