Freitag, 20. Juni 2008

Probeangriff Israels auf Atomanlagen im Irak: Russland warnt vor weiteren Angriffen

  • Über 100 Kampfflugzeuge an Übung teilgenommen
  • Offizielle Reaktion Teherans steht bislang noch aus

Israel hat nach einem Bericht der "New York Times" während eines Großmanövers Bombenangriffe auf iranische Atomanlagen geprobt. Mehr als 100 Kampfflugzeuge vom Typ F-16 und F- 15 sowie Rettungshubschrauber und Tankflugzeuge hätten an der Übung über dem östlichen Mittelmeer und Griechenland teilgenommen, berichtete die "New York Times" unter Berufung auf mehrere US-Regierungsbeamte.

Die Regierung in Athen bestätigte, dass ein griechisch- israelisches Luftwaffenmanöver zwischen dem 25. Mai und dem 12. Juni im Gebiet der Mittelmeerinsel Kreta stattgefunden habe. Dabei seien auch Angriffe auf Bodenziele simuliert worden. "Es war ein geplantes Manöver im Rahmen der Kooperation der beiden Länder. Jede Seite zieht ihre Schlüsse aus solchen Manövern", sagte ein Sprecher des Athener Verteidigungsministeriums.

Ein israelischer Armeesprecher wollte den Zeitungsbericht weder dementieren noch bestätigen. "Die israelische Luftwaffe trainiert regelmäßig für verschiedene Einsätze, um den Herausforderungen und den Gefahren für Israel entgegenzutreten", sagte der Sprecher in Tel Aviv.

Russland warnt vor Gewalt gegen den Iran
In einer ersten Reaktion warnte der russische Außenminister Sergej Lawrow vor Gewaltanwendung gegen den Iran, solange es keine Beweise für die Entwicklung von Atomwaffen gebe. "Unsere Partner in den USA und Israel bestehen darauf, dass der Iran Atomwaffen entwickelt. Wir denken, dass in einem solchen Fall Fakten vorgelegt werden müssen, die von der Internationalen Atomenergiebehörde IAEA (IAEO) gestützt werden. Bisher haben wir keine gesehen", zitierte ihn die russische Nachrichtenagentur Interfax.

Eine offizielle Reaktion Teherans zu dem Bericht gab es zunächst nicht. Der konservative Ayatollah Ahmed Khatami warnte während des Freitagsgebetes, dass der Iran auf jeden Angriff hart reagieren werde. Sollten die Feinde des Iran und insbesondere Israel es wagen, Gewalt gegen den Iran anzuwenden, dann werde sie eine entschiedene Antwort diesen Plan bereuen lassen. Khatami bekleidet kein offizielles Regierungsamt.

Wie die "New York Times" weiter berichtete, sollen israelische Rettungshubschrauber und Tankflugzeuge während des Manövers rund 1500 Kilometer weit geflogen sein. Das sei die Entfernung zwischen Israel und den iranischen Atomanlagen in Natanz. Das Blatt zitiert einen Mitarbeiter des US-Verteidigungsministeriums, wonach die Übung zwei Ziele hatte. Zum einen sollten die taktischen Details eines Luftangriffes wie beispielsweise das Betanken in der Luft geübt werden. Zum anderen habe Israel eine klare Botschaft an die USA, die Europäische Union, den Iran und andere Länder senden wollen, dass es auch auf eigene Faust reagieren werde, falls die diplomatischen Bemühungen zum Stopp des iranischen Atomprogramms ins Wanken geraten sollten.

Iran für Israel größte strategische Gefahr
Israel betrachtet den Iran als die größte strategische Gefahr für die eigene Sicherheit. Verteidigungsminister Ehud Olmert hatte jüngst in Zeitungsinterviews darauf hingewiesen, dass "alle Optionen auf dem Tisch" seien. Zuletzt sorgte Vizeministerpräsident Shaul Mofaz für Schlagzeilen, als er dem Iran mit einem Angriff drohte, falls er sein Atomwaffenprogramm fortsetze. Diese Äußerungen wurden in Israel als Einzelmeinung und Positionierung im Kampf um den Parteivorsitz in der Kadima-Partei angesehen. Israelische Medien berichteten, Olmert befürworte als nächsten Schritt bei den internationalen Sanktionen gegen den Iran eine Seeblockade und ein Lieferboykott von Benzin und Dieselkraftstoff.

1981 hatte Israel mit einem Lufteinsatz den mit französischer Hilfe errichteten irakischen Atomreaktor "Osirak" zerstört. Im September 2007 bombardierte die israelische Luftwaffe eine im Bau befindliche Anlage in Syrien. Nach israelischen und amerikanischen Medienberichten sollte das mit nordkoreanischer Hilfe errichtete Gebäude der Herstellung von Plutonium dienen. Syrien bestreitet, ein militärisches Atomprogramm zu unterhalten. Die IAEA will am Sonntag ein Inspektorenteam zu der zerstörten Anlage Al-Kibar entsenden.

Die US-Geheimdienste hatten in einem von Israel zurückgewiesenen Bericht festgestellt, dass der Iran seine Versuche, eine Atombombe zu bauen, 2003 gestoppt habe. (APA/red)

20.6.2008 22:38