Hickersberger-Assistent Peter Persidis:
50 Minuten "Ruhm" wider Willen im Team
- Weil Teamchef auf die Tribüne verbannt wurde
Es war eine denkbar ungewohnte Rolle, in die Peter Persidis, Co-Trainer von Teamchef Josef Hickersberger, schlüpfte. Ausgerechnet er, der nie ganz vorne an der Linie stehen wollte, übernahm in seinem wichtigsten Spiel interimistisch das Trainerszepter von Hickersberger, weil dieser in der 40. Minute beim 0:1 im entscheidenden EM-Gruppenduell mit Deutschland vom Unparteiischen auf die Tribüne verbannt worden war.
Er ist der Mann im Schatten von Josef Hickersberger, einer, der wohl am Platz, kaum aber vor den Kameras und Mikrofonen zu finden ist. Schon als "Hickes" Assistent bei Rapid war er einst gar mit dem unfeinen Prädikat "Hütchenaufsteller" bedacht worden, Persidis ließ das eher kalt. Seine Maxime war stets Loyalität zum Mann an der Spitze des Teams, undenkbar, dass er in die Rolle des Brutus schlüpfen könnte.
"Normalerweise hat ein Assistenztrainer die Ambition, irgendwann einmal selbst Chef zu werden. Hickersberger weiß, dass das bei mir nicht der Fall ist", wurde Persidis nicht müde zu betonen. Eine Eigenschaft, die der Teamchef schon als Rapid-Coach zu schätzen gelernt hatte. Man gehe nicht jeden Abend auf ein Bier, erklärte Hickersberger erst kürzlich, aber man könne schon von Freundschaft sprechen. Persidis: "Wir kennen uns seit vielen Jahren, es ist ein großes gegenseitiges Vertrauen da. Und auf so einem Vertrauen kann man natürlich gut aufbauen"
Persidis war bereits in der ersten Teamchef-Ära Hickersbergers Ende der Achtziger-Jahre als Assistent im Gespräch gewesen, schließlich übernahm aber Walter Gebhardt diesen Job. Erstmals zusammengespannt wurden die beiden schließlich bei Rapid, das vom Duo zwischen Mai 2002 und Dezember 2005 betreut, 2005 zum Meister und die Champions-League-Gruppenphase geführt wurde.
Der siebenfache ÖFB-Teamspieler ist ein Hütteldorfer Urgestein. Nach seiner erfolgreichen Zeit bei Olympiakos Piräus (dreimal Meister, zweimal Cupsieger) war der Sohn eines griechischen Vaters nach dem Abgang von Hans Krankl zum FC Barcelona sogar von 1978 bis 1980 Kapitän der Grün-Weißen, danach von 1984 bis 1987 U21-Coach (u.a. mit Herzog und Schöttel) und von 1998 bis Ende 2005 Co-Trainer.
Seinen einzigen Chefcoach-Job hatte er 2001 nur für wenige Wochen inne, als er Rapid interimistisch trainierte, ehe er Hickersberger Platz machte. Auch für Persidis könnte der Kurzauftritt gegen Deutschland der letzte überhaupt im ÖFB-Trainerteam gewesen sein. Sollte Hickersberger seinen Rückzug ankündigen, wird der Adjutant wohl wie sein Kapitän das Schiff verlassen.
(apa/red)
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