Hohe Preise, kein Umsatz, Planungsfehler:
Fanzonen-Standler drohen schon mit Streik
- Knausrige Fans verzichten auf Bier um 4,50 Euro
- "Es ist eine Katastrophe, eine bodenlose Frechheit"

Die Fanzonen und -meilen in Wien, Klagenfurt, Salzburg und Innsbruck bleiben weit hinter den (Umsatz-)erwartungen zurück: In Wien drohen die Standbetreiber auf der Ringstraße bereits mit Streik - niedrige Umsätze bei hohen Preisen sowohl fürs Bier als auch für die Standmiete sind Schuld daran. In Klagenfurt waren beim Spiel Griechenland gegen Schweden nicht einmal 100 Besucher in der Fanzone am Messegelände anzutreffen. Auch in Innsbruck regt sich Protest. Einzig die Fanzonen Salzburg und Kaiserwiese bilanzieren bislang positiv.
Nach Angaben befragter Wirte liegen die Umsatzerwartungen in manchen Bereichen der Fanzone auf der Wiener Ringstraße etwa 90 Prozent hinter den Erwartungen zurück. Vor allem der Stadt Wien werden Vorwürfe gemacht. Die enttäuschten Standler drohen deshalb sogar mit Streik und haben teils bereits ihre Anwälte eingeschaltet.
Wien: "Katastrophe, Frechheit"
"Es ist eine Katastrophe, eine bodenlose Frechheit", ärgert sich Georg Schmidmayer, Gastronom auf der Ringstraße. Es fehle am Ring vollkommen an Leben, was nicht zuletzt daran liege, dass eine versprochene Leinwand nicht aufgestellt worden sei. Und schnelle Lösungen würden blockiert: "Das ist so was von schlecht geplant vonseiten der Stadt Wien."
Man müsse mindestens 1.400 Getränke täglich verkaufen, um positiv zu bilanzieren. Und zu diesem Soll würden ihm 90 Prozent fehlen. So habe sein Stand an manchen Vormittagen nur fünf Getränke verkauft. "Es ist ein Debakel", so Schmidmayer. Als Konsequenz denke man nun sogar über einen Streik nach: "Wir lassen uns sicher nicht verschaukeln, denn wir sind alles erfahrene Gastronomen."
Besonders hart trifft es die Standler in der Grillparzerstraße nahe der Universität, die im toten Winkel der Fanzone liegen. Sie haben mittlerweile ihre Anwälte wegen Vertragsbruch vonseiten der Veranstalter eingeschaltet. So seien ihre Stände weder auf dem offiziellen Plan der Fanzone eingezeichnet, noch würden die Besucher in ihr Gebiet umgeleitet. Selbst die Security wisse nichts von der Grillparzerstraße, haben die Standler im Selbstversuch herausgefunden. Wegweiser habe man selbst drucken lassen.
Er mache derzeit 4.000 Euro Minus am Tag, klagte Standler Ilija Simunovic, weshalb er 13 seiner 18 Mitarbeiter bereits entlassen musste: "Wir bekommen nicht einmal den Funken einer Chance, zu überleben." Bisher habe er keine hundert Getränke am Tag verkauft. Die Standmiete auf der Fanzone beträgt jedoch zwischen 12.000 Euro für die Gastrostände bis hin zu 40.000 Euro für Getränkestände in guter Lage.
Anders als auf der Fanzone in der Wiener Innenstadt scheinen die Gastronomiebetreiber auf der Kaiserwiese im Prater mit ihren bisherigen Umsätzen zufrieden zu sein: "Es gab diesbezüglich keinerlei Beschwerden", sagte Barbara Globotschnig vom Veranstalter Ip-Media. Der 6.000 Menschen fassende Public Viewing Bereich nahe dem Riesenrad beherbergt insgesamt neun Gastro-Stände, die neben Bier und Softdrinks auch kleine Imbisse anbieten. Auch die Preise sind auf der Kaiserwiese niedriger: Das Krügerl Bier aus Ottakring gibt es um 4 Euro, während auf der Fanmeile 4,50 Euro für 0,5 Liter des offiziellen UEFA-Sponsors bezahlt werden müssen. Bei den Antialkoholika hält man sich jedoch die Waage: Ein halber Liter Cola kostet an beiden Veranstaltungsorten 3,50 Euro.
Für die Ringstraße hat Fanzonen-Gastrochef Christian Chytil bereits Gegenmaßnahmen gesetzt: Die sechs bis sieben Standler, die relativ weit von den großen Video-Walls entfernt sind, bekommen eigene LED-Screens samt Beschallungsanlage. Weiters wird im Bereich Grillparzerstraße ein neuer Eingang geöffnet. Was nicht kommen wird, so betonte er, ist eine Reduktion der Standmieten. Auch die geplanten "Happy Hour"-Preisreduktionen von 9 bis 14 Uhr fanden bei den Wirten keinen Anklang.
Klagenfurt: Fanzone sperrt zu
In Klagenfurt wurden für die EURO 2008 zwei Fanzonen am Neuen Platz bzw. am Messegelände errichtet. Eine ist mittlerweile schon geschlossen. Die für 25.000 Fans konzipierte Fanzone am Messegelände blieb weit hinter den Erwartungen zurück: Beim Spiel Griechenland gegen Schweden versammelten sich nicht einmal 100 Besucher vor der Videowall. Fünf Polizisten und fünfzehn Sanitäter konnten sich voll und ganz dem Spiel widmen. Die Stadt Klagenfurt sah sich in der Folge zum Handeln gezwungen: Bürgermeister Harald Scheucher erklärte, die Standgebühren für die Wirte in Fanzonen und -meilen würden halbiert. Das betrifft aber nur jene Wirte, die Stände von der Stadt angemietet haben. "Damit können wir irgendwie überleben", meinte eine Standbetreiberin in der Fanmeile. Scheucher meinte weiter, das Gastronomie-Konzept für die EURO gehöre optimiert - wie ließ er jedoch offen.
Salzburg: Alles eitel Wonne
Ganz im Gegenteil zu Wien und Klagenfurt sind die Salzburger Wirte mit dem bisherigen Geschäftsverlauf während der EM durchwegs zufrieden, wie der Generalkonzessionär der 24 Stände in der Fanzone, Josef Voithofer, erklärte. An den ersten beiden Tagen flossen 25.000 Liter Bier und die gleiche Menge an Soft Drinks.
Es sei von Anfang an klar gewesen, dass nicht schon am ersten Tag das Mega-Geschäft zu erwarten sei, die Betreiber würden sich aber fast durch die Bank zufrieden äußern, so Voithofer. Auch die anfangs verwaiste und triste Situation am Kapitelplatz scheint sich mittlerweile erholt zu haben. Die Standmiete in Salzburg beläuft sich übrigens einheitlich auf 6.500 Euro.
Innsbruck: Von "top" bis "Katastrophe"
In Innsbruck reicht die Meinung der Gastronomen von "top" am Landhausplatz bis hin zu "Katastrophe" in der Maria-Theresien-Straße. Während am rund 5.500 Besucher fassenden Landhausplatz das "tolle Rahmenprogramm" und die Videowall für die Spiel-Liveübertragung für guten Umsatz sorge, mussten Standbesitzer in der Fanmeile Mitarbeiter entlassen.
"Die Erwartungen werden bei weitem nicht getroffen", sagte ein WM-erprobter Standlangestellter in der Innsbrucker Prachtstraße. Der Aufbau sei eine Katastrophe, hier fehle die "versprochene" Videowall zur Match-Übertragung. Aus zwei Meter Entfernung könne man von den Plasmabildschirmen nichts mehr erkennen. Außerdem gebe es ein Überangebot an Ständen, die alle dasselbe anbieten. Themenecken wie bei der Weltmeisterschaft in Deutschland 2006 wären eine Alternative. "Am Sonntag habe ich für einen Stundenlohn von 1,50 Euro gearbeitet. Ich denke nicht, dass die Investitionen gedeckt werden können", schilderte der Angestellte.
Wirtschaftskammer macht Standlern Mut
Die Wirtschaftskammer Österreich zeigt sich optimistisch. "Ich bin mir sicher, dass die Fanzone voll sein wird, wenn Österreich das nächste Mal spielt", sagte der Geschäftsführer des Fachverbandes Werbung in der WKÖ, Markus Deutsch.
Dass die Ergebnisse der ersten Tage hinter den Erwartungen geblieben sind, führt Deutsch auf das schlechte Wetter zurück. "Es ist klar, dass bei strömenden Regen weniger Bier getrunken wird, als wenn es 30 Grad hat", sagte Deutsch. Die Gäste werden aber noch in die Fanzone strömen, ist der Fachmann überzeugt. Das Spiel Österreich gegen Polen werde "sicher ein Schlager". Neben den Schlachtenbummlern werden auch Touristen, die im Juni nach Österreich kommen, in den Fanzonen anzutreffen sein, sagte Deutsch.
(apa/red)
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