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Montag, 16. Juni 2008

Akuter Mangel an Technikern: Heimische Wirtschaft sucht dringend nach Fachkräften

  • FORMAT: Ab 2010 pro Jahr 1.000 unbesetzte Stellen
  • Betriebe sind alarmiert und suchen nach Auswegen

An Bekanntheit und Prestige dürfte es dem deutschen Halbleiterhersteller Infineon wohl nicht mangeln. Dennoch hat der Konzern derzeit Probleme, in Österreich Mitarbeiter zu finden. 32 Stellen hat Infineon im ganzen Land zu vergeben. Besonders Testingenieure und Mixed Signal Designer, bevorzugt mit Uni-Abschluss und Berufserfahrung, aber auch Studienabbrecher, werden händeringend gesucht. "Wir sind ein attraktives Unternehmen, aber dass sich keine Techniker bewerben, hat wohl mit etwas anderem zu tun", glaubt Infineon-Vorstand Monika Kircher-Kohl, "denn wir haben immer öfter offene Positionen, die wir nicht besetzen können."

Wie Infineon ergeht es derzeit einer ganzen Reihe heimischer Industrieunternehmen, wie jetzt eine aktuelle Studie des Forschungsinstituts Karmasin im Auftrag des Automatisierungsunternehmens Festo belegt: Der österreichischen Industrie fehlt es an qualifizierten Technikern. Laut Untersuchung glauben 65 Prozent der zweihundert befragten Betriebe, dass Technikermangel sicher oder wahrscheinlich ein Problem für sie wird. 60 Prozent gaben an, dass ihnen schon jetzt bis zu zehn Mitarbeiter fehlen. Betroffen sind fast alle Industriesparten, die Nahrungsmittelindustrie genauso wie der gewerbliche Bereich.

Industrie fordert Gegenmaßnahmen
Angesichts dieses Trends fordern jetzt Industrievertreter Gegenmaßnahmen. Die Industriellenvereinigung (IV) etwa hat ein Aktionspapier mit konkreten Vorschlägen erarbeitet, und sogar Unternehmen selbst denken über Wege zu mehr Technikern nach. "Die Begeisterung für die Technik muss schon im Kindesalter geweckt werden", sagt Festo-Geschäftsführer Wolfgang Keiner.

Eine Studie des Instituts für Bildungsforschung der Wirtschaft (ibw) aus dem Vorjahr kommt sogar zu einem noch deutlicheren Ergebnis: Ab 2010 benötigt die Wirtschaft rund 5.300 Techniker pro Jahr - von den Universitäten und Fachhochschulen kommen allerdings nur 4.300 jährlich. Daraus ergibt sich eine Lücke von rund 1.000 Technikern. Vor allem Maschinenbauer, Elektrotechniker und Werkstoffwissenschaftler sind gefragt.

Gefahr für Europas Industrie
Die Europäische Union geht davon aus, dass zur Erreichung ihrer innovationspolitischen Ziele in den nächsten Jahren fast 40 Prozent mehr Forscher in Europa benötigt werden. Das bedeutet, dass die Zahl von derzeit 5,8 Forschern pro 1.000 Beschäftigte auf acht steigen müsste. "Wird nichts unternommen, so hat das Auswirkungen auf unseren Wirtschaftsstandort", warnt Infineon-Chefin Kircher-Kohl.

Verschiedene Ursachen
Die Gründe für den Technikermangel sind vielfältig. Experten meinen, dass bereits Kinder zu wenig für Technik begeistert würden. ibw-Experte Arthur Schneeberger: "Studien zeigen, dass Kinder, die bis zur Pubertät kein Interesse an Technik entwickeln, dies später auch nicht mehr tun." Die Ursache dahinter: Physik- und Mathematiklehrer arbeiten zu wenig mit experimentellen Versuchen - doch genau die würden Kinder neugierig machen.

Die Technik-Aversion steigert sich dann bei Jugendlichen sogar noch: Paradox ist vor allem, dass trotz bester Jobchancen die Zahl der Studierenden in den einschlägigen Studienrichtungen seit Mitte der 90er-Jahre nur leicht gestiegen ist. Laut ibw ist ein Maschinenbauer aber sechsmal weniger von Arbeitslosigkeit betroffen als ein Publizist. Überhaupt kommt ein Absolvent einer Technischen Universität auf 29.200 Euro Einstiegsgage (Jahresbruttogehalt) und liegt damit weit über Kollegen anderer Fachrichtungen: Ein Wirtschaftsabsolvent kann lediglich mit 28.700 Euro und ein Jurist gar nur mit 27.700 Euro Bruttojahresgage rechnen. Und auch nach drei bis fünf Berufsjahren verdient ein Techniker noch immer besser als ein Marketingmanager oder ein Rechtswissenschaftler. Arthur Schneeberger: "An der Schnittstelle von Matura und Universitätseintritt müsste es Vorbereitungsklassen geben, die auf das Studium vorbereiten. Dann würde sich auch die hohe Zahl der Studienabbrecher reduzieren."

Frauen unterrepräsentiert
Auffallend ist auch, dass Frauen in technisch-naturwissenschaftlichen Berufen unterrepräsentiert sind. Bereits die Zahlen an den Hochschulen sprechen Bände: Fünf Prozent der Elektrotechnik-studenten sind weiblich, bei Maschinenbau sind es drei Prozent. "Wir haben es mit alten Klischees zu tun", glaubt Kircher-Kohl, "und um diese zu durchbrechen, brauchen Mädchen erfolgreiche Vorbilder in der Technik."

Die ganze Geschichte lesen Sie im Format 21/08!

16.6.2008 16:40
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