Neue AUA-Partner? Lufthansa und Laudas
'FlyNiki' kommen ins Spiel um die Zukunft
- FORMAT: Österreichische Lösung bald Geschichte?
- ÖIAG tendiert zur Lufthansa als strategischen Partner

·AUA: Al Jaber steigt aus bevor er einsteigt
Nach geplatztem Deal ist
Lufthansa interessiert
·Kritik an Molterer
von allen Seiten
"Restliches Familiensilber
auch noch verscherbeln"
·Gusenbauer: "AUA bleibt österreichisch"
Kanzler schaltet sich in Diskussion um Airline ein
Die Zukunftsfrage der AUA wird zunehmend brisanter: Mittlerweile spricht sich sogar AUA-Boss Alfred Ötsch für eine "strategische Partnerschaft" und gegen die österreichische Lösung aus. ÖVP-Vizekanzler Wilhelm Molterer pflichtet Ötsch in dieser Frage bei. Es sollen jedoch alle Optionen für die Zukunft der AUA geprüft werden, betont Molterer gegenüber FORMAT. In der Koalition könnte dadurch erneut ein Streit vom Zaun brechen. Die SPÖ unter Kanzler Alfred Gusenbauer ist nämlich strikt gegen einen Verkauf der Staatsairline.
Die Zukunft der AUA war nie brisanter als jetzt. Der AUA-Hauptaktionär ÖIAG, der knapp 43 Prozent hält, prüft mehrere Varianten für Verkauf oder Partnerschaft. Ein externer Consulter wird hinzugezogen. Im ÖIAG-Aufsichtsrat herrscht eine klare Präferenz für einen Einstieg der Lufthansa. Auch ÖIAG-Boss Peter Michaelis, der Aufsichtsratspräsident der AUA, sowie Vizepräsident Rainer Wieltsch tendieren dazu.
Schubumkehr in der AUA-Strategie
AUA-Lenker Ötsch hat die Schubumkehr gezündet: Der glühende Verfechter einer Stand-alone-Strategie kann sich plötzlich den mehrheitlichen Verkauf vorstellen - eine übrigens "mit dem Vizekanzler akkordierte Aussage", wie dessen Büro bestätigt. ÖVP-Finanzminister Wilhelm Molterer betont FORMAT gegenüber, dass "alle Möglichkeiten auf den Tisch kommen müssen" - ausdrücklich auch eine Abgabe der Mehrheit.
Allein kann die AUA unter den Bedingungen, die in der Luftfahrt herrschen, jedenfalls nicht weiter bleiben. Sie ist ganz offensichtlich nicht in der Lage, operativ schwarze Zahlen zu erwirtschaften. 2005 und 2006 war das Betriebsergebnis in Summe mit 189 Millionen Euro im Minus. Heuer droht nach 60 Millionen Euro Verlust im ersten Quartal noch viel Schlimmeres. Die 200 Millionen, die noch von der letzten Kapitalerhöhung übrig sind, werden 2009 aufgebraucht sein.
SPÖ will österreichische Lösung
Die rot-weiß-rote Heckflosse entwickelt sich dennoch zu einer Art Glaubenskrieg. Die SPÖ unter Kanzler Alfred Gusenbauer weicht nicht von ihrem Kurs ab, dass die AUA österreichisch bleiben muss. Verkehrsminister Werner Faymann betont, es dürfe "keine Schwächung des Wirtschaftsstandorts geben". Der Wiener Bürgermeister Michael Häupl verlangt, dass 50 Prozent plus eine Aktie an der AUA in österreichischer Hand bleiben.
Eine ausländische Fluglinie, die sich auf Dauer mit einem Minderheitsanteil an der AUA zufrieden gibt, wird sich nicht finden. Im Hintergrund tüfteln Politiker deshalb plötzlich auch an einer österreichischen Lösung. Die könnte dann aber nur NIKI heißen. Die Billigairline von Niki Lauda ist die einzige, mit der die AUA hierzulande vielleicht Synergien heben könnte. Lauda bleibt FORMAT gegenüber bei seiner Meinung: "Die Lufthansa wäre der schnellste, beste und sinnvollste Weg für die AUA, um wieder in die Gewinnzone zu fliegen." Sollte dieser aber aus emotionalen und parteitaktischen Gründen unmöglich sein, wäre Lauda bereit, über ein gemeinsames Konzept zumindest nachzudenken, so ist aus Politkreisen zu hören. Denkbar wäre vor allem eine gemeinsame Strategie im Billigflugsegment.
Sehr realistisch ist ein österreichischer Weg für die AUA trotz allem nicht. Es gibt zu viele Wenn und Aber. Die ÖIAG diskutiert seit etwa drei Jahren, wie die AUA abgesichert werden kann. Und fast alles, was in den Schubladen der Staatsholding schlummert, deutet auf einen Kurs Richtung Lufthansa hin. Das Hauptargument für die Deutschen, das ins Treffen geführt wird: Es könnte wohl passieren, dass die AUA als Teil der Lufthansa-Gruppe ein paar ihrer 41 Destinationen in Osteuropa verliert.
AUA wird den Scheich klagen
Scheich Al Jaber hat unterdessen die letzte Frist zur Hinterlegung einer Bankgarantie für seine vertraglich zugesagte Kapitalerhöhung bei der AUA verstreichen lassen. Jetzt sind die Juristen am Wort. Zuerst wird auf Erfüllung des laut Ötsch "wasserdichten Vertrags" geklagt. Danach könnte noch eine Schadenersatzklage folgen. Der Scheich wird mit "arglistiger Täuschung" durch Ötsch argumentieren. Die Staatsholding ÖIAG wollte sich diese Schlammschlacht gern ersparen. Ohne Gerichtsurteil wäre jedoch das Haftungsrisiko für Vorstand und Aufsichtsrat der AUA zu groß.
Lesen Sie den den vollständigen Artikel im aktuellen FORMAT Nr. 21/2008!

