Als Spieler war er beinharter Verteidiger:
Nun agiert er als schlauer Fußballprofessor
- Totale Abschottung in EM-Vorbereitung für sein Team
- Als "Eigenbrödler" in Frankreich bekannt & geschätzt

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Seine Erscheinung erinnert ein wenig an die des verrückten Professors. Tatsächlich ist Frankreichs Fußball-Teamchef Raymond Domenech ein leidenschaftlicher Hobby-Schriftsteller und Astrologe. Letztere Neigung treibt oft seltsame Blüten. Domenech misstraut dem Sternzeichen Skorpion. Das hatte nach einem Streit im Herbst 2004 unter anderem zum Ende der Teamkarriere von Routinier Robert Pires geführt. Nicht nur deshalb ist der Nationaltrainer in seiner Heimat umstritten.
Domenech selbst ist im Sternzeichen Wassermann - ein typischer, wenn man gängigen Attributen Glauben schenkt. Der unkonventionelle 56-Jährige schwimmt mit Vorliebe gegen den Strom, neigt aber auch zur Provokation. Im Vorjahr hatte Frankreichs Teamchef den italienischen Fußball in einem Zeitungsinterview als korrupt bezeichnet und war dafür von der UEFA für ein Spiel gesperrt worden. In einem Nachwuchs-Länderspiel gegen Frankreich sollen die Italiener 1999 den Schiedsrichter bestochen haben.
Domenech hatte von 1993 bis 2004 die französischen U20- und U21-Teams betreut, ehe er nach der EURO 2004 in Portugal Jacques Santini als A-Teamchef nachfolgte. Davor hatte er seinen Stammclub Olympique Lyon 1989 in die höchste Spielklasse und zwei Jahre später in den Europacup geführt. In seiner Heimatstadt Lyon und in Bordeaux hatte er unter anderem unter Aime Jacquet gespielt - jenem Trainer, der Frankreich 1998 zum WM-Titel geführt hatte. "Natürlich hat er mich beeinflusst", gestand Domenech.
"Schienbeinbrecher" mit eigenen Ideen
Doch als "Selectionneur" verfolgt Domenech, der als Spieler den Ruf eines beinharten Verteidigers genossen hatte(Beiname "Schienbeinbrecher"), seine eigenen Ideen. So verzichtete er in einem EURO-Kader auf Stürmerstar David Trezeguet. Doch der Trainer katalanischer Abstammung, dessen Vater einst vor der Franco-Diktatur aus Spanien geflohen war, hat die Öffentlichkeit bereits einmal überrascht, als er die "Equipe Tricolore" bei der WM 2006 ins Finale führte.
Ein verlorenes Elfmeterschießen gegen Italien - ausgerechnet Trezeguet war an der Latte gescheitert - trennte Domenech davon, auf Augenhöhe mit seinem Mentor Jacquet zu stehen. Eine nächste Chance erhält der "kleine Napoleon" - so nennt ihn die italienische Presse - bei der EURO 2008. Dort warten in der schweren Gruppe C erneut Weltmeister Italien, die Niederlande und Rumänien. Auf die Rumänen sowie Österreich trifft Frankreich auch in der WM-Qualifikation. Domenechs Vertrag läuft bis 2010.
"In der Ruhe liegt die Kraft"
In der EM-Vorbereitung setzt der Teamchef auf Ruhe. "Wir müssen uns komplett von der Außenwelt abschotten, um psychologisch ruhigbleiben zu können", meinte Domenech. Von Zeitungs- und TV-Konsum während des Turniers rät der Fußball-Philosoph seinen Spielern daher dringend ab. Dabei ist Domenech selbst mit der bekannten Fußball-Journalistin Estelle Denis (31 Jahre) liiert. Das ungleiche Paar hat zwei gemeinsame Kinder - Tochter Victoire (geboren Juli 2004) und Sohn Merlin (Juli 2007).
(apa/red)
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