Donnerstag, 29. Mai 2008

Große Spaltung bei heimischer Telekom?
Festnetz & Mobilfunk sollen getrennt werden

  • FORMAT: Baustein von Nemsics großem Umbauplan
  • Staat schließt kompletten Verkauf nicht mehr aus

Es war ein angenehmer Frühsommertag nach dem Ge-schmack von Boris Nemsic: blauer Himmel und Meer. Zur Aufsichtsratssitzung am 13. Mai lud der Telekom-Boss mit kroatischen Wurzeln in seine Lieblingsstadt Dubrovnik. Die mediterrane Atmosphäre sollte auch das Klima in dem Meeting entspannen. So ganz gelang das Vorhaben aber nicht, denn ein heikles Thema musste ausführlicher als vorgesehen behandelt werden.

Der Plan, die Mobilkom und die Festnetz AG komplett zu trennen, also den Telekom-Konzern zu zerlegen, erregte die Gemüter. Nemsic wollte bei diesem Projekt den Ball flach halten. Nach einem "Standard"-Bericht bohrten aber die Betriebsräte im Aufsichtsrat nach.

Unbefriedigt blieben sie dennoch. "Es fehlen noch sehr viele Antworten", berichtet Gewerkschaftschef Michael Kolek. Auch FORMAT gegenüber lässt sich Nemsic nur zu einer lapidaren Aussage hinreißen: "Es ist noch viel zu früh, um über eine Trennung zu reden."

Grundsätzliche Entscheidung gefallen
Aber: Die grundsätzliche Entscheidung dafür ist intern so gut wie gefallen. Der General ist dafür, die anderen Vorstände sind dafür und auch die Staatsholding ÖIAG, die 27 Prozent an der Telekom Austria (TA) hält.

Zwei eigenständige Gesellschaften für Mobilfunk und Festnetz, die beide an der Börse notieren, sind ein Teil des großen Umbauplans, mit dem Nemsic wieder mehr Dynamik in den TA-Konzern bringen will. Der zweite Teil ist die Agentur für unkündbare Beamte, die aber die Gewerkschaft bekämpft.

Teilung wird sich lohnen
Regierungsvertretern hat der TA-Vorstand mitgeteilt: Investmentbanker seien überzeugt, dass die beiden Sparten an der Börse einen höheren Wert haben als der gemeinsame Konzern, der es zuletzt auf knapp 7,5 Milliarden Euro brachte. Wenn eine Prüfung das bestätigt, werden Nemsic & Co die Teilung vorschlagen. "Und die Prüfung wird ergeben, dass es sich lohnt", sagt ein TA-Manager.

Das dahinterstehende Kalkül: Die beiden Gesellschaften haben sehr wenig gemeinsam, weil Festnetz und Handy-Sparte ganz unterschiedliche Investoren ansprechen. Die Mobilkom könnte sich dann als Wachstumsaktie positionieren, das Festnetz als Dividendenpapier für Infrastruktur-Anleger.

Privatisierung im Hinterkopf
Nicht auszuschließen ist zudem, dass sich der Staat mittelfristig komplett aus der Mobilkom zurückzieht. Hingegen gibt es Tendenzen, vor allem in der SPÖ, dass die ÖIAG dafür ihren Anteil an einer Festnetz AG aufstocken könnte. Betriebsrat Kolek: "Das ist Infrastruktur und damit ein Kerngeschäft des Staates." Auch Finanzstaatssekretär Christoph Matznetter hat schon laut über eine Beteiligung bis zu 51 Prozent nachgedacht.

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29.5.2008 08:27