16.6.2008 11:32

"Müssen die Hosen sicher nicht voll haben":
"Hicke" gibt dem Team 40-Prozent-Chance

  • Keine "Bild"-Artikel als zusätzliche Motivationsspritze
  • "Mannschaft ist gut in Form, und ich bin optimistisch"

Für Österreichs Fußball-Teamchef Josef Hickersberger gilt es, die große Chance im entscheidenden EM-Gruppenspiel Österreichs gegen Deutschland heute am Schopf zu packen. Die Gelegenheit sei günstig, der scheinbar übermächtige Gegner durchaus schlagbar.

Hickersberger zog zu Beginn der Pressekonferenz im Medienzentrum des Happel-Stadions eine historische Parallele. Wenn auch nicht die erwartete. "Wir haben 1989, wenige Tage nach dem Fall der Mauer, hier im Happel-Stadion das entscheidende Spiel in der WM-Qualifikation gehabt und dieses natürlich auch klar mit 3:0 gewonnen. Damals waren Spieler wie Kirsten, Thom, Doll oder Sammer dabei. Morgen sind es auch Spieler mit klingenden Namen: Ballack, Klose, Podolski. Wir freuen uns auf dieses Spiel."

Der 60-Jährige gab sich hörbar selbstbewusst. "Wenn die Deutschen so spielen wie gegen Kroatien, dann bin ich ziemlich sicher, dass wir das Spiel auch gewinnen können."

"Die Chance lebt"
Dass Martin Harniks "Hosenscheißer"-Sager "vorlaut" gewesen sei, bestätigte Hickersberger, drehte den Spieß aber sogleich um. "Wir müssen die Hosen sicher nicht voll haben. So gut waren die Deutschen gegen Kroatien nicht. Noch ist Deutschland nicht in der Form von der WM 2006. Wenn sie so spielen wie damals gegen Argentinien, werden wir wohl gratulieren müssen", befand der 60-Jährige, der eine Siegchance in der Höhe von "40 Prozent" ortete. "Die Chance lebt. Und wenn mir jemand vor einem Jahr gesagt hätte, hätte ich diese Chance dankend angenommen."

Auf die historische Dimension eine möglichen Sieges angesprochen, erklärte Österreichs Kapitän Andreas Ivanschitz: "Wie gut ich einschlafe, werde ich erst sehen. Das ist schon ein besonderes Spiel. Wir haben eine einmalige Chance, aber es wird sehr schwer. Wir sind klarer Außenseiter. Die Mannschaft ist gut in Form, und ich bin optimistisch, dass uns das morgen gelingen wird."

Offensive Deutsche erwartet
Hickersberger meinte, es könne durchaus sein, dass es Umstellungen in der Mannschaft gebe. Aber: "Im Grunde genommen können wir so beginnen wie gegen Polen. Da war die Leistung in den ersten 30 Minuten sehr, sehr gut. Wir waren dem Sieg sehr nahe." Hickersberger erwartet eine offensiv ausgerichtete deutsche Elf. "Ich kenne die deutsche Mentalität. Sie müssen sich für die Niederlage gegen Kroatien rehabilitieren. Daher werden sie so schnell wie möglich die Entscheidung suchen."

Auf Psycho-Tricks, die den deutschen Medien-Boulevard involvieren, will "Hicke" verzichten: "Natürlich hätte ich einen Ausschnitt aus der Bild-Zeitung aufhängen können. Aber das ist so blöd, das würden meine Spieler gar nicht ernst nehmen." Der gesamte heimische Kader sei fit, nur ein Spieler "angeschlagen". Hickersberger präzisierte: "Sebastian Prödl ist seelisch angeschlagen. Weil er zwei Gelbe Karten kassiert hat und gegen Deutschland gesperrt ist."
(apa/red)

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16.6.2008 11:32
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