Montag, 16. Juni 2008

Tisch-Fußball entlang der U2: NEWS über Gaumenfreuden rund um die Verlängerung

  • U-Bahn-Ticket kaufen, umsteigen, genießen!
  • NEWS: Christoph Wagner über Eisvogel & Co

Dass der jahrzehntelange Käsesommelier des Wiener Steirerecks, Herbert Schmid, seinen "Eisvogel" just ein paar Wochen vor Beginn der EURO losfliegen ließ, war eher ein Betriebsunfall als schlaues geschäftliches Kalkül. Denn für die vorbeiziehenden Fan-Horden ist am funkelnagelneuen Pratereingang eher das gegenüberliegende Pizza- und Snackparadies "Salamutschi" zuständig..

Schmid sieht seinen Eisvogel eher in der Nachfolge des 1805 gegründeten und 1945 abgebrannten gutbürgerlichen Lokals, zu dessen Stammgästen schon Volksschauspieler und Rostbraten-Namenspatron Alexander Girardi zählte. Auf der wunderschönen Eisvogelterrasse mit exklusivem Riesenradblick dürften sich auch tatsächlich die Besitzer der 1.200-Euro-Tickets für die Stadion-Ehrentribüne wohler fühlen als jene, die auf den Rängen im Happel-Rund Platz nehmen.

Für viele von ihnen ist der "Eisvogel", vor allem hinter seiner bewusst kulissenartig gehaltenen Fassade, zu elegant und - trotz "vernünftiger" Preisgestaltung (Hauptgerichte zwischen 14,50 und 22,50 Euro) - auch zu kostspielig.

Ein Hauch von Steirereck
Immerhin weht hier, nicht nur dank des Chefs, ein Hauch des Gourmettempels "Steirereck" durch Küche und Saal - oder eigentlich ist es kein Hauch, sondern fast schon ein veritabler Sturm. Am Herd stehen hier nämlich die beiden altgedienten Steirereck-Souschefs Anton Schrei und Walter Schulz, die über mehr als ein Jahrzehnt (gemeinsam mit Helmut Österreicher) vier Hauben erkochten. Und auch ansonsten glaubt man die meisten Gesichter vom Stadtpark her gut zu kennen (und liegt meist richtig damit).

Der Stil der Küche orientiert sich allerdings weniger an Reitbauer als vielmehr am guten alten Eckel in Sievering. Man kocht weniger elaboriert, verzichtet auf wirklich teure Produkte wie Fische aus Wildfang, kommt aber dafür dem "bürgerlichen" Wiener Gaumen auf jede nur erdenkliche Weise mit Gerichten wie Kalbsbeuscherl, Haxerlsuppe, Kaisergulasch, Wurzelwaller, Paprikahenderl und Rindsroulade entgegen. Die Weinkarte spielt alle heimischen Stückeln und auch manche (wohlkalkulierte) aus Bordeaux, Burgund und Italien. Schade nur, dass man Hans Pitnauers Zweigelt "Bienenfresser" nicht darauf findet. Denn das ist nichts anderes als ein Zweitname für "Eisvogel".

Bahn der guten Küchengeister
Doch die neue U2 führt nicht nur zum neuen "Eisvogel", sondern erschließt dem Gourmet dank der Haltestelle Taborstraße auch das multikulturelle Gastroparadies rund um den Karmelitermarkt in wenigen Gehminuten. Da erinnert man sich plötzlich wieder an zwei veritable Gourmetlokale - nämlich an Frank Grubers exzellentes "Vincent" und an das sympathisch-erfrischende "Tempel" von Rudolf Warzwiesinger, die zuletzt beide ein wenig unter ihrer Lage im City-Abseits litten.

Mitten am Karmelitermarkt selbst trifft man im "Madiani" auf ein authentisch-wohlschmeckendes Stück Georgien. In Wolfgang Salomons gemütlicher "Spezerei" wird inmittten einer Delikatessenhandlung im französischen Bistro-Stil gekocht, in Margot Fischers "Contor" findet man u. a. feine Tapas. Die großartige Lucia Schuppich hält in der Rotensterngasse das Banner der Alttriestiner und Vratislav Krivák jenes der altböhmischen Küche hoch. Noch junge, aber dafür schon recht traditionsreiche "Edelbeiseln" trifft man bei "Skopic & Lohn" an und in der "Schönen Perle". Und bei "Simchas" kann man sich - selten genug in dieser Stadt - in die Geheimnisse der koscheren Küche einführen lassen.

Bild (v.o.): Alt-Wien im Eisvogel: Patron Herbert Schmid war früher Käsesommelier im "Steirereck", jetzt erschließt er mit dem
"Eisvogel" den Prater kulinarisch. Essen wie in Triest : Lucia Schuppich serviert in ihrem Lokal Küche, wie sie schon vor hundert Jahren in Triest für Begeisterungsstürme sorgte.
Am Nordpol, 1022 Wien, Riesenradplatz 5

Lesen Sie die gesamte Geschichte im NEWS 24/08!

16.6.2008 09:10