Barack Obama Kandidat der Demokraten: Jetzt geht es ausschließlich gegen McCain
- 46-jähriger Senator aus Illinois will nach Washington
- Ein harter Kampf um das weiße Haus wird erwartet

·Clinton unterstützt nun Ex-Rivalen Obama
"Die Demokratische Partei ist eine Familie"
·Aussprache der beiden Kontrahenten
Clinton und Obama halten privates Treffen ab
·Vizepräsidenten-Amt
ist doch nix für Clinton
Ihr Wahlkampfteam übermittelte Entscheidung
·GRAFIK: Ergebnisse der Demokraten-Wahl
Barack Obama wird Präsidentschaftskandidat
·Clintons langer Nominierungs-Kampf
Hillary im erbitterten Duell mit Barack Obama
·Nach Sieg nun bereit zum Duell mit McCain
Harter Kampf um das weiße Haus wird erwartet
Es ist Barack Obamas Nacht der Nächte: Stolz, entspannt, triumphierend steht er da auf der Bühne der mächtigen Sportarena von St. Paul (US-Staat Minnesota), umbrandet vom Jubel von 20.000 Anhängern, aus den Lautsprechern dröhnt "It's a beautiful day" (Es ist ein schöner Tag) der Rockbank U2. Keine zwei Stunden zuvor hatten Fernsehsender den 46-Jährigen zum ersten schwarzen Präsidentschaftskandidaten in der Geschichte der USA erklärt, als die nötigen 2118 Delegiertenstimmen zusammen waren.
"Ein historischer Tag", konstatiert CNN-Moderator Wolf Blitzer immer wieder. "Das müssen wir erst einmal alles setzen lassen", meint ein anderer Journalisten-Veteran. "Eine historische Reise geht zuende, eine neue beginnt", fasst es Barack Obama selbst zusammen.
Der Ort seiner Siegesrede war mit Bedacht gewählt: Just in derselben Arena werden die Republikaner Anfang September zu ihrem Nominierungsparteitag zusammenkommen und offiziell John McCain (71) als Kandidaten auf den Schild heben. Schon zuvor hatten beide die Klingen gekreuzt, doch jetzt gab der Senator aus Illinois offiziell den Startschuss für den Wettlauf ums Weiße Haus, und die Unterschiede zwischen den Kontrahenten könnten kaum größer sein. Es wird das Duell alt gegen jung, schwarz gegen weiß, Kriegsheld gegen Ex-Sozialarbeiter, der niemals in der Armee war.
Kampf beginnt
Auch an diesem Abend feuerten Obama und McCain wieder Salven, der eine in Minnesota, der andere in Louisiana. Ein "beachtlicher Gegner" werde der Senator aus Illinois im Wahlkampf, räumte McCain ein. "Beeindruckt" habe er viele Amerikaner "durch seine Sprachgewalt und seinen schwungvollen Wahlkampf". Doch wolle Obama mit Diktatoren reden, und im Irak sei er auch lange nicht mehr gewesen. "Die Amerikaner sollten darüber besorgt sein", warnte McCain. Kommentatoren zeigten sich wenig beeindruckt von der Rede des langjährigen Senators aus Arizona: "Das war kläglich, und wie wenige Leute dort waren", spottete einer bei CNN.
Doch darf mit härtesten Bandagen im Kampf ums Weiße Haus gerechnet werden. Mitte Mai hatte Präsident George W. Bush mit der politischen Gepflogenheit gebrochen, nach der Innenpolitik bei Auslandsreisen nichts zu suchen hat, als er kaum verhüllt in Israel Obamas Dialogbereitschaft mit Ländern wie dem Iran oder Syrien attackierte. McCain selbst nannte Obama deswegen "unerfahren und naiv".
"Clinton-Maschinerie geschlagen"
Immer wieder rangen selbst Fernseh-Veteranen mit Worten, als sie die Bedeutung des Tages zu fassen suchten. "Da hat ein Senats-Frischling die Clinton-Maschinerie geschlagen", sagte NBC-Moderator Tim Russert. Doch verneigte sich der schwarze Senator demonstrativ vor seiner Rivalin. Der Wettstreit mit ihr habe ihn zu einem besseren Kandidaten gemacht, sagte er in St. Paul. "Senator Clinton hat mit ihrem Wahlkampf Geschichte geschrieben."
Und auch den Republikanern hielt er - trotz der erwarteten Härte der kommenden Monate - die Hand hin. "Wir nennen uns Demokraten und Republikaner", erklärte Obama, "aber zuerst sind wir Amerikaner." (apa/red)
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