Donnerstag, 19. Juni 2008

Geburt eines Bier-Giganten: InBev bietet 30 Mrd. Euro für Konkurrent Anheuser-Busch

  • Belgischer Brauriese will US-Konzern übernehmen
  • Anheuser-Busch ist mit Budweiser US-Markführer

Bei den internationalen Brauereikonzernen kündigt sich eine neue Mega-Hochzeit an. Die Gruppe InBev ("Stella Artois", "Beck's") hat dem US-Marktführer Anheuser-Busch ("Bud") ein Übernahmeangebot gemacht. InBev - 2004 aus der belgischen Interbrew und der brasilianischen Ambev entstanden - will demnach gut 46 Mrd. Dollar (rund 30 Milliarden Euro) für den US-Konkurrenten bieten.

InBev mit einem Brauvolumen von gut 270 Mio. Hektolitern bezeichnet sich selbst als Weltmarktführer, gemessen am Bierausstoß. Mit der Nummer zwei, SABMiller, gibt es seit langem ein Kopf-an-Kopf-Rennen. Anheuser-Busch kam im vergangenen Jahr auf knapp 190 Millionen Hektoliter.

Starke Marken
InBev entstand 2004 aus dem Zusammenschluss der belgischen Interbrew und der brasilianischen AmBev. Zum Konzern gehören Marken wie Beck's, Stella Artois, Löwenbräu, Spaten, Diebels und Hasseröder. Anheuser-Busch, Ende des 19. Jahrhunderts von zwei deutschen Auswanderern gegründet, steht vor allem für die in den USA führende Marke Budweiser. In Europa gehört der Markenname allerdings der tschechischen Brauerei Budweiser Budvar, die darüber nach ihren Angaben mit Anheuser-Busch in ständigem Rechtsstreit liegt.

InBev beschäftigt nach Unternehmensangaben 89.000 Menschen weltweit, die Mitarbeiterzahl bei Anheuser-Busch wird auf etwa 24.000 geschätzt. Der Nettoumsatz von InBev lag 2007 bei 14,4 Mrd. Euro. Anheuser-Busch kam auf umgerechnet rund 12 Mrd. Euro.

Der Anheuser-Busch-Konzern ließ zunächst offen, ob er auf das Angebot eingehen will. Der Vorstand werde das Offert "sorgfältig und in Zusammenhang mit allen relevanten Faktoren" prüfen, erklärte das Unternehmen. Das seit Wochen bekannte Interesse des belgisch-brasilianischen Konkurrenten ließ den Aktienkurs von Anheuser-Busch bereits kräftig steigen.

Nach US-Presseberichten ist der aus der Gründerfamilie stammende Unternehmenschef August Busch gegen die Übernahme, seine Familie besitzt aber nur etwa vier Prozent des Aktienkapitals.

Weltweite Einkaufstour
InBev geht schon seit Jahren weltweit auf Einkaufstour. Zu den in Deutschland erworbenen Marken gehören auch Franziskaner, Hasseröder und Diebels. Aus Belgien kamen vor allem Stella Artois und Leffe dazu, vom brasilianischen Partner Brahma.

Der Marktanteil der InBev-Biere liegt in den USA bei knapp 12 Prozent. In Ländern Osteuropas und Lateinamerikas hält die Gruppe Marktanteile von länderweise bis zu 90 Prozent. Anheuser-Busch versorgt fast 50 Prozent des US-Biermarkts.

Den Weltmarkt-Anteil der beiden Fusionskandidaten bezifferte der österreichische Brauereiverband basierend auf Daten aus Ende 2006 mit 13,1 Prozent (InBev) und 10,8 Prozent (Anheuser). Neuere Marktanteilszahlen nach den Ergebnissen 2007 sind noch nicht verfügbar.

Gerüchteküche brodelte seit Monaten
Marktgerüchte über eine Bierehe zwischen der Nummer eins und der Nummer drei am Weltmarkt für Bier zirkulieren bereits seit Monaten. Damit dreht sich das Fusionskarussell unter den Braugiganten wieder schneller. Auch der niederländische Heineken-Konzern - der erst vor fünf Jahren den österreichischen Brau-Union-Konzern übernommen hat - stemmt gemeinsam mit dem dänischen Rivalen Carlsberg in diesen Wochen den größten Zukauf in der Unternehmensgeschichte: Zusammen mit den Dänen übernehmen die Holländer für mehr als 10 Mrd. Euro den britischen Wettbewerber Scottish & Newcastle (S&N).

Carlsberg und Heineken werden S&N dann "zerlegen": Die Dänen übernehmen unter anderem die 50-prozentige S&N-Beteiligung an der russischen Baltic Beverages Holding (BBH). Sie bekommen nach bisherigen Plänen auch die S&N-Aktivitäten in Frankreich, Griechenland, China und Vietnam. Heineken wird u.a. die S&N-Sparten in Großbritannien und anderen europäischen Ländern sowie in den USA und in Indien bekommen. An Zusammenlegungen der Carlsberg- und Heineken-Operationen ist nicht gedacht, darf aus Kartellgründen gar nicht angedacht werden. In Russland wird mit Carlsberg aus dem 50-Prozent-Eigentümer der Großbrauerei Baltika ein 100-Prozent-Eigentümer. Kooperieren oder gar absprechen wird und darf man dort nicht: Man wird vielmehr weiter gegeneinander "anfahren": Heineken mit seinen 15 Millionen Hektoliter in Russland gegen Carlsbergs Baltika mit 45 Millionen hl.

Heineken als Nummer vier am Weltmarkt hat 2007 den Umsatz um 5,5 Prozent auf 12,6 Mrd. Euro gesteigert.

(apa/red)

19.6.2008 09:15