Eine erste Bilanz zu Fernsehen am Handy:
DVB-H gegen DVB-T im FORMAT-Vergleich
- "Mäusekino" nach zwei Wochen Betrieb am Prüfstand
- Neue Formate kämpfen noch mit Empfangs-Aussetzer

Fernsehen am Handy gibt es in Österreich eigentlich schon seit 2004. Mit DVB-H und DVB-T haben aber gerade noch rechtzeitig zum Start der EM zwei neue Technologien Einzug ins Mäusekino gehalten. Jetzt, nach den ersten zwei Betriebswochen, lässt sich eine erste Bilanz ziehen.
Bereits in der ersten Woche registrierte One knapp tausend Anmeldungen für sein DVB-H-Angebot Guckuck, bei "3" avancierte das erste DVB-H-Handy, das Nokia N77, aus dem Stand zum bestverkauften Modell des Monats Juni. One hat aus den Anfangserfolgen bereits Konsequenzen gezogen: Mit 1. August 2008 wird das "alte" Handy-TV-Angebot auf Basis von 3G-TV-Streaming (UMTS/HSDPA) eingestellt. One-Pressesprecherin Petra Jakob: "Wir setzen ausschließlich auf echtes Fernsehen am Handy via DVB-H." Neben der besseren Bildqualität hat das vor allem einen Grund: DVB-H wird wie sein "großer Bruder" DVB-T als digitales Antennenfernsehen ausgestrahlt und verstopft nicht die Kanäle, die eigentlich für Videotelefonie oder Datenübertragung da wären.
T-Mobile mit Alternative DVB-T
Während die Mobilkom praktisch in letzter Minute auf den DVB-H-Zug aufsprang, baut T-Mobile auf Bewährtes: auf Fernsehen via Streaming und auf das seit Herbst 2006 funkende digitale Antennenfernsehen DVB-T. Letzteres wurde zwar eigentlich für herkömmliche Bildschirmgrößen entwickelt, lässt sich aber auch in Handys integrieren. Das erste entsprechende Handy in Österreich kommt von LG (siehe Bild). Nicht zu leugnender Vorteil: Während der Newcomer DVB-H momentan nur in Wien, Salzburg, Innsbruck und Klagenfurt empfangbar ist, deckt DVB-T bereits alle Ballungsräume ab.
Und: DVB-T wird unverschlüsselt ausgestrahlt und bleibt auch nach 2008 gratis. Bei der Anzahl der Kanäle muss sich DVB-T allerdings geschlagen geben: 6 Sender stehen 15 (DVB-H) und bis zu 35 (auf Streaming-Basis) gegenüber.
Der Live-Check
Grau ist freilich die Theorie, deshalb machte FORMAT die Probe aufs Exempel. Überraschung: Indoor war in Wien der DVB-H-Empfang deutlich besser als der von DVB-T. Auch im Freien nervte LGs erstes DVB-T-Handy ab und zu mit dem Hinweis "schwaches Signal" und Aussetzern. Bei der Bildqualität waren aber sowohl DVB-H als auch DVB-T dem 3G-TV-Streaming klar überlegen.
(FORMAT 25/08)
