Freitag, 13. Juni 2008

Heer zum Schutz der Deponien in Neapel:
Wiederholt Proteste gegen die Müllhalden

  • Errichtung einer Müllverbrennungsanlage in Acerra
  • Hohe Tumorrate unweit einer Müllhalde nahe Neapel

Der Ministerrat in Rom hat ein Dekret zur Bewältigung der Mistkrise in Neapel verabschiedet. Dem Maßnahmenpaket zufolge sollen Deponien in der süditalienischen Region Kampanien unter militärischen Schutz gestellt werden. In den vergangenen Wochen war es wiederholt zu gewaltsamen Protesten gegen die geplante Eröffnung von Müllhalden gekommen.

Die Regierung verpflichtete sich außerdem, eine Müllverbrennungsanlage in Acerra nördlich von Neapel zu errichten. Die Maßnahmen waren schon zum Großteil in den vergangenen Tagen angekündigt worden.

Hohe Tumorrate unweit einer Deponie
Für Aufsehen sorgte inzwischen eine Studie, aus der hervorgeht, dass mindestens 60 Menschen, die unweit der Mülldeponie von Pianura bei Neapel wohnen, an Hodgkin-Lymphom erkrankt sind. Laut den Experten, von der Staatsanwältin Stefania Buda nach Anzeigen der Bürger von Pianura mit der Untersuchung beauftragt, könnten die Krankheiten mit den Giften zusammenhängen, die Jahre lang in der Deponie entsorgt wurden.

Von Dioxin vergiftete Schafe, an Tumor erkrankte Landwirte und vergiftetes Wasser stehen im Mittelpunkt mehrerer Untersuchungen über die dramatische Lage in einer der schönsten Regionen Italiens, die zu einer Müllhalde unter freiem Himmel verkommen ist. 1.200 illegale Deponien mit giftigen Stoffen befinden sich in der Region Kampanien, in der die Politik eng mit der Camorra, dem neapolitanischen Arm der Mafia, verstrickt ist.

(apa/red)

13.6.2008 14:47