"Mannschaft hat sich sehr gut entwickelt":
Hickersberger sieht Anlass zur Hoffnung
- Lob und Dank an Spieler und ÖFB-Präsident Stickler
- Unterschied zu anderen Teilnehmer nicht allzu groß

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Nur ein Punkt in drei Gruppenspielen für Team
Die sportliche Bilanz des österreichischen Fußball-Teamchefs Josef Hickersberger fiel nach der 0:1-Niederlage gegen Deutschland und dem damit verbundenen EM-Ausscheiden zweigeteilt aus. Das hochgesteckte Ziel Viertelfinale habe man wohl verpasst, die durch das Turnier weiter beschleunigte Entwicklung der Mannschaft gebe aber Anlass zur Hoffnung, erklärte der ÖFB-Trainer.
"Wir haben uns ein ähnliches Spiel erwartet, und dass Deutschland dominiert", meinte Hickersberger. "Wir haben uns erhofft, dass wir mit unseren schnellen Spitzen den deutschen Verteidigern bei Gegenangriffen Probleme bereiten können. Das ist uns aber nicht gelungen, weil wir die wenigen Chancen nicht richtig genützt haben."
Vastic war keine Wechsel-Alternative
Ivica Vastic, der mit seinem Elfmetertor im Polen-Spiel Österreich bis zuletzt im Viertelfinal-Rennen gehalten hatte, sei für Hickersberger angesichts der Lage keine Wechsel-Alternative gewesen. "Wir hatten die Probleme ganz vorne, uns fehlte da die Durchschlagskraft. Vastic kommt aus der zweiten Reihe, es war uns da nicht mehr möglich zu kombinieren, weil Deutschland in der Verteidigung sehr kompakt gestanden ist. Das ist aber seine Stärke. Daher konnte er uns nicht so gut helfen", begründete der Niederösterreicher, der Vastic aber nochmals für seinen Einsatz dankte.
"Wir haben uns das große Ziel gesteckt, das Viertelfinale zu erreichen", erinnerte Hickersberger, der vermutete, dass man sich auf sportlichem Wege nicht für die EM qualifizieren hätte können. "Wenn man sich große Ziele steckt, ist es normal, diese nicht immer zu erreichen. Das Erreichen des Viertelfinales wäre für uns so gewesen, wie der Europameistertitel für Deutschland."
"Hicke" sieht gute Perspektiven
Die Perspektiven seien aber durchaus gut. "Die Mannschaft hat sich in den letzten Monaten sehr gut entwickelt. Sie hat Respekt gewonnen und Turniererfahrung." Das sei "das Wichtigste in einem österreichischem Fußballerleben. Ich war als Spieler und Trainer bei Weltmeisterschaften, ich weiß das aus eigener Erfahrung. Aber ein EM ist von der Klasse des Turniers her noch darüberzustellen."
"Wir haben in unseren ersten beiden Spielen die Punkte, die wir uns erhofft haben, leider nicht erreicht. Aus vier Punkten ist ein Pünktchen geworden. Gegen Polen hätte es ein Sieg sein müssen", stellte der Niederösterreicher trocken fest, fand aber auch Worte des Lobes: "Wir haben da in den ersten 30 Minuten sensationell gespielt, diese Leistung hätte ich der Mannschaft nicht zugetraut. Genauso wie ich es ihr nicht zugetraut hatte, dass sie Kroatien konditionell gegen Ende des Spiels dominiert. Wir haben uns sehr gut vorbereitet, waren seit 8. Mai, länger als jede andere Nationalmannschaft, zusammen. Es hat alles gepasst, sonst wären die Spieler nicht so fit gewesen."
Dank an Spieler und ÖFB-Präsident
Daher habe er sich bei seinen Spielern für die Leistung, den Einsatz und die Leidenschaft bedankt. "Ich denke, dass das in Österreich gut angekommen ist. Die Mannschaft hat in den vergangenen zwei Jahren sehr viel mitgemacht, wurde verspottet und verhöhnt und ist gewachsen."
Er habe den Spielern erklärt, "dass der Unterschied zu anderen Turnierteilnehmern, zu einem Qualifikations-Gruppensieger wie Polen, nicht so groß ist, wie wir ihn erwartet haben, und dass wir daran arbeiten müssen, ihn kleiner zu machen." Das sei aber nur möglich, "wenn jeder individuell im Verein mehr an sich arbeitet. Das geht nicht bei der Nationalmannschaft, da haben wir zu wenig Zeit."
Hickersberger dankte auch ÖFB-Präsident Friedrich Stickler für das Vertrauen. "Es ist sehr eng gewesen. Ich kann mich an Spiele erinnern, wo man mir am liebsten das Kamel vors Stadion gestellt hätte, damit ich sofort in die Wüste reiten kann."
"Wertschätzung" für vierten Unparteiischen
Schiedsrichter Manuel Mejuto-Gonzalez , aber besonders dem vierten Unparteiischen, Damir Skomina, sprach "Hicke", der wie DFB-Coach Jogi Löw in der 40. Minute auf die Tribüne verbannt worden war ("Wir wissen nicht warum"), seine besondere "Wertschätzung" aus: "Das war eine besondere Leistung. Er ist in die Geschichte eingegangen. Es war schön auf der Ehrentribüne zu sitzen, und ich wäre sonst nicht in den Genuss gekommen, Angela Merkel zum Sieg zu gratulieren." Hickersberger kam entgegen den anderslautenden Vorschriften ("Ich glaubte, mich verhört zu haben") in der Halbzeit zwar in die Kabine, musste diese schließlich aber wieder verlassen.
Insgesamt sei es aber "unglaublich" gewesen, die im Lande vorhandene Euphorie zu spüren. Im übrigen sei die "EURO noch nicht vorbei. Für alle Österreicher geht es erst richtig los. Wir werden Fußballfeste feiern. Das wird auch mir Spaß machen, der Spaßfaktor ist bei mir bisher etwas zu kurz gekommen", sagte Hickersberger. Er werde alle weiteren Spiele in Wien besuchen und "die Fußballbegeisterung der ausländischen Gäste teilen".
Scharner-Comeback durchaus möglich
Zur Personalie Paul Scharner gefragt, meinte Hickersberger: "Ich habe gesagt, dass er, wenn er die EM-Vorbereitung nicht mitmacht, auch nicht bei der EURO dabei sein kann. Jetzt beginnt aber ein neues Kapitel, und ich gehe davon aus, dass Scharner wieder spielen will." Andererseits werde es einige Spieler geben, "die in der WM-Qualifikation nicht dabei sein werden, weil junge Spieler nachkommen. Ob Vastic noch dabei sein wird, kann ich jetzt noch nicht sagen."
(apa/red)
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