Dienstag, 20. Mai 2008

Reinhard St.: "Ich tötete aus Liebe"

  • Jetzt spricht der Fünffachmörder

Das Geständnis. Jetzt spricht der Fünffachmörder über die grauenvollen Details seines Verbrechens.

Als Reinhard St. am Dienstag, dem 13. Mai 2008, kurz nach sechs Uhr früh aufwacht, fühlt er sich müde und aufgekratzt zugleich. Eine unruhige Nacht liegt hinter ihm, mit wirren Alpträumen und schlaflosen Phasen, in welchen er noch einmal in Gedanken die Szenen seiner längst geplanten Wahnsinnstat durchspielte. Und nun, nun spürt er: Es gibt kein Zurück mehr.
Denn jetzt, endlich, weiß ich ganz gewiss: Ich werde es schaffen. Ich werde alles vernichten, was mir bislang wichtig war, die Menschen, die ich liebe, mich selbst. Ich werde Dinge tun, die mir keiner jemals zutraute. Und danach wird es sein, als hätte ich niemals existiert.

Der erste Mord. Der 39-jährige Akademiker steht auf, zieht die Jalousien hoch, schaut aus dem Fenster, in den gepflegten Garten vor seinem noblen Wohnhaus in Wien-Hietzing, duscht, zieht Jeans, ein Polo-Shirt und Hausschlapfen an, geht in die Küche, kocht Kaffee. Hört aus den Nebenräumen, wie seine Gattin Barbara und Töchterchen Nathalie leise ein paar Worte mitein­ander wechseln, das Kind darf heute ein bisschen länger im Bett bleiben, es ist der letzte Tag der Pfingstferien. Barbara St. zieht sich bald ins Bad zurück. Und dann geht ihr Mann langsam zu dem Schrank, in dem seine Waffe versteckt ist. Nimmt die Hacke, die er am vergangenen Samstag in einem Haushalts­zubehörgeschäft um 9,90 Euro gekauft hat – und beginnt sein grausames, absurdes Werk. Schleicht zu seiner Frau, die gerade, über das Waschbecken gebeugt, die Zähne putzt – und schlägt zu. Gegen ihren Hinterkopf, mit der stumpfen Seite des Beils, „weil ich“, wie Reinhard St. nun sagt, „nicht wollte, dass sie viel blutet“. Die 42-Jährige fällt zu Boden, wimmert, kreischt: „Was tust du …!“

Der Täter holt noch einmal aus, und noch einmal, immer wieder, 14 Hiebe versetzt er dem Opfer, dann entdeckt er Nathalie, die Tochter, „mein Alles, mein Liebstes“, hinter sich. Die Kleine weint, ist völlig verstört, die Todesschreie der Mutter haben sie alarmiert, und nun sieht sie die Frau mit zertrümmertem Schädel am Boden liegen und den Vater vor ihr knien, mit einer Axt in den Händen.

Der zweite Mord. Bloß Sekunden später erfolgt der Angriff auf die Siebenjährige, zwölf Schlä­ge gehen auf das Kind nieder. Nathalie bricht zusammen, rührt sich nicht mehr, aber sie röchelt noch. „Dieses Geräusch war so schrecklich, ich konnte es kaum ertragen“, so der Täter im Po­lizei-Verhör, „und ich wollte doch nicht, dass meine Tochter leidet, dass sie Schmerzen hat“. Ich muss sie erlösen, schnell.

Und Reinhard St. holt einen Fuchsschwanz aus dem Regal im Vorzimmer.
Was fühlte der Mann, als er das viele Blut und die schrecklich zugerichteten Körper vor sich sah? „Erleichterung, tiefe Erleichterung.“ Keine Trauer, kein Entsetzen, kein Grauen? „Nein, ich war bloß froh, dass Barbara und Nathalie endlich befreit waren.“ Wovon? „Von der Schmach, von der enormen Schande über mein Versagen.“ Über das finanzielle De­saster, in welches er seine Familie durch Fehlspekulationen gebracht hätte. Barbara St. lässt er im Bad liegen, er wartet, bis sich ihre Nerven beruhigen, die Beine zu zucken aufhören, holt dann eine Decke und legt diese über die Frau. Das tote Kind nimmt er behutsam in die Arme, trägt es in einen Schrankraum, bettet es weich, legt Nathalies Lieblingsteddy neben die Leiche und deckt sie ebenfalls zu, mit einem weißen Leintuch.

„Ich wollte meine Tochter und meine Frau symbolisch begraben, bevor ich meine nächs­ten Schritte setzte.“ Es ist kurz nach 8 Uhr, als Reinhard St. im Finanzmi­nisterium, der Arbeitsstelle seiner Gattin, anruft, und diese krankmeldet: Barbara fühle sich nicht gut, erklärt er mit klarer Stimme, vielleicht habe sie sich bei der Tochter angesteckt, die laboriere ja seit Tagen schon an einem grippalen Infekt. Kaum hat er aufgelegt, tätigt der Mann noch ein Telefonat: mit einem Angestellten jener Leihwagenfirma, bei welcher er ab dem Wochenende bis heute, Dienstag, einen Hyundai Sonata gemietet hat: „Ich möchte den Vertrag bis Mittwoch verlängern“, gibt er bekannt. Und fühlt sich damit „befreit“. Von der Last, „entdeckt“ zu werden – bevor er sein „Werk“ voll­enden kann. Er hat schließlich noch einiges vor …

Der Doppelmord an den Eltern. Völlig entspannt reinigt Reinhard St. nun die Axt von Blutspuren, wäscht sich selbst gründlich, geht danach zu seinem Kleiderschrank, zieht eine frische Hose, einen hellen Pullover und Sneakers an, packt Socken, T-Shirts, Lederschuhe und einen grauen Anzug, säuberlich gefaltet, in einen Rucksack, legt das Beil, ein paar Küchenmesser, Scheren und mehrere Bögen seines Firmenbriefpapiers dazu. Verlässt schließlich um zirka 10.15 Uhr seine Wohnung in der Neue-Welt-Gasse 8, setzt sich in den Hyundai. Und fährt langsam los, in Richtung Westen. Biegt bei Ansfelden von der Autobahn ab, beinahe im Schritttempo bewegt er sich hin zu seinem Elternhaus. Nur ja nicht auffallen, nur ja in keine Polizeikontrolle ge­raten, nur ja in keinen Unfall verwickelt werden. Nur ja die Kontrolle bewahren. Die er in Wahrheit längst verloren hat. Die Hintertüre des Hauses ist offen, als der 39-Jährige um etwa 13.30 Uhr in der Traun­uferstraße 10 ankommt. Mit leisen Schritten betritt der Mann die Wohnung, die Axt hinterm Rücken in der Hand. Im Erdgeschoß begegnet er seiner Mutter, die 69-Jährige freut sich über den „Überraschungsbesuch“ ihres Sohnes, will ihn umarmen. Er schlägt sofort mit seinem Beil auf die Frau ein, einmal, zweimal, dreimal … 15-mal, er sieht ihr beim Sterben zu. Es muss sein, es geht nicht anders …

Die ganze Story finden Sie im aktuellen NEWS-Magazin

20.5.2008 19:12