Die "Squadra Azzurra" leckt ihre Wunden: Zweckoptimismus im Lager der Italiener
- Stürmer Del Piero: "Wir können viel besser spielen"
- Coach Donadoni richtet Blick bereits auf Rumänien

Die 0:3-Schlappe in ihrem EM-Auftaktspiel gegen die Niederlande traf die Squadra Azzurra wie ein Keulenschlag. Bei allem Respekt für den Gegner hatte sich der regierende Weltmeister nach einer guten und - sieht man von dem Missgeschick des Abwehrchefs Fabio Cannavaro im Training ab - problemlosen Vorbereitungswoche gute Chancen ausgerechnet, in der "Hammer-Gruppe" mit einem Sieg in das Turnier zu starten.
Wie weit der Kapitän der Elf gegen eine starke niederländische Mannschaft, die keinen schwachen Punkt aufwies, gefehlt hat, lässt sich nur vermuten, drei Tore kassiert ein italienisches Nationalteam aber äußerst selten. Mit dem 1:0 von Ruud van Nistelrooy begann in der 26. Minute das Verhängnis für die Italiener. Und zwei schnelle Konter nach einem Corner für die Squadra bzw. einem Pirlo-Freistoß, den Van der Sar glänzend parierte, vollendeten in der 31. bzw 79. Minute durch Wesley Sneijder, dem Mann des Spiels, und van Bronckhorst das k.o. der favorisierten Italiener.
"Wir stellten uns dabei zu naiv an, kamen nicht schnell genug zurück, waren nicht aufmerksam, machten einfach auch zu viele Fehler", analysierte Roberto Donadoni. Das erste Tor, das aus vermeintlicher Abseitsstellung des Schützen gefallen war (Panucci lag hinter der Tor-Outlinie, hob damit aber laut Regel das Offside auf), wollte der Commissario Tecnico nicht weiter kommentieren, "die Entscheidung des Schiedsrichters war gegen uns, das muss man so akzeptieren". Es wäre aber Zeit genug gewesen, auf diesen Treffer zu reagieren.
"Können viel besser spielen"
Das hätte seine Mannschaft dann nach Seitenwechsel auch versucht, etliche Chancen herausgearbeitet, aber ihre Möglichkeiten durch (Anm. den schwachen) Luca Toni, Zambrotta sowie die eingewechselten Grosso und Del Piero ("Wir können viel besser spielen und das wieder gut machen") nicht genützt. "Die Reaktion nach der Pause war positiv, nur das Resultat hat nicht gestimmt", klagte der recht gefasst wirkende Donadoni, der die Dominanz in der zweiten Hälfte als Beleg dafür nimmt, dass seine Schützlinge konditionell auf der Höhe waren. Auch die vielen Dreißigjährigen im Blauen Trikot (insgesamt zehn plus Ersatzkapitän Buffon spielten) wären kein Problem. "Sie haben genug Energie, für mich wäre es hart", so der knapp 45-Jährige.
Nun gelte es, das Spiel so schnell wie möglich abzuhaken (soweit die italienischen Medien und die Öffentlichkeit dabei mitspielen), die Fehler auszumerzen, den Fokus sofort auf den nächsten Gegner richten, die Vorbereitung für das Schlüsselspiel gegen die Rumänen intensiv in Angriff nehmen. Dass Frankreich und Rumänien im anderen Gruppenspiel 0:0 gespielt hatten, sei wenigstens positiv, aber auch ein Beweis für die Stärke von Mutu und Co.
"Ich bin optimistisch, dass wir den Aufstieg noch schaffen können, ich vertraue meinen Burschen, dass sie eine Reaktion zeigen, sonst brauchen wir gar nicht nach Zürich fahren, sondern gleich in den Urlaub", betonte Donadoni, der aufkommende Kritik über die Aufstellung mit den Worten "in dieser oder ähnlicher Formation haben wir schon öfter und erfolgreich gespielt", zurückwies.
"Wir sind sehr traurig über das 0:3 und dass wir auch unsere Fans enttäuscht haben", gab der Teamchef aber zu. Die Tifosi waren unter den 30.777 Zuschauern gegenüber den Niederländern (das Orange dominierte fast alle Ränge) zwar klar in Unterzahl, aber doch auch zahlreich erschienen. Entsprechend enttäuscht und still schlichen sie vom Ort der ersten Niederlage der Squadra gegen die Oranjes seit dem 1:2 in Argentinien vor 30 Jahren gegen die damalige Happel-Elf. Die gegnerischen Schlachtenbummler feierten hingegen den Triumph über den Weltmeister innerhalb und außerhalb der Arena enthusiastisch, lautstark und lang.
(apa/red)
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