20.6.2008 12:30

news.at-Kommentar: Ronaldo, Ronaldinho &
Ikarus - wer Sonne zu nahe kommt, verglüht

Der Grad zwischen Erfolg und Misserfolg ist schmal. Einem rasanten Aufstieg folgt meist ein noch rasanterer Abstieg. So schnell, dass man oft selbst nicht weiß, wie einem geschieht. Ein Schicksal, das bei der EM Cristiano Ronaldo widerfahren ist.

Aus im Viertelfinale mit Portugal. In vier Partien nur einen Treffer erzielt. Nach einer Marathon-Saison mit 59. Pflichtspielen sind seine enttäuschenden Auftritte bei der EURO 2008 nicht überraschend und schon gar nicht neu. Wie Ronaldo erging es zwei Jahre zuvor bereits Ronaldinho. Der Brasilianer galt als der beste Spieler des Planeten. Bei der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland war er nur mehr ein Schatten seiner selbst. Ausgebrannt und verbraucht. Dem schnellen Aufstieg folgte der schnelle Fall. Wie Ikarus, der der Sonne zu nah kam und ins Meer stürzte.

Konzerne und Medien kreieren Stars. In einem Mikrokosmos, in dem Gewinnmaximierung mittlerweile das oberste Prinzip zu sein scheint, werden Fußballer als Wirtschaftsfaktoren gesehen. Sie kurbeln das Geschäft an, sie bringen Quote und Millionen. Die Spieler nehmen den riskanten Doppelpass auf. Schließlich ist die Entlohnung fürstlich, das Leben im Luxus und Scheinwerferlicht verlockend. Die Rechnung folgt meist auf dem Fuß. Unter ausufernden Medienterminen und Verpflichtungen gegenüber Sponsoren leidet über kurz oder lang die sportliche Leistungs- und Konkurrenzfähigkeit.

Die Verweildauer an der Spitze wird dadurch kürzer und kürzer. Stars erscheinen und verschwinden in immer geringeren Abständen. Den Herren an den Schalthebeln der Fußball-Macht ist das egal. Der nächste Messias kommt bestimmt. Und mit ihm neue Millionenumsätze. Das Geschäft ist gnadenlos.

(Gernot Ebner)

20.6.2008 12:30
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