Dienstag, 10. Juni 2008

30.000 Dollar an Elsner? Flöttl will Ex- BAWAG-Chef ein Honorar überwiesen haben

  • Elsner dementiert: Kein Geld auf Privatbank-Konto
  • Richterin versichert: "Wir werden uns das anschauen"

Der 106. Verhandlungstag im BAWAG-Prozess brachte Wirbel um ein Konto in der Schweiz, das möglicherweise Helmut Elsner gehört. Der mitangeklagte Spekulant Wolfgang Flöttl legte wieder einmal Dokumente vor, die Elsner belasten könnten: Flöttl zahlte im April 1993 auf ein Konto bei einer Schweizer Privatbank 30.000 Dollar, laut Flöttl ein Honorar für Elsners Verwaltungsratstätigkeit bei der Morissa, einer Flöttl-Firma im Zusammenhang mit den Karibik-1-Geschäften. Elsner dementierte, er habe kein Honorar von der Morissa erhalten und verfüge auch nicht über dieses Konto.

Das Gericht will nun der Sache nachgehen und wird - mit Elsners Zustimmung - dieses Konto und Elsners Beziehungen zu einer Schweizer Vermögensverwaltungsgesellschaft untersuchen. Burgauer, Huser, Aman und Partner, ein Vermögensverwalter für Privatkunden, hatte das ominöse Konto bei der Schweizer Privatbank Lombard Odier unter dem Kennwort "Houston" eingerichtet. Elsner bestritt entschieden, mit diesem Konto irgendetwas zu tun zu haben. Sollte auf dem Konto doch Vermögen von Elsner sein, wäre dies für diverse Abschöpfungsaufträge - etwa Gerichtskosten - relevant. Elsners Privatstiftung Gambit ist gesperrt.

Flöttls Konten ungeöffnet
Hingegen bleiben Flöttls Konten ungeöffnet. Das Schöffengericht lehnte den Antrag der Verteidigung Elsners auf Öffnung der Konten des Spekulanten ab. Dies empörte wiederum Elsner, der darin eine Ungleichbehandlung sieht, da alle seine Konten geöffnet wurden. Auch die Bilanzen von Flöttls Firmen müssen nicht beigeschafft werden, weil aus den Bilanzen nicht viel zu sehen sei, außerdem seien sie nicht vorhanden, meinte die Vorsitzende Richterin des Schöffengerichts, Claudia Bandion-Ortner. Anträge auf Zeugenladung von Flöttls früheren Mitarbeitern wurden ebenfalls abgelehnt.

Keppert am Wort
Am Nachmittag kam wieder Gutachter Thomas Keppert zu Wort, um letzte Fragen der Verteidigung zu beantworten. Besonders die Anwälte von Wirtschaftsprüfer Robert Reiter versuchten, den Sachverständigen in die Zange zu nehmen, um den Anklagepunkt Bilanzfälschung zu erschüttern.

Auseinandersetzung Weninger und Elsner
Zwischen dem mitangeklagten Ex-BAWAG-Aufsichtsratspräsidenten Günter Weninger und Elsner kam es zu einer längeren Auseinandersetzung. Als die Abschiedsrede von Weninger zu Elsners Pensionierung vorgelesen wurde, erhob Weninger Vorwürfe gegen Elsner: Dieser habe ihn getäuscht und über die Geschäfte mit Flöttl nicht die Wahrheit gesagt. "Ich bin angelogen worden über die Verluste, ich bin angelogen worden, dass Flöttl noch 1999 Kredite gegeben wurden, dass Flöttls Vermögen zur Abdeckung der Verluste ausreicht", beschwerte sich Weninger. Elsner wies die Anschuldigungen zurück, der damalige ÖGB-Chef Fritz Verzetnitsch und Weninger hätten ihn sogar ersucht, noch zwei Jahre länger an der BAWAG-Spitze zu stehen, aber er habe dies abgelehnt.

(apa/red)

10.6.2008 17:48