20.5.2008 15:32

Wunderwaffe soll Kickern Beine machen:
"Hicke" vertraut auf neue Hypoxie-Kammer

  • Hickersberger von Sinnhaftigkeit absolut überzeugt
  • Teamarzt Schopp: Muskeln werden besser massiert

Das österreichische Nationalteam setzt in der Vorbereitung auf die EURO 2008 auf neue Technologien. Nun traf im ÖFB-Camp in Lindabrunn ein Sattelschlepper mit einem Anhänger ein, der eine Novität nicht nur im Fußball, sondern im Sport allgemein darstellen dürfte. Die sogenannte "Hypoxie-Kammer" (Hypoxie bedeutet frei übersetzt "wenig Sauerstoff") soll Andreas Ivanschitz und Co. zur besseren Regeneration dienen.

In der rund 60 Quadratmeter großen Räumlichkeit können in punkto Sauerstoffgehalt Bedingungen wie in Höhenlage simuliert werden. Der genaue Sauerstoffanteil kann reguliert werden, für das ÖFB-Team wird er auf etwa 2.500 Meter eingestellt. Teamarzt Ernst Schopp legte allerdings Wert auf die Feststellung, dass es sich dabei nicht um ein Höhentraining handelt. "Das haben wir nie vorgehabt. Es handelt sich nicht um eine Höhensituation, sondern um eine Hypoxie-Situation", betonte der Mediziner.

Lesen und massieren
Schopp will nun alle Spieler informieren "und ihnen sagen, dass sie es einmal probieren sollen". Ein "Hypoxie-Zwang" bestehe allerdings nicht. Als Aufenthaltsdauer werden den Kickern 30 bis 45 Minuten empfohlen, der positive Effekt tritt angeblich nach 15 Minuten ein. In der mit Teppich ausgelegten Kammer sind Stühle und Massagetische aufgestellt, die Spieler werden in dem Raum entweder lesen oder massiert, aber keine körperlichen Anstrengungen unternehmen.

Durch den niedrigeren Sauerstoffgehalt soll der Stoffwechsel angeregt werden, auch Muskeln können angeblich besser, weil tiefer massiert werden. Allerdings, so musste Schopp zugeben, basieren diese Thesen auf "Beobachtungen", denn wissenschaftliche Studien zu diesem Thema existieren nicht.

Keine Zweifel an Sinnhaftigkeit
Teamchef Josef Hickersberger führte zum Thema Hypoxie-Kammer bereits im Dezember erste Gespräche mit Herbert Kernreuter, dem Marketing-Chef der Wiener Firma "Körper.Geh.Fühl", die mit Hypoxie-Kammern arbeitet und für den ÖFB die mobile Station, die während der EURO auch in Stegersbach stehen wird, entwarf und zur Verfügung stellte. Nach Gesprächen mit vielen Medizinern ist Hickersberger von der Sinnhaftigkeit des Projekts überzeugt. "Alle, mit denen ich gesprochen habe, haben mir versichert, dass es für die Regeneration positive Effekte gibt und die Durchblutung der Muskeln gefördert wird."

Zweifel an der neuen Methode ließ sich "Hicke" nicht anmerken. "Ich weiß, dass wir neue Wege beschreiten, die teilweise noch nicht erforscht sind. Es ist High-Tech pur. Wir haben das Modernste, was am Markt üblich ist. Der Rest ist Fantasie, aber ich glaube, wenn wir den anderen in der Vorbereitung alles nachmachen, werden wir nichts Neues und vielleicht keine Überraschung haben", erklärte der Teamchef, der keine "Hypoxie"-Bedenken hat. "Früher hat man unten gelebt und ist nach oben gegangen, um zu trainieren. Neueste Erkenntnisse aber sagen: 'Live high, train low'."

Weiterer Mosaikstein in der Trainings-Präzision
Teamarzt Schopp sieht in der Hypoxie-Kammer "einen weiteren Mosaikstein in der Trainings-Präzision. Wenn wir schon jedes Training exakt steuern, müssen wir auch optimale Bedingungen für die Regeneration schaffen", erklärte der Wiener, der seinen Spielern aber vor einem allzu exzessiven Gebrauch der Kammer abrät, weil sonst die Gefahr bestünde, dass die Spieler zu "relaxt" seien und dadurch im Ernstfall zu wenig Spannung aufbauen könnten. Deshalb wird auch vor einer Anwendung einen Tag vor einem Spiel abgeraten.

Finanziert wurde die mobile Hypoxie-Kammer mit Unterstützung des Bundeskanzleramtes. Nach der EM wird der Truck zwar nicht weiter eingesetzt, die Geräte aber sollen abmontiert und auch anderen Sportarten zur Verfügung gestellt werden.

(apa/red)

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20.5.2008 15:32
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