Freitag, 20. Juni 2008

Großrazzia in der Immobilienbranche: 400 Festnahmen - darunter auch Top-Manager

  • Zwei Fondmanager von Bear-Searns verhaftet
  • 53.000 Fälle von Hypothekenbetrug gemeldet

Wenige Monate nach der großen "subprime"-Krise in den USA klicken jetzt die Handschellen. Bei Großrazzien wurden insgesamt 400 Personen aus dem Hypotheken und Immobilienumfeld verhaftet. Darunter auch zwei Ex-Top-Manager von Bear Sterns.

Ralph Cioffi und Matthew Tannin, Ex-Manager von Bear Stearns, sollen ihren Kunden zwei Fonds als "großartige Gelegenheit" vorgestellt haben, obwohl sie nachweislich von deren schweren Problemen gewusst hätten. Die Verluste für die Investoren hätten am Ende 1,4 Mrd. Dollar betragen. Die Anwälte der Männer wiesen die Anschuldigungen zurück.

400 Verhaftungen wegen Betrugs
Die zwei Verhaftungen waren nur die Spitze von mehreren aufsehenerregenden Großrazzien der letzten Tage. Die US-Bundespolizei FBI hat seit März in den USA mehr als 400 Personen wegen Betrugs mit Hypotheken festgenommen. Allein in den vergangenen beiden Tagen seien es Dutzende Festnahmen gewesen, teilte am Donnerstag das US-Justizministerium mit. Das FBI bezifferte den Schaden für Hausbesitzer und Kreditnehmer, die Opfer der Betrügereien wurden, auf mehr als eine Milliarde Dollar. Die Betrugsfälle hätten mit zur Krise bei den Hypotheken beigetragen.

"Gefahr für unsere Wirtschaft"
"Hypothekenbetrug und der damit in Zusammenhang stehende Anlagebetrug ist eine große Gefahr für unsere Wirtschaft, die Stabilität des Wohnungsmarktes und den Seelenfrieden von Millionen Amerikanern", erklärte der stellvertretende Justizminister Mark Filip am Donnerstag. Laut FBI wurden seit 1. März in 144 Betrugsfällen 406 Personen festgenommen. Allein am Mittwoch habe es 60 Festnahmen gegeben, unter anderem in Chicago, Miami, Houston und in Dutzenden weiteren Regionen.

Banken haben im vergangenen Jahr fast 53.000 Fälle von mutmaßlichem Hypothekenbetrugs gemeldet nach mehr als 37.000 Fällen ein Jahr zuvor. Das ist ungefähr das Zehnfache des Niveaus von 2001 und 2002, wie das Finanzministerium mitteilte.

Untergang von Bear Sterns
Die fünftgrößte US-Investmentbank Bear Stearns wurde besonders stark von den Finanzmarkt-Turbulenzen getroffen und musste im Frühjahr ihrem Notverkauf an die US-Bank JP Morgan Chase zustimmen.

Die beiden Fonds hatten fast ausschließlich in Papiere investiert, die auf kaum besicherten Immobilienkrediten (subprime) basierten. Der reihenweise Ausfall dieser riskanten "Sbprime"-Kredite bewirkte die bis heute anhaltende Finanzkrise. Weltweit mussten Banken deswegen bisher rund 400 Mrd. Dollar (258 Mrd. Euro) abschreiben. (apa/red)

20.6.2008 10:04