16.6.2008 07:30

Österreich-Spiel ist "wie ein Achtelfinale":
DFB-Mittelfeldstar Ballack rechnet mit Sieg

  • Ballack: 'Österreicher haben nichts mehr zu verlieren'
  • Alle deutschen Spieler hätten noch viel Luft nach oben

Deutschlands Teamkapitän führt die DFB-Auswahl im entscheidenden Gruppenspiel gegen Österreich zum 41. Mal als Spielleiter aufs Feld. Vor der Abreise nach Wien stand der 31-jährige Mittelfeld-Regisseur den Medienvertretern in Tenero auf einer Pressekonferenz zur Verfügung und nahm dabei Stellung zur Kritik nach dem Kroatien-Spiel und erklärte, warum auf dem Platz auch mal harte Worte fallen müssen.

Herr Ballack, worin sehen Sie die größte Gefahr für das Spiel gegen Österreich am Montag?
Michael Ballack: "Die größte Gefahr ist die, dass man nun in einem einzigen Spiel alles verlieren und ausscheiden kann. Die Österreicher haben dagegen nichts mehr zu verlieren und uns dürfte deshalb in Wien
ein heißer Tanz erwarten. Natürlich wäre es schöner gewesen, wir wären bereits nach dem Kroatien-Spiel für das Viertelfinale qualifiziert gewesen. Ich bin mir aber sicher, dass wir an die guten Leistungen, die wir in der jüngeren Vergangenheit und auch gegen Polen gezeigt haben, anknüpfen werden."

Welche Worte hat der Trainer nach dem Kroatien-Spiel gefunden?
"Nach einer Niederlage ist jeder etwas angespannter. Da kann es dann auch schon mal etwas lauter werden. Das ist normal und auch gut so. Denn durch den Druck, der dann entsteht, werden bei jedem Einzelnen noch einmal ein paar Prozent mehr rausgekitzelt."

Sollte man den Spielern, die gegen Kroatien auf dem Platz gestanden haben, eine neue Chance geben, sich zu rehabilitieren?
"Grundsätzlich entscheidet das der Bundestrainer. Aber selbstverständlich kann sich jeder Einzelne, der gegen Kroatien dabei war, ganz sicher noch steigern. Egal, wer morgen einlaufen wird, dessen Ehrgeiz wird groß sein."

Die Mannschaft hat sich nach dem Kroatien-Spiel zu einem Gespräch zusammen gefunden, ohne Trainer...
"Das ist richtig. Aber das war kein Krisengespräch, sondern sollte einfach jedem einmal die Chance geben, zu äußern, wie er die Situation sieht. Und ich glaube, dass es dem ein oder anderen ohne Trainer leichter fällt, frei zu sprechen."

Haben Sie als Mannschaftskapitän den Trainer über den Ausgang dieses Gesprächs unterrichtet?
"Was dort gesprochen wurde, sollte auch intern bleiben. Das richtet sich aber ganz sicher nicht gegen den Trainer."

Welche Erkenntnisse haben Sie selbst über Ihre eigene Leistung gewinnen können?
"Ich spüre jedenfalls keine Verkrampfung, wie manche Medien glauben. Dass man sich aber nach einer Niederlage Kritik gefallen lassen muss, das ist ein völlig normaler Vorgang. Und wir sind auch selbstkritisch genug zu wissen, dass wir noch viel Luft nach oben haben."

Der gute Teamgeist und die große Harmonie wurden immer wieder beschworen, wie steht es im Augenblick damit?
"Fußball ist nicht nur Harmonie. In einem Spiel wie gegen Kroatien wird auch in der Fußballersprache miteinander gesprochen. Sicher fallen dann auch mal harte Worte und nicht immer wird dabei der richtige Ton getroffen. Aber auch das ist völlig normal und ist so von der Kreisklasse bis hinauf zur Bundesliga. Und das muss auch so sein, wenn man etwas gewinnen will. Wir wissen, dass es bei einer EM eigentlich kein Achtelfinale gibt. Das Spiel gegen Österreich aber ist unser Achtelfinale."
(apa/red)

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16.6.2008 07:30
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