Freitag, 23. Mai 2008

Ölpreis steigt weiter Richtung Rekordhoch: Spekulationen als Ursache für Höhenflug

  • Gewinnmitnahmen beruhigten Preise nur kurzfristig
  • Erdölmarkt hat weiterhin Potenzial für Rekordsprünge

Die Ölpreise haben nach kräftigen Gewinnmitnahmen wieder zugelegt und sich deutlich über der Marke von 130 Dollar gehalten. Im Nachmittagshandel kostete ein Barrel Rohöl der US-Referenzsorte West Texas Intermediate mit Auslieferung im Juli 132,38 Dollar (84,02 Euro) und damit 1,60 Dollar mehr als im späten Vortageshandel. Zuvor hatte der WTI-Ölpreis noch ein neues Rekordhoch bei 135,09 Dollar erreicht.

An der Börse in London ist der Preis für Rohöl der Nordseesorte Brent nach Gewinnmitnahmen wieder deutlich gestiegen und stand zuletzt bei 132,45 Dollar. Hier gab es am Donnerstag einen Höchstwert bei 135,14 Dollar.

Gewinnmitnahmen beruhigten Preis
Nach der jüngsten Rekordjagd mit einem Preissprung über die Marke von 135 Dollar haben zunächst Gewinnmitnahmen den US-Ölpreis wieder in die Nähe von 130 Dollar sinken lassen, sagte der Rohstoffexperte David Moore von der Commonwealth Bank of Australia. Trotz der jüngsten Gewinnmitnahmen an den Ölmärkten könne von einer Entspannung der Lage aber keine Rede sein, sagte der Experte Mark Pervan von der ANZ Bank. Die Situation an den Ölmärkten sei weiterhin "brandheiß".

"Viele Anleger werten die Gewinnmitnahmen im späten Handel als eine günstige Einstiegsmöglichkeit", beschreibt der Analyst Ed Meir vom Londoner Handelshaus MF Global den Handel. Die Ölmärkte hätten nach wie vor das Potenzial für Rekordsprünge. Anfang des Monats hielt die renommierte US-Investmentbank Goldman Sachs in den kommenden zwei Jahren sogar einen Höhenflug bei den Ölpreisen bis an die Marke von 200 Dollar für möglich.

Spekulation als Preistreiber
Neben der Sorge der Anleger vor künftigen Engpässen bei der Versorgung der Weltmärkte mit Rohöl sehen Fachleute auch das starke Engagement von Spekulanten als Preistreiber. In den vergangenen Monaten investierten unter anderem große Fondsgesellschaften an den Ölmärkten. Mit nahezu täglichen Rekordwerten gab es zuletzt aber auch immer wieder Experten, die vor einer Spekulationsblase warnten. "Die Anzeichen für eine Blase am Rohölmarkt mehren sich", sagte beispielsweise der Volkswirt Ralph Solveen von der Commerzbank. Aber auch für den Experten Solveen ist zunächst kein Ende des Höhenflugs an den Ölmärkten in Sicht.

Unterdessen sprang der Preis für Rohöl der Organisation erdölexportierender Länder (OPEC) auf einen neuen Rekordstand. Nach Angaben des OPEC-Sekretariates vom Freitag kostete ein Barrel Rohöl aus den Fördergebieten des Kartells am Donnerstag 127,59 US-Dollar. Das waren 3,14 Dollar mehr als zum Handelsschluss am Vortag.

(apa/red)

23.5.2008 15:07