Bitterer Abschied für Felipe Scolari: Bereits
im Viertelfinale mit Portugal ausgeschieden
- Anfangseuphorie wurde von Deutschland jäh gestoppt
- In entscheidenden Momenten fehlte Konzentration

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Mit zwei eindrucksvollen Leistungen hatte sich die portugiesische Nationalmannschaft schon zum EURO-Auftakt in den engsten Favoritenkreis gespielt. Im Viertelfinale wurde der Vizeeuropameister von 2004 abrupt aus seinen EM-Träumen gerissen. Mit einem bitteren 2:3 gegen Deutschland verabschiedete sich Teamchef Luiz Felipe Scolari nach fast fünf Jahren aus Portugal, um am 1. Juli das Traineramt von Chelsea in London zu übernehmen.
Bitter vor allem deshalb, weil die Portugiesen allemal das Zeug dazu gehabt hätten, ihren ersten großen Titel zu holen. "Wir waren in der Verfassung, um das Finale zu erreichen", versicherte Scolari. "Das macht mich besonders traurig." In den entscheidenden Momenten - bei Kopfball-Toren von Klose (26.) und Ballack (62.) jeweils nach Freistößen von Schweinsteiger - hatte seine Mannschaft allerdings schwere Stellungsfehler begangen.
"Scolari von seinen Burschen verraten", schrieb die portugiesische Zeitung "O Jogo" nach dem letzten Länderspiel unter dem 59-jährigen Brasilianer. Dieser stellte sich aber einmal mehr vor sein Starensemble, das gegen Deutschland seine Schwächen offenbart und selbst das Minimalziel Halbfinale verpasst hatte. "Ich bin dafür verantwortlich", sagte Scolari. "Der Hauptverantwortliche ist immer der Trainer, der Taktik und Aufstellung macht."
Taktisches Konzept ging nicht auf
Sein Konzept war allerdings bereits Mitte der ersten Hälfte über den Haufen geworfen, als Joao Moutinho, der heimliche Spielmacher, mit einer Knöchelverletzung vom Platz musste. Dazu blieben auch die weiteren Kreativspieler Cristiano Ronaldo, Simao und Deco weitgehend farblos. "In diesem Spiel haben wir Fehler gemacht, wir waren unkonzentriert. Aber grundsätzlich bin ich nicht unzufrieden damit, wie die Mannschaft in diesem Turnier aufgetreten ist", sagte Scolari. "Sie hat eine große Zukunft."
Praktisch alle Stammspieler stehen bei europäischen Top-Vereinen unter Vertrag. Umso verwunderlicher ist es, dass das Stellungsspiel bei Standardsituationen überhaupt nicht funktionierte. "Auf einmal haben sie die Positionen gewechselt. So etwas kann man nicht machen", meinte Scolari. Klose und Ballack waren völlig frei zum Kopfball gekommen. Wenngleich dem vorentscheidenden 3:1 durch Ballack ein Foul des DFB-Kapitäns vorangegangen war.
Standards haben Spiel entschieden
"Die Freistöße haben das Spiel entschieden. Der Gegner war in gewissen Situationen besser als wir", sagte Scolari. Viermal in Folge haben die Portugiesen nun mehr oder weniger souverän die K.o.-Phase einer EM erreicht. Zum Titel reichte es erneut nicht. Dabei hatte Scolari dem Verband zumindest das Halbfinale versprochen. "Ich spüre Frustration, denn letztlich habe ich versagt. Wir haben erst im Halbfinale mit Deutschland gerechnet", sagte der Erfolgstrainer, der Brasilien 2002 zum WM-Titel geführt hatte.
Mit Portugal blieb es beim Finale der Heim-EM 2004 sowie beim WM-Halbfinale 2006 in Deutschland. Scolari ist damit der mit Abstand erfolgreichste Trainer der Geschichte der "Seleccao". "Ein Teil von mir wird immer in Portugal zurückbleiben", versprach die Vaterfigur. Sein angekündigter Abgang habe mit dem Ausscheiden aber nichts zu tun, versicherten die Spieler. "Wir waren einfach nicht immer hundertprozentig konzentriert", erklärte Deco. "So etwas wird gegen Deutschland bestraft. Wir sind sehr traurig."
(apa/red)
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