Scolari will Portugal endlich Titel schenken:
Neo-Chelsea-Coach auf Abschiedstournee
- Weltmeister von 2002 will den Europameister-Titel
- Brasilianer unterschrieb bei Chelsea für drei Jahre

·Chelsea holt sich Erfolgscoach Scolari
Portugals Teamchef tritt in Fußstapfen von Grant
·Portugals Nummer 7 schlägt erstmals zu
Cristiano Ronaldo trifft zum Sieg vs. Tschechien
·Ronaldo & Co ringen Tschechen nieder
BILDER: Portugal schafft Einzug ins Viertelfinale
Ein kurzes Statement des Chelsea FC hat in Portugal für große Aufregung gesorgt. Der englische Fußball-Vizemeister gab nach dem vorzeitigen Viertelfinaleinzug der Portugiesen bei der EURO 2008 bekannt, Teamchef Luiz Felipe Scolari ab 1. Juli unter Vertrag genommen zu haben. Beim Abendessen nach dem 3:1 gegen Tschechien unterrichtete der 59-jährige Brasilianer auch die Mannschaft von seinen Plänen.
Scolari hatte bereits in den vergangenen Wochen als Favorit für die Nachfolge des Israeli Avram Grant als Chelsea-Trainer gegolten. Im portugiesischen Lager waren diesbezügliche Fragen aber stets abgeblockt worden. Bis Ende des Turniers wollen sich nun weder Scolari noch sein neuer Arbeitgeber zum Engagement äußern. "Um eine möglichst geringe Störung seiner Arbeit zu garantieren", wie Chelsea in seinem Statement betonte.
Der Teamchef soll laut portugiesischen Medienangaben einen mit sechs Millionen Euro jährlich dotierten Dreijahres-Vertrag unterschrieben haben. Laut der Zeitung "A Bola" habe Scolari der vorzeitigen Bekanntgabe lediglich für den Fall zugestimmt, dass Portugal die Gruppenphase bereits überstanden hat. Chelsea, der erste europäische Club, den Scolari betreut, hatte darauf gedrängt, möglichst bald an die Öffentlichkeit zu gehen.
"Wir sind uns sicher, dass sich das ganze Team genauso oder sogar noch mehr unseren Zielen bei der EURO verschreibt", erklärte der portugiesische Verband. Scolari hatte Portugal seit 2003 betreut. 2004 führte er die "Seleccao" im eigenen Land ins EM-Finale, zwei Jahre später ins WM-Halbfinale. "Diesmal wollen wir mehr", erklärte der Brasilianer, der mit seinem Heimatland 2002 bereits Weltmeister war. Auch Portugal sehnt den ersten Titel herbei.
Die Spieler nahmen die Entscheidung betont gelassen zur Kenntnis, applaudierten dem Coach nach dessen Erklärung im Quartier in Neuchatel. "Er muss auch an seine Zukunft denken. Wenn er bessere Bedingungen für sich und seine Familie vorfindet, respektiere ich seine Entscheidung. Das ist einfach Fußball", erklärte Cristiano Ronaldo, der sich selbst in einem Transfer-Tauziehen zwischen Manchester United und Real Madrid befindet.
Scolari ist bereits der dritte Chelsea-Trainer innerhalb eines Jahres, nachdem der Portugiese Jose Mourinho im September durch Grant ersetzt worden war. Selbst die portugiesischen Medien gingen sehr sachlich mit dem Thema um, bezichtigten "Felipao" am Donnerstag keineswegs des Verrats. Zu sehr übertünchen die eindrucksvollen Leistungen des Nationalteams derzeit die Personaldebatte. Zu groß ist die Hoffnung auf den ersten großen Titel.
(apa/red)
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