19.5.2008 17:16

Die Fußball-"Multi-Kulti-Nati" der Schweiz:
Nationalteam aus Schweizern und Secondos

  • "Bunte" Nationalteams haben in der Schweiz Tradition
  • Nationalisten betrachten Secondos nicht als Schweizer

Der Schweizer hat einen Hang zum Fähnchen. Ein Spleen, der offenbar auch auf die Immigranten abgefärbt hat. Ein Zug von Zürich nach Bern etwa fährt an schmucken Kleingärten vorbei, wo jeder stolze Schreberhausbesitzer am Fahnenmast seine Herkunft zur Schau stellt. Neben dem roten Quadrat mit dem Schweizer Kreuz wehen auch italienische, spanische, portugiesische Fahnen sowie serbische, kosovarische, kroatische oder solche mit dem türkischen Halbmond. Wie im Kleingarten so auch im Stadion: Die Migrationswellen, welche die Schweiz vor allem in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts überschwappte, fand im Fußball ebenfalls seinen Niederschlag.

"Ab den späten 80er Jahren gelangten immer mehr Secondos in die Nationalmannschaft und wurden Teamstützen", schreibt Christian Koller von der Universität Zürich in dem Sammelband "Die Nati - Die Geschichte der Schweizer Fussball-Nationalmannschaft". Zuvor waren es in den 50er bis 70er Jahren eher vereinzelte Fälle gewesen, wobei vor allem ehemalige Italiener für die Schweiz spielen durften. Später wurde es multikultureller. Es gab Schweizer Nationalspieler mit Wurzeln in der Türkei, im Kongo, in Deutschland, Italien oder Spanien... Andere hatten eine Doppelstaatsbürgerschaft, wie zum Beispiel Bernt Haas und Patrick Müller, die auch einen österreichischen Pass besaßen.

Einige Spieler der "Nati" stammten auch aus den Nachfolgestaaten Ex-Jugoslawiens. 2003 stellte die "Neue Zürcher Zeitung" (NZZ) daher fest: "Der Schweizer Nationalspieler der Zukunft kommt aus dem Balkan." Etwas salopper formulierte es das Nachrichtenmagazin "Facts": "Hopp Schwiic", lautet dort 2004 eine Überschrift. Mitunter waren Einbürgerungen von Fußballern mit Migrationshintergrund durchaus Anlass für heftige Debatte, im Falle der dunkelhäutigen Spieler Badile Lubamba und Blaise N'Kufo gab es in rechtsextremen Kreisen durchaus auch rassistische Ausfälle.

Eine Nationalmannschaft, die Brücken schlägt
Dennoch stellt die "Nati" einen Integrationsfaktor dar, meinte Christian Koller in einem APA-Interview. Dabei stellt ja die Schweiz auch ohne "Ausländer" einen europäischen Sonderfall da. Die Eidgenossenschaft wird oft als "Willensnation" definiert, handelt es doch um den freiwilligen Zusammenschluss von vier Volksgruppen mit ebenso vielen Sprachen (Deutsch, Französisch, Italienisch, Rätoromanisch).

Daher gibt es auch in der Schweizer Nationalmannschaft so etwas wie einen "Röstigraben". Dieser Begriff steht scherzhaft für den Unterschied in den Mentalitäten von Deutschschweizern und Romands, also französischsprachigen Schweizern, aber auch für den latenten Konflikt zwischen der deutschsprachigen Bevölkerungsmehrheit und der frankophonen Schweiz. Koller: "Davon wird ab und zu auch in der 'Nati' gesprochen. Etwa auch in Bezug auf die Spielstile. Faktisch gibt es aber wenig Probleme. Außer, dass Deutschschweizer lieber mit Deutschschweizern das Hotelzimmer teilen und Romands lieber mit Romands."

Nationalistische Kritik
Bezüglich einer "Multi-Kulti-Nati" sieht Koller sieht die Gesellschaft aber gespalten: "Während in den Medien die 'Nati' mehrheitlich als ein Beweis dafür gesehen wird, dass von der Integration von 'Secondos' auch die Schweiz als Ganzes profitiert, gibt es von nationalistischer Seite auch Stimmen, die die 'Nati' nicht mehr als Repräsentanz des 'Schweizertums' anerkennen wollen. Die Versuche, die erfolgreichen Secondo-Spieler für politische Zwecke bei den Volksabstimmungen über eine erleichterte Einbürgerung von Immigrantenkindern zu benutzen, schlugen ebenfalls fehl - alle diese Vorlagen wurden bisher abgelehnt." (apa/red)

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19.5.2008 17:16
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