Dienstag, 24. Juni 2008

Schuss bei Sarkozys Abschied aus Israel:
Grenzsoldat begeht Selbstmord am Airport

  • Suizid löst Panik bei Abschiedszeremonie aus
  • Sarkozy würdigt Abbas als "Mann des Friedens"

Ein tragischer Zwischenfall hat zum Abschluss des Israel-Besuches des französischen Präsidenten Nicolas Sarkozy für Aufsehen gesorgt. Am Rande der Abschiedszeremonie auf dem Ben-Gurion-Flughafen in Tel Aviv erschoss sich ein Grenzschützer. Nach Angaben der Polizei beging der Soldat Selbstmord. "Es handelte sich in keiner Weise um einen Anschlagsversuch", sagte ein Polizeisprecher. Die Sicherheit Sarkozys sei nicht gefährdet gewesen.

Der israelische Rundfunk berichtete, der Grenzsoldat sei während des Vorfalls rund 100 bis 200 Meter von Sarkozy entfernt gewesen. Gerade als der israelische Präsident Shimon Peres und Ministerpräsident Ehud Olmert auf dem Rollfeld Sarkozy und dessen Ehefrau Carla Bruni-Sarkozy zum Abschied die Hände reichen wollten, entsicherte der Soldat seine Waffe, richtete sie auf sich, schoss sich in den Kopf und starb später an den Folgen seiner Verletzungen.

Daraufhin habe es eine kurze Panik gegeben, sagte Polizeisprecher Micky Rosenfeld. Zwei Soldatinnen fielen in Ohnmacht. Sicherheitskräfte begleiteten Sarkozy und Carla Bruni-Sarkozy abrupt in das Flugzeug. Mehrere Leibwächter hätten sofort einen Sicherheitsring um Peres und Olmert gebildet und sie zu den gepanzerten Limousinen gebracht. Als der Alarm vorüber war, bestiegen Peres und Olmert die französische Präsidentenmaschine, um sich von Sarkozy zu verabschieden. Das Flugzeug hob daraufhin ab.

Abbas als "Mann des Friedens"
Sarkozy hatte sich seit Sonntag in Israel und den palästinensischen Gebieten aufgehalten. Zum Abschluss einer dreitägigen Nahost-Reise würdigte der französische Staatschef den palästinensischen Präsidenten Mahmoud Abbas als einen "Mann des Friedens" und einen vertrauenswürdigen Verhandlungspartner. Mit der Hamas, die den Gaza-Streifen kontrolliert, verhandle Frankreich dagegen nicht, sagte Sarkozy nach einem Treffen mit Abbas in Bethlehem. "Mit Terroristen diskutiert man nicht."

Frankreich wolle sich für die Gründung eines palästinensischen Staates genauso stark einsetzen wie für die Sicherheit Israels, sagte Sarkozy. Die Sicherheit des jüdischen Staates sei für sein Land "nicht verhandelbar". Aber die Gründung "eines lebensfähigen, demokratischen und modernen Staates für die Palästinenser ist für Frankreich eines der wichtigsten Anliegen". Sein Land sei "ein Freund der palästinensischen Bevölkerung", sagte Sarkozy. "Wir werden für die Gründung Ihres Staates die gleiche Kraft und den gleichen Einsatz aufwenden wie für die Sicherheit Israels."

Sarkozy gegen weiteren Siedlungsbau
Zugleich forderte Sarkozy Israel erneut auf, weder im Westjordanland noch im Ostteil von Jerusalem neue Siedlungen zu bauen. Und er kritisierte den von Israel errichteten Sperrwall um das Westjordanland. Die Barriere, mit der sich Israel vor palästinensischen Selbstmord-Attentätern schützen will, werde das Land dem Frieden nicht näher bringen, sagte er auf einer Pressekonferenz mit Abbas.

Das französische Staatsoberhaupt und Abbas unterzeichneten eine Vereinbarung in Höhe von 21 Millionen Euro über die Gründung eines Industrieparks in Bethlehem. Die Anlage soll 2000 Arbeitsplätze für Palästinenser schaffen. Abbas dankte Sarkozy für seine Unterstützung der Palästinenser und des Nahost-Friedensprozesses. Man zähle auf Frankreich, das dabei helfen könne, einen Staat Realität werden zu lassen. Dieser müsse Jerusalem als Hauptstadt haben, in den Grenzen von 1967 entstehen und frei von israelischen Siedlungen sein. Gegenwärtig verwandelten die Siedlungen das palästinensische Land in "isolierte Kantone", sagte Abbas.

Sarkozy und seine Frau besichtigten nach dem Treffen mit Abbas die Geburtskirche in Bethlehem. Die Basilika wurde im 6. Jahrhundert errichtet, der Überlieferungen nach über jener Höhle, in der Jesus zur Welt kam.
(apa/red)

24.6.2008 18:56