Dienstag, 17. Juni 2008

Al Gore unterstützt Obama mit aller Kraft: Gemeinsam auf Wahlkampfveranstaltung

  • Früherer US-Vizepräsident will Barack Sieg bringen
  • Kritik am Ex-Kontrahenten US-Präsident George Bush

Der frühere US-Vizepräsident und Friedensnobelpreisträger Al Gore will seinen demokratischen Parteifreund Barack Obama im Kampf ums Weiße Haus mit voller Kraft unterstützen. Er wolle tun, was immer er könne, um Obama zum Sieg bei der Präsidentschaftswahl im November zu verhelfen, sagte Gore vor 20.000 jubelnden Anhängern bei einem gemeinsamen Wahlkampfauftritt mit Obama in Detroit.

"Wir brauchen eine neue Führung (...) nicht nur einen neuen Staatschef, sondern eine neue Vision für Amerikas Zukunft", rief Gore dem Publikum zu. Es war der erste Auftritt von Al Gore im Präsidentschaftswahlkampf. "Der Ausgang dieser Wahl wird die Zukunft unseres Planeten beeinflussen", sagte der prominente Umweltaktivist.

Parallelen zu John F. Kennedy
Obama erinnere ihn an John F. Kennedy, sagte Gore und erzählte davon, wie er als zwölfjähriger im Schnee gestanden sei, um dessen Vereidigung zum US-Präsidenten miterleben zu können. "Ich weiß, welch Inspiration er für meine Generation bedeutet hat, und ich fühle den gleichen Geist hier in diesem Saal." Gore versprach, er werde alles für den Erfolg seines Parteifreundes Obama bei den Wahlen im November tun und seine Freunde und Amhänger auffordern, für Obama zu stimmen.

Kritik an Bush und McCain
Die republikanische Regierung von Präsident George W. Bush bezeichnete Gore als Administration "der Inkompetenz, der Vernachlässigung und des Versagens". Obama sei dagegen ein Politiker, der "die Klimakrise lösen und eine glänzende Zukunft schaffen" könne.

Am republikanischen Bewerber für das Präsidentenamt, John McCain, übte der "Elder Statesman" naturgemäß Kritik. McCains Positionen ähnelten zu sehr denen von Amtsinhaber Bush, erklärte der Friedensnobelpreisträger und verwies vor allem auf den Irak-Krieg. "Nach acht Jahren mit den schlimmsten, den größten außenpolitischen Fehlern in der gesamten Geschichte unserer Nation, brauchen wir einen Wechsel." Bush habe die US-Verfassung entehrt und missachtet, kritisierte Gore.

Immer Nummer zwei
Gore war zwei Präsidentschaften lang die verlässliche Nummer Zwei hinter Präsident Bill Clinton. Im Jahr 2000 verlor Gore als Kandidat der Demokraten die Präsidentenwahl gegen Bush denkbar knapp und konzentrierte sich fortan auf den Kampf gegen den Klimawandel. Für sein Engagement erhielt er 2007 den Friedensnobelpreis und für seinen Dokumentarfilm "An Inconvenient Truth" (Eine unbequeme Wahrheit) auch den weltweit wichtigsten Filmpreis "Oscar".

Kluger Schachzug
Politische Beobachter werteten das relativ späte Bekenntnis Gores zu Obama als klugen Schachzug des populären Demokraten. Einerseits habe er nicht Hillary Clinton desavouiert, andererseits könne möglicherweise nur er ihre Anhänger geschlossen hinter den Senator aus Illinois stellen.

Offiziell und endgültig wird Obama erst beim Parteitag der Demokraten im August nominiert. Für den weiteren Wahlkampf gegen McCain wird es natürlich wichtig sein, dass Obama bei dieser Gelegenheit möglichst viele Delegiertenstimmen - also auch solche aus Clintons Lager - bekommt.

(apa/red)

17.6.2008 13:57