Dienstag, 8. Juli 2008

Auch Schweiz plant nun Atomkraftwerk: Erhitzte Reaktionen in Vorarlberg und Wien

  • Restrisiken sind für Sausgruber nicht verantwortbar
  • Schweizer Regierung setzt dennoch auf Atomenergie

Die Pläne für ein neues Atomkraftwerk in der Schweiz erregen nicht nur die einheimischen Gemüter, sondern erbosen auch die Nachbarn in Süddeutschland und in Österreich. Der Vorarlberger Landeshauptmann Herbert Sausgruber kritisierte das Vorhaben des Stromkonzerns Atel offiziell, schrieb der Zürcher "Tagesanzeiger".

Bei Gösgen im Kanton Solothurn soll der neue Meiler entstehen, neben dem bestehenden Reaktor und nur rund 20 Kilometer Luftlinie von der deutschen Grenze entfernt. Während sich der Widerstand in Baden-Württemberg formiert, ist die Position Vorarlbergs seit Jahren bekannt. "Wir lehnen diese Pläne aus Sorge um unseren Lebensraum ab", erklärte Sausgruber auf Anfrage des "Tagesanzeigers". Für den ÖVP-Politiker seien die mit der Atomenergie verbundenen Restrisiken nicht verantwortbar. Anders die Schweizer Regierung: Sie befürwortet die Atomenergie.

Bundesregierung soll intervenieren
Sausgruber erklärte, dass er in Wien via Bundesregierung alles in seiner Macht stehende unternehmen werde, um die Schweiz von ihren Atomplänen abzubringen. Der Landeshauptmann machte auch darauf aufmerksam, dass die Frage der Endlagerung von Atommüll in der Schweiz noch nicht geklärt sei.

Bis das neue AKW steht, dürften noch einige Jahre vergehen - falls alle nötigen Bewilligungen erteilt und die Hürde Referendum überwunden wird. Die Allianz "Stopp Atom" von 28 Umweltverbänden und Parteien kündigte dieses nach der Einreichung des Gesuchs für eine Rahmenbewilligung durch den Stromkonzern Atel am Montag schon an. Dass die nötigen Unterschriften zustande kommen, wird nicht bezweifelt. Und damit rechnet auch Atel.

Der Energieversorger geht davon aus, dass das geplante Atomkraftwerk frühestens im Jahr 2025 Strom ans Netz liefern könnte. Miteinberechnet neben der Bauzeit von acht Jahren wurde auch die Vorbereitungszeit nach einer Volksabstimmung voraussichtlich in den Jahren 2012/2013.

(apa/red)

8.7.2008 22:13