Ratlose Tschechen nach Schluss-Kollaps: Zusammenbruch in der letzten Viertelstunde
- Teamchef Brückner: "Werde ich nicht vergessen"
- Trauriges Abschiedsspiel für Kapitän Tomas Ujfalusi

·Türken gelingt Sensations-Aufholjagd
3:2-Sieg über Tschechien
nach 0:2-Rückstand
·Ein Heldenepos unter der Halbmond-Flagge
Türkei im Freudentaumel nach Überraschungssieg
·Grenzenloser Jubel bei Türken nach Sieg
Unbeschreibliche Szenen:
Hupkonzerte und Tänze
Als der tschechische Mittelfeldspieler Jan Polak in der 71. Minute vollkommen frei vor dem Tor des türkischen Schlussmanns Volkan Demirel das 3:0 vergab und den Ball an die Stange setzte, schien das "Finalspiel" der Gruppe A um den Aufstieg ins Viertelfinale der EURO 2008 schon lange entschieden. Die tschechische Fußball-Nationalmannschaft hatte sich bereits in Wien gegen Kroatien spielen sehen.
Die Tschechen hatten nach Treffern von Jan Koller (34.) und Jaroslav Plasil (62.) verdient 2:0 geführt und das Spiel kontrolliert, ehe Arda Turan der türkischen Mannschaft mit seinem Schuss von der Strafraumgrenze eine Viertelstunde vor Schluss neues Leben einhauchte. Was darauf folgte, war der kollektive Zusammenbruch der bis dahin so souveränen tschechischen Mannschaft. "Ich weiß nicht, was da passiert ist", sagte der ehemalige GAK- und Austria-Legionär Libor Sionko. "Ich kann es mir nicht erklären."
Zusammenbruch
Sionko hatte wie in den vorangegangenen Spielen gegen die Schweiz (1:0) und Portugal (1:3) eine starke Leistung geboten und war in der 84. Minute unter tosendem Applaus der tschechischen Fans ausgetauscht worden - drei Minuten, bevor das Spiel endgültig kippte. Er sah von der Bank aus, wie Tormann Petr Cech eine Flanke von Hamit Altintop fallen ließ (87.) und Sturmspitze Nihat Kahveci servierte. "Es darf aber nicht passieren, dass wir noch das 3:2 bekommen haben. Da hat wohl die Konzentration gefehlt", sagte Sionko.
Nihat hatte den Ball in der 89. Minute ins Kreuzeck gewuchtet und Tschechien aus dem Bewerb geschossen. "Das dritte Tor war ein totaler Kollaps", sagte Teamchef Karel Brückner. "Das werde ich sehr lange nicht vergessen. Das ist kein schöner Abschied." Brückner hatte bereits lange vor der EURO seinen Rücktritt nach dem Turnier bekanntgegeben. Seinen Tormann nahm Brückner in Schutz: "Cech hat einen Fehler gemacht, aber ich werde ihn nicht für die Niederlage verantwortlich machen."
Fassungsloser Kapitän
Auch Kapitän Tomas Ujfalusi war nach dem Spiel fassungslos: "Ich war mir 20 Minuten vor Schluss sicher, dass wir die Partie gewinnen. Unser Team ist erfahren genug, dass wir so ein Spiel zu Ende bringen. Nach dem Ausgleich müssen wir zumindest bis zum Elfmeterschießen spielen." Team-Rekordtorschütze Jan Koller, der wie Brückner seinen Abschied nach der EURO angekündigt hatte, verabschiedete sich zwar mit seinem 55. Tor im 90. Länderspiel vom Nationalteam, schien aber auch gebrochen: "Ich habe mir das Ende ganz anders vorgestellt."
(Christoph Heshmatpour/APA/red)










