20.6.2008 07:48

Hoher Besuch aus Politik beim Viertelfinale:
Premiers Sanadar und Erdogan beim Match

  • Bundespräsident Fischer empfängt türkischen Premier
  • 50.000 Fans jeder Nation werden in Wien erwartet

Zum Viertelfinal-Spiel zwischen Kroatien und der Türkei im Wiener Ernst-Happel-Stadion reist hoher Besuch an. Erwartet werden Kroatiens Ministerpräsident Ivo Sanader und sein türkischer Amtskollege Recep Tayyip Erdogan. Erdogan und Bundeskanzler Alfred Gusenbauer (S), der vom Brüsseler EU-Gipfel zurückerwartet wird, kommen im Bundeskanzleramt zusammen. Bundespräsident Heinz Fischer empfängt den türkischen Premier vor dem Match zu einem Gespräch in der Präsidentschaftskanzlei.

Bilaterale Gespräche mit der Regierungs- und Staatsspitze Kroatiens hatten bereits am 8. Juni stattgefunden. Fischer war im Rahmen seines Staatsbesuchs in der Türkei am 22. Mai in Istanbul mit Erdogan zusammengetroffen.

Während je 50.000 türkische und kroatische Fans zu dem Spiel erwartet werden, dürfte es der kroatische Staatschef Stjepan "Stipe" Mesic, der sich in Jordanien aufhielt, nicht zum Anpfiff nach Wien schaffen. Er reist nach Angaben der kroatischen Botschaft in Österreich erst am Montag wieder nach Wien. Am Montagabend hält der kroatische Staatschef einen Vortrag über "Südosteuropa aus kroatischer Perspektive" im Wiener Bruno Kreisky-Forum.

Mesic bei Fischer
Zuvor kommt Mesic neuerlich mit Fischer zu einem Arbeitsgespräch zusammen, wie dessen Sprecher Bruno Aigner bestätigte. Die Themen hätten sich seit der Zusammenkunft vor rund eineinhalb Wochen zum Spiel Österreich - Kroatien "nicht verändert". Es gehe um den EU-Reformvertrag, das Abstimmungsergebnis in Irland, die europäische Zukunftsperspektive des EU-Beitrittskandidaten Kroatien und "das Problem Kosovo".

Die EU verhandelt seit Oktober 2005 mit der Türkei und Kroatien über einen EU-Beitritt. Österreich unterstützt den Beitrittswunsch Kroatiens, im Fall der Türkei will man "ergebnisoffene Verhandlungen". Für die Regierung gilt eine "maßgeschneiderte Partnerschaft zwischen der EU und der Türkei als beste Lösung"; im Regierungsprogramm hat sie sich zudem zu einer Volksabstimmung über einen etwaigen EU-Beitritt der Türkei verpflichtet.

Beitritt Kroatiens verschoben
Nach dem "Nein" der Iren zum Vertrag von Lissabon, der künftige Erweiterungen der EU ermöglichen soll, hatte der französische Staatschef und künftige EU-Ratsvorsitzende Nicolas Sarkozy den Beitritt Kroatiens ohne diese neue Rechtsgrundlage der Union infrage gestellt. Erweiterungskommissar Olli Rehn widersprach und wies auch Rufe aus dem EU-Parlament nach einem Erweiterungsstopp mit dem Hinweis auf den einstimmigen Beschluss über die Aufnahme von Beitrittsverhandlungen mit Zagreb und Ankara zurück.

Bei den Gesprächen Erdogans in Wien könnte auch der aktuelle Stand im Verbotsverfahren gegen die islamisch orientierte Regierungspartei AKP vor dem türkischen Verfassungsgerichtshof zur Sprache kommen. Eine Reihe von Beobachtern befürchten im Falle eines Parteienverbots eine politische Krise in der Türkei, aber auch Auswirkungen auf die EU-Annäherung des Landes. (apa/red)

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