Dienstag, 27. Mai 2008

Wenn Wiesen blühen und die Pollen fliegen:
Millionen-Geschäft mit den leidigen Allergien

  • FORMAT: Immer mehr Österreicher sind betroffen
  • Pharmaindustrie & Lebensmittelhandel cashen ab

Immer mehr Österreicher leiden unter Allergien und ähnlichen Krankheiten. Pharmaindustrie, Apotheken und Lebensmittelhandel teilen sich das Millionenbusiness.

Rund 25 Prozent der Österreicher, also zwei Millionen, sind von Allergien und ähnlichen Leiden betroffen. Am häufigsten stehen die heimischen Bürger mit Gräserpollen auf Kriegsfuß. Sie machen 27,7 Prozent aller diagnostizierten Beschwerden aus. Auf Rang zwei unter den Reizstoffen folgt die Hausstaubmilbe, die Plätze drei und vier gehen an Katze und Birke. Dabei ist die Zahl der Allergie- und Intoleranz-Diagnosen massiv im Steigen begriffen, die Kosten für Medikamente und Therapien ebenso.

Zu sauber für diese Welt
Woher die Zunahme der Krankheitsfälle rührt, ist strittig. "Zu viel Hygiene in den ersten Lebensjahren", ist Friedrich Horak vom Allergiezentrum Wien West, überzeugt und widerspricht damit einer anderen beliebten Theorie, nämlich einem Anstieg der Umweltgifte. Der allgemeine Stress sei ebenfalls ein wichtiger Faktor, bringt Reinhart Jarisch von der Österreichischen Gesellschaft für Allergologie und Immunologie, die psychosomatische Ebene ins Spiel. Unbestritten ist jedoch, dass die Gene eine Rolle spielen. Sind beide Eltern Allergiker, liegt die Wahrscheinlichkeit, dass das Kind eine entsprechende Diagnose bekommt, bei 50 bis 60 Prozent.

Mehr Erkrankungen oder nur mehr Diagnosen?
Eine weitere unter Wissenschaftlern strittige Frage ist, ob tatsächlich die Zahl der Allergiefälle steigt oder bloß jene der Diagnosen. Viele Ärzte neigen heute zu letzterer Variante. Durch mediale Berichterstattung sei das Bewusstsein für diese Krankheitsbilder gestiegen, und verbesserte Diagnosemöglichkeiten sorgten dafür, dass das Leiden korrekt befundet würde. Das ist deshalb keine Selbstverständlichkeit, weil die Symptome oft unbestimmt sind und sowohl von den Betroffenen als auch von deren Umgebung als kleine Wehwehchen ignoriert werden. Schon die Unterscheidung zwischen Allergie und Unverträglichkeit ist den wenigsten geläufig, hat aber für die Therapie entscheidende Bedeutung.

Das Geschäft mit den Kranken
Wo immer jemand bezahlt, gibt es einen anderen, der gut verdient. Zu den größten Profiteuren zählt naturgemäß die Pharmaindustrie. Sie entwickelt und vertreibt Präparate, die in unterschiedlicher Weise Linderung oder sogar Heilung von der lästigen Plage versprechen. Derzeit gibt es zwei Therapieansätze. Bei der Desensibilisierung wird versucht, durch gezielten, kontrollierten Kontakt mit dem krank machenden Stoff die Überreaktion des Körpers abzubauen. Die andere Methode beschränkt sich auf reine Symptombekämpfung und macht die dauerhafte beziehungsweise saisonale Einnahme von Medikamenten notwendig.

Tiefstapler Pharmabranche
Offizielle Zahlen, was die Pharmaindustrie an Umsatz bringt, gibt es nicht. Dafür aber hat die Sozialversicherung 2007 14 Millionen Euro alleine für Desensibilisierung ausgegeben - ein Bereich, der im internationalen Schnitt bei etwa fünf Prozent der Gesamtausgaben für Allergien liegt. Die restlichen 95 Prozent entfallen auf Antihistaminika und Kortison. Wenn man diese Zahlen hochrechnet - die Relation dürfte zumindest grob auch auf Österreich zutreffen -, kommt man selbst bei einer sehr konservativen Schätzung auf einen jährlichen Umsatz von Minimum 100 Millionen Euro. Für den Patienten heißt das: zahlen!

Lesen Sie die ganze Story im FORMAT 21/08!

27.5.2008 08:58